Google macht Banken Konkurrenz

Google-Pay-Logo

Lizenz aus Litauen berechtigt zum Speichern und Transferieren von elektronischem Geld

In vielen wirtschaftlichen Angelegenheiten gilt in der EU das Prinzip "Einer für alle". Das heißt, dass eine Zulassung in einem Land automatisch auch für alle anderen EU-Länder gilt. Deshalb ist es für deutlich mehr als 500 Millionen Menschen von Bedeutung, dass das knapp Drei-Millionen-Einwohner-Land-Litauen dem aus einer Suchmaschine entstandenen Google-Konzern über die Alphabet-Tochter Google Payment eine Lizenz zum Speichern und Transferieren von elektronischem Geld erteilt hat.

Damit kann der Dienst Google Pay zukünftig eine deutlich umfangreichere als nur die bisherige Vermittlerrolle zwischen Käufern, Verkäufern und Banken spielen: Auch wenn es sich bei der Erlaubnis nicht um eine vollständige Banklizenz handelt, kann er jetzt Zahlungen abwickeln, digitales Geld prägen und elektronische Geldbörsen wie Google Wallet verwalten, ohne dass daran traditionelle Geldinstitute beteiligt sind. Lediglich das Führen traditioneller Konten und die Vergabe von Krediten bleiben ihm vorerst weiter versagt.

Amazon und Facebook haben bereits Lizenzen aus Luxemburg und Irland

Auf Fragen dazu, was davon der Konzern mit der neuen Lizenz konkret vorhat, gibt sich Google bislang eher bedeckt und meint in einer allgemeinen Stellungnahme lediglich, die Lizenz sei Teil der "konstanten Arbeit daran, unsere Kunden in Europa zu unterstützen". Fest steht, dass Google mit der Lizenz nun etwas hat, über das auch Facebook und Amazon verfügen, ohne damit bislang in größerem Ausmaß Geld zu verdienen. Facebook besorgte sich die Lizenz 2016 in seinem Europasitz Irland, Amazon über seine Tochter Amazon Payments Europe in Luxemburg. Die Konzerne sind aber nicht die einzigen, die sich damit eindeckten: Alleine Großbritannien hat 128 (bislang) europaweit gültige E-Geld-Lizenzen an Fintech-Unternehmen wie TransferWise und Wirex ausgestellt, in Litauen waren es insgesamt 39.

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Bislang lässt sich Google Pay in Deutschland nur dann zum Bezahlen nutzen, wenn man es zusammen mit der Kreditkarte einer Bank, die mit Google zusammenarbeitet (vgl. Google will den Deutschen das Bezahlen via App schmackhaft machen), oder in Verbindung mit dem Dienst Paypal nutzt (vgl. Paypal jetzt als Bezahlmöglichkeit bei Google Pay). Das möchte auch der Apple-Konzern mit seinem System Apple Pay, von dem sich die deutschen Sparkassen bislang übervorteilt fühlen, weil sie den Eindruck haben, sie sollen vor allem dafür bezahlen, dass Apple für viel Geld lediglich eine Dienstleistung erlaubt, aber selbst wenig leistet (vgl. Apple Pay in Deutschland: Apple nennt Banken und Geschäfte).

"Schlechte Nachricht für die Banken"

Dass die deutschen Kreditinstitute bei der Zusammenarbeit Google noch zurückhaltender waren als bei der mit Apple hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass sie vor diesem Unternehmen mit seinen 1,5 Milliarden Nutzerkonten mehr Angst haben. Diese Angst verstärkt sich mit der E-Geld-Lizenz aus Litauen, die das Handelsblatt wegen der Möglichkeiten, traditionelle Geldinstitute außen vor zu lassen, als "schlechte Nachricht für die Banken" wertet, welche durch die Konkurrenz der GAFA-Konzerne potenziell nicht nur Kunden und Gebühren, sondern auch den Zugriff auf Daten verlieren.

Dazu zitiert die Zeitung eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company, der zufolge sich die Hälfte der Deutschen vorstellen kann, Google, Apple, Facebook oder Amazon als Finanzdienstleister zu nutzen, und Andreas Krautscheid, den Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbands (BdB), der bereits im letzten Jahr meinte, "vermutlich" seien es "die Datenriesen wie Google oder Facebook, die in wenigen Jahren die härtesten Konkurrenten von Banken sind".

Dass so viele Deutsche sich vorstellen können, auf einen GAFA-Dienst als Alternative zu einer Bank zuzugreifen, liegt auch an den Erfahrungen mit den klassischen Geldinstituten, die vor allem in den 2000er Jahren nicht immer positiv waren. Melanie Bergermann berichtete nach der Lehmann-Pleite in der Wirtschaftswoche, dass in deutschen Banken "Zustände wie in einer Drückerkolonne" herrschten, dass Bankkunden "eiskalt angelogen" wurden und dass man alles unternahm, damit sie Formulare bloß nicht mit nach Hause nahmen und dort durchlasen.

Mitarbeiter von Geldinstituten, so die Reportage Ich habe sie betrogen, versuchten als Erstes in Erfahrung zu bringen, wie viel ein Kunde weiß. Die "informierten und selbstbewussten" bezeichnete man im Bankgewerbe als "Patienten" und versuchte sie loszuwerden. Den weniger selbstbewussten und weniger informierten versuchte man dann Anlageformen zu verkaufen, für welche "Ziele" vorgegeben waren, bei deren Nichterfüllung die Mitarbeiter Drohungen, Demütigungen, Mobbing und Kündigung befürchten mussten. Angestellte, so kam heraus, mussten für die Bank wöchentliche "Roherträge" von 1.500 Euro erwirtschaften - auf Kosten der Kunden (vgl. Noch schlimmer als zuvor). (Peter Mühlbauer)

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