Gokuchoonsoku Roketto

Die geplante japanische Hyperschallrakete (1) und das hyperschallschnelle Gleitprojektil (2). Bild: Japanisches Amt für Beschaffung, Technologie und Logistik,

Auch Japan entwickelt jetzt Hyperschallwaffen

Die Fachzeitschrift Defense News berichtet unter Berufung auf das japanische Amt für Beschaffung, Technologie und Logistik, dass die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte bis Anfang der 2030er Jahre mit einer im Lande entwickelten Hyperschallrakete mit Scramjet-Staustrahltriebwerk und einem ebenfalls selbst produzierten hyperschallschnellen Gleitprojektil ausgestattet werden sollen.

Beide Hyperschallwaffen sollen über Satelliten gesteuert werden. In den "Flugzeugträgerknackern" und anderen Gefechtsköpfen, die sie befördern werden, sind zusätzlich Sensoren zum Verfolgen der Ziele vorgesehen. Nicht sicher, aber unter den technischen Gegebenheiten gut möglich ist, dass der Abschuss durch die geplanten X-3-Mehrzweckkampfflugzeuge erfolgt, die die bisherigen X-2 ersetzen.

Russland

Mit diesen Plänen für Hyperschallwaffen reagiert das Kaiserreich auf die Rüstungsanstrengungen zweier großer Nachbarn, die in der Hyperschalltechnologie als führend gelten: Russland verfügt über eine Hyperschallrakete namens "Kinschal" ("Dolch"), die von einer die MiG-31K oder einer Tu-22M3M transportiert wird und mit einem eigenen Feststoffraketentriebwerk beschleunigt.

Da sie aus enorm großer Höhe auf ihr Ziel zustürzt, soll die Sprengkraft ihrer Ladung um ein Vielfaches größer sein als die einer herkömmlichen Rakete, welche höchstens auf eine Geschwindigkeit von 800 Stundenkilometern kommt. Dieser Effekt ist auch der Grund dafür, dass bloße (und nicht einmal allzu große) Gesteinsbrocken bei einem aus entsprechender Entfernung erfolgenden Aufprall auf die Erdoberfläche verheerendere Zerstörungen anrichten können als Sprengladungen.

Das Kinschal-Äquivalent für die russische Marine soll die Zirkon-Rakete werden deren Indienststellung für Mitte das Jahres vorgesehen ist (vgl. Putin: Russland ist führend bei Hyperschallwaffen).

China

In China gibt es unter anderem die CH-AS-X-13, mit der die H-6X1/H-6N-Bomber bestückt sein sollen, und den Marschflugkörper DF-17, mit dem sich Bodenziele bekämpfen lassen. Hans Kristensen vom Nuklearwaffeninformationsprojekt der Federation of American Scientists (FAS) vermutet außerdem, dass dort ein modifizierter Mittelstreckenbomber Xian H-6K Hyperschallraketen testet.

Nicht alle Beobachter sind davon überzeugt, dass die russischen und chinesischen Techniker mit dem Hyperschall verbundenen Kühlprobleme für den praktischen militärischen Einsatz schon zureichend gelöst haben. Wären sie gelöst, hätten sich die militärischen Gewichte zwischen den Mächten verschoben, weil sich eine für Radar unsichtbare Rakete, die ihre Richtung ändern kann, mit herkömmlichen Raketenabwehrsystemen praktisch nicht abfangen lässt (vgl. Sputnik-Schock bei Hyperschallraketen?). Für Radarsysteme sind die Raketen unsichtbar. Darüber hinaus können sie über Triebwerksschübe ihre Flughöhe variieren und Richtungsänderungen durchführen.

USA

Die Amerikaner hatten ihre Hyperschallraketenexperimente mit der X-47 und der X-51A Anfang der 2010er Jahre eigestellt, weil sie nicht zu den erhofften Ergebnissen führten, und sich beim Finanzieren von Forschung und Entwicklung auf Drohnen und Laser konzentriert, die man damals für vielversprechender hielt. Erst nach den russischen Erfolgsmeldungen stellte DARPA-Direktor Steven H. Walker wieder zwei geplante Abschreckungswaffen mit Hyperschallantrieb vor: Einen Tactical Boost Glider (TBG) und ein Hypersonic Air-Breathing Weapon Concept (HAWC).

Der TBG, dessen Prototyp bis 2023 fertig werden soll, wird von einem Langstreckenbomber und Raketen-Boostern an den Atmosphärenrand gebracht. Das HAWC beruht auf einer Cruise-Missile-Rakete, die ebenfalls mit einer Kombination aus Bomber und Raketen gestartet wird. Erreicht sie so die fünffache Schallgeschwindigkeit, soll ein Scramjet-Triebwerk anspringen, das sie noch deutlich schneller macht (vgl. Abschrecken statt abfangen).

Eine weitere Möglichkeit, Hyperschallraketen zu starten, wären Standorte im Weltraum. Der ORF-Autor Erich Moechel glaubt, dass das weitgehend geheime amerikanische Glide-Breaker-Projekt und die von Donald Trump ins Leben gerufene Space Force eventuell auch diesem Zweck dienen könnten. Dabei bezieht er sich unter anderem auf den amerikanischen Vizepräsident Mike Pence, der in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung russischer und chinesischer "Überschall-Raketen, um das amerikanische Raketenabwehrsystem auszuschalten" verwies (vgl. Amerikanisches Glide-Breaker-System soll russische Hyperschallraketen abfangen). (Peter Mühlbauer)