Google is ...

Zensiert der Konzern Frageergänzungen aus Angst vor Islamisten?

Gibt man "Christianity is" in das Google.com-Suchfeld ein, dann schlägt die Suchmaschine eine ganze Reihe von Ergänzungen vor, die häufig von anderen Benutzern verwendet werden. Ein praktisches Instrument, das Tipparbeit erspart. Versucht man jedoch "Islam is", dann fehlt diese Hilfe. Auf Google.de erhält man bei Eingabe der ersten Wortkombination den Vorschlag "Christianity Islam" und bei der zweiten ebenfalls nichts. Auch beim deutsch formulierten "Islam ist..." gibt es keine und bei "Christentum ist..." lediglich eine Autovervollständigung, nämlich "die wahre Religion".

An den eigentlichen Suchergebnissen kann solch ein Unterschied kaum liegen: Sie betragen für "Christianity is" etwa viereinhalb und für "Islam is" immerhin zweieinhalb Millionen Seiten. Im Web wurde nach dem Bekanntwerden der seltsamen Ungleichheit spekuliert, dass der Effekt damit zusammenhängen könnte, dass sieben von zehn gelieferten Ergänzungen von "Christianity is" kaum Gefallen bei Christen finden dürften - darunter "Christianity is bullshit", "Christianity is fake" "Christianity is wrong" "Christianity is a lie" "Christianity is a cult".

Google spricht in seinen Erklärungen zum Ergänzungsmechanismus nur allgemein davon, dass pornografische, rassistische und unflätige Ergänzungen ausgefiltert werden. Sollte ein Nutzer auf solche Ergänzungen stoßen, dann wird er aufgefordert, diese im Google Web Search Help Forum zu melden. Allerdings sind es bei "Islam is" nicht einzelne möglicherweise Beleidigtheit erregende Ergänzungen, die fehlen, sondern der komplette Dienst.

Gegenüber Search Engine Land erklärte ein Google-Sprecher den Effekt als Softwareproblem, das man so schnell wie möglich zu beheben versuche. Für diese Erklärung spricht, dass Frageanfänge wie "Scientology is" und "Muhammad is" durchaus auch kontroverse Ergänzungen ausspucken. Andererseits erhält man von Google bei technischen Problemen im Allgemeinen durchaus schnelle und befriedigende Antworten. Dass es eine Woche nach der Entdeckung des angeblichen "Bugs" weder ein geändertes Verhalten der Suchmaschine noch Auskünfte auf Presseanfragen gibt, deutet darauf hin, dass das Phänomen auch einen nichttechnischen Ursprung haben könnte.

In der Vergangenheit fuhr Google nämlich auch zu anderen Zensurvorwürfen eine Informationspolitik, hinter der man durchaus eine gezielte Verschleierung vermuten könnte. Auf Fragen nach Erklärungen zu Ungereimtheiten beim Usenet-Archiv, das kritische Beiträge von Gerhard Mesenich zum Steuerrecht auf der deutschen Google-Groups-Seite nicht anzeigte, die in der Schweiz und in anderen Ländern zu sehen waren, bestritt der Konzern beispielsweise eine Einflussnahme der Politik oder der Finanzbehörden und verwies stattdessen auf ein "technisches Problem", wegen dem man auf Antwort auf Mountain View warten müsse. Wieder und immer wieder.

Ein anderes Rätsel, das Google offen ließ, ist, warum die islamistische Website alboraq.info zwar auf Arabisch gefunden und angezeigt, aber nicht von den Google Sprachtools übersetzt wurde, die stattdessen folgende Warnung ausgaben:

Wir sind der Meinung, dass die Seite, die Sie aufrufen möchten, Ihren Computer beschädigen oder Ihre persönlichen Daten stehlen wird. Besuchen Sie die Seite auf eigenes Risiko.

Fragen dazu, welche potenziellen Beschädigungsprogramme sich der Ansicht von Google nach auf der Website befinden und wie solche Scripte in einer Übersetzung via Google Schaden anrichten können, blieben ebenso unbeantwortet wie solche nach einer möglichen Gefahr beim Ansehen von Sites via Google Cache (einer Methode, die viele Nutzer einsetzen, wenn sie Malware- oder Abofallen vermuten). Statt konkreter Auskünfte gab es hier lediglich den pauschalen Hinweis, dass der Effekt ein "allgemeines Safebrowsing Feature" sei und einen wenig einschlägigen Link auf die offizielle Hilfeseite.

Dabei steht unstreitig fest, dass der Konzern zensiert und bestimmte Suchergebnisse in bestimmten Ländern nicht anzeigt - auch wenn er der chinesischen Regierung am Dienstag öffentlich die Zusammenarbeit aufkündigte. Kritiker wie Michael Arrington von Techcrunch vermuten dahinter das PR-optimierte Ausschlachten eines ökonomischen Scheiterns, das nicht nur von unbequemen Datenschutzfragen ablenkt, sondern auch von der Zensurkollaboration des Konzerns mit anderen Regierungen.

Auf Auskunftsersuchen dazu, in welchen Ländern genau nach welchen Kriterien Information vorenthalten wird, reagiert Google aber so, als habe das Unternehmen eine Intimsphäre und man hätte es danach gefragt. Nur über Umwege wie dem Google Search Comparator lässt sich deshalb beispielsweise herausfinden, dass es durchaus nicht nur verbotene Inhalte sind, die bei der Suche nach sogenannten Vorbehaltsfilmen in Deutschland nicht aufscheinen.

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