God's Own Country

Nach einer umfassenden Pew-Umfrage glauben in den USA 92 Prozent der Menschen an Gott, auch der Glaube an Wunder, Engel und Dämonen ist in der bröckelnden Supermacht erstaunlich verbreitet

Gottes Land sind weiterhin, zumindest wenn es um den christlichen Gott geht, die USA. 71 Prozent glauben an Gott oder an ein göttliches Wesen und halten den Glauben für "absolut sicher". Bei der Pew-Umfrage zur Religiosität in den USA sagen weitere 17 Prozent, dass es Gott wahrscheinlich gibt. Nur fünf Prozent glauben nicht an Gott, eine absolute Minderheit. Die Christen, also die Evangelikalen, die Mormonen, die Zeugen Jehovas, sind in den USA noch religiöser als die Muslims, von denen "nur" 82 mit Gewissheit an Gott glauben. Bei den Christen sind es 90 Prozent. Juden und Buddhisten sind da schon sehr viel zurückhaltender.

In den USA sind 78,4 Prozent der Menschen christlich. Die Mehrzahl der Erwachsenen ist noch immer mit 51,3 Prozent protestantisch (26 Prozent gehören evangelikalen Kirchen an). 24 Prozent sind katholisch, 4,7 gehören anderen Religionen an (Muslime 0,6%), 16 Prozent geben an, sie seien bei keiner Religionsgemeinschaft.

92 Prozent glauben an Gott, 60 Prozent an einen persönlichen Gott. Bei den Protestanten glauben 72 Prozent an einen persönlichen Gott und 19 an eine unpersönliche Kraft, bei den Muslims sind es nur 41 Prozent bzw. 40 Prozent. Wer an Gott glaubt, wird meist auch etwas mit Himmel und Hölle, also mit göttlicher Belohnung und Bestrafung, anfangen können. Interessant mag sein, dass 72 Prozent aller US-Amerikaner der Meinung sind, es gebe einen Himmel, mit der Hölle wird ein wenig gehadert, hier sind es nur 60 Prozent. Protestanten und Muslims liegen mit 84 bzw. 85 Prozent fast gleichauf beim Glauben an einen Himmel, doch während auch 80 Prozent der Muslime an eine Hölle glauben, sind es bei den Protestanten "nur" 73 Prozent. Die Katholiken ziehen eindeutig den Himmel vor (80%), sind sich bei der Hölle lieber nicht ganz so sicher (60%). Für Juden und Buddhisten spielen Himmel und Hölle eine geringe Rolle.

Religion ist für 82 Prozent wichtig (Protestanten 93%), 56 Prozent sagen sogar, dass sie sehr wichtig ist. Für Frauen ist die Religion wichtiger als für Männer, ebenso für Ältere als für Jüngere. Für sehr wichtig betrachten aber auch 45 Prozent der 18-29-Jährigen schon die Religion (69% der über 65-Jährigen). Religiosität ist auch abhängig von der Bildung. Mit höherer Bildung sinkt der Glaube, in den USA halten aber auch 50 Prozent der College-Absolventen die Religion für sehr wichtig, bei den Protestanten sind es 67 Prozent und bei den Evangelikalen sogar 81 Prozent der College-Absolventen.

Vier Fünftel glauben an Wunder

Nicht bei allen Religionen macht es Sinn, danach zu fragen, ob die jeweilige Heilige Schrift tatsächlich Gottes Wort ist. Zwei Drittel der Befragten stimmen dem jedoch zu und erstaunliche 33 Prozent sagen, es ist das buchstäbliche Wort. Erwartungsgemäß nehmen mit 46 Prozent viele Protestanten und mit 59 Prozent die Mehrheit der Evangelikalen die Bibel als buchstäbliches Wort Gottes. Die Katholiken sind da vorsichtiger (23%), die Juden noch sehr viel mehr (10%), während die Muslims mit 50 Prozent den Protestanten gleichen.

Die Mehrzahl der US-Amerikaner hält zumindest den Boden der Realität für durchlässig. In dieser Welt ist durch den Glauben gewissermaßen eine andere Welt integriert, die jederzeit durchbrechen und wissenschaftliche Rationalität aushebeln kann. Vier Fünftel glauben an Wunder, zwei Drittel an Engel und Dämonen. Bei den Protestanten rechnen sogar 86 Prozent mit Wundern und werden nur noch von den Mormonen (93%) übertroffen. 79 Prozent der Protestanten und Muslims glauben an Engel und Dämonen, bei den Evangelikalen sind es gar 87 Prozent. Am anfälligsten dafür sind jedoch die Zeugen Jehovas (95%) und die Mormonen (88%). 34 Prozent von allen wollen auch eine göttliche Heilung beobachtet oder selbst erfahren haben.

Immerhin scheint die Mehrzahl tolerant zu sein, was von den Pew-Autoren auch entsprechend gewürdigt wird. 70 Prozent stimmen der Aussage zu, dass viele Weg zum ewigen Leben führen können, und 68 Prozent, dass es "mehr als eine Interpretationsmöglichkeit für die Lehren meiner Religion" gibt. Die Zeugen Jehovas und die Mormonen sind am dogmatischsten, allerdings liegen auch hier wieder Evangelikale und Muslime fast gleich auf, auch wenn jeweils eine knappe Mehrheit von 57 bzw. 56 Prozent auch anderen Religionen die Aussicht auf ein ewiges Leben nicht bestreitet. (Florian Rötzer)

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