Gottes Wort im Visier

Ein Lieferant des US-Militärs verziert seine Zielvorrichtungen mit Bibelsprüchen

OMB Watch, zufolge machte die in Michigan ansässige Firma Trijicon im Jahr 2008 mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz mit Regierungsaufträgen. Unter anderem liefert das Unternehmen die Zielvorrichtungen für die Waffen der Marines. Nun wurde über den Fernsehsender ABC bekannt, dass die Firma ihre ACOG-Visiere mit Bibelauszügen verziert - allerdings nicht im Volltext, sondern in der Kurzfassung, mit der sie zitiert werden.

Auf der Website von Trijicon heißt es, dass das Unternehmen "von Werten geleitet" sei, die auf biblischen Standards basierten und dass man für diese Werte "kämpfe". Tom Munson, der Marketing- und Vertriebschef der Firma, bestätigte ABC, dass die Geräte für das Militär mit Verweisen auf die Bibel ausgestattet werden und meinte, das daran nichts gesetzwidrig oder sonstwie verkehrt sei. Die seit Bestehen der Firma bestehende Praxis geht Munsons Angaben nach auf den 2003 verstorbenen Gründer Glyn Bindon zurück. Sprecher der U.S. Army und des Marine Corps meinten, dass man bis jetzt nichts von den Kennzeichnungen gewusst habe und die dafür zuständigen Stellen nun eventuelle Maßnahmen prüfen würden.

Trijicon-Zielvorrichtung

Auf solche Maßnahmen besteht Michael Weinstein von der Military Religious Freedom Foundation, die sich für eine saubere Trennung von Kirche und Staat beim Militär einsetzt. Seiner Ansicht nach verletzen die Kennzeichnungen nicht nur die Verfassung, sondern auch eine Reihe von Bundesgesetzen. Dem ehemaligen Luftwaffenoffizier und jetzigen Anwalt zufolge beschweren sich regelmäßig Soldaten über die mit Inschriften verzierten Waffen, die von Kommandanten angeblich als "spiritually transformed firearm[s] of Jesus Christ" verklärt werden.

Sieht man die auf den Visieren angebrachten Bibelverweise nach, dann scheinen sie auf eine Art Qualitätswerbung für die Produkte hinausgewählt: So steht etwa "2COR4:6" für den zweiten Brief an die Korinther 4:6. In der von Luther übersetzten Fassung liest sich diese Stelle so: "Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi." Und in JN8:12 spricht Jesus: "Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Andere Markierungen verweisen auf Stellen im Matthäusevangelium, in denen Jesus als "Licht der Welt" geschildert wird sowie auf die Offenbarung des Johannes.

Liest man die Bibel aufmerksam, so drängen sich darin zahlreichere potenziell für die Verzierung von militärischem Gerät geeignete Stellen auf - darunter die folgende Anweisung aus Deuteronomium 23:12-13, die vor allem für Auslandseinsätze von durchaus praktischem Wert sein könnte:

Und du sollst draußen vor dem Lager einen Ort haben, dahin du zur Not hinausgehst. Und sollst eine Schaufel haben, und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du damit graben; und wenn du gesessen hast, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist.

Für christliche Soldaten hochinteressant wäre sicherlich auch, wie Deuteronomium 21:10-14 den Umgang mit weiblichen Kriegsgefangenen regelt:

Wenn du in einen Streit ziehst wider deine Feinde, und der HERR, dein Gott, gibt sie dir in deine Hände, dass du ihre Gefangenen wegführst, und siehst unter den Gefangenen ein schönes Weib und hast Lust zu ihr, dass du sie zum Weibe nehmest, so führe sie in dein Haus und lass sie ihr Haar abscheren und ihre Nägel beschneiden und die Kleider ablegen, darin sie gefangen ist, und lass sie sitzen in deinem Hause und beweinen einen Monat lang ihren Vater und ihre Mutter; darnach gehe zu ihr und nimm sie zur Ehe und lass sie dein Weib sein. Wenn du aber nicht mehr Lust zu ihr hast, so sollst du sie gehen lassen, wohin sie will, und nicht um Geld verkaufen noch versetzen, darum dass du sie gedemütigt hast.

Handelt es sich bei den Kriegsgegner um von Jehova besonders wenig geschätzte Völker, wie etwa die Midianiter, dann muss der via Moses vorgeschriebene Umgang mit weiblichen Kriegsgefangenen nach der Spezialvorschrift des Vierten Buches 31:17-18 allerdings etwas anders laufen:

So erwürget nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben; aber alle Kinder, die weiblich sind und nicht Männer erkannt haben, die lasst für euch leben.

Für schwierige Detailfragen im Umgang mit anderen Völkern bietet auch Deuteronomium 23:3-8 Hilfe: Während Ägypter nach drei Generationen in die Gemeinschaft integriert werden dürfen, bleibt diese Gnade Ammonitern und Moabitern auf ewig verwehrt. Noch deutlicher wird das Zweite Buch Mose in 34:12-13:

Hüte dich, dass du nicht einen Bund machest mit den Einwohnern des Landes, da du hineinkommst, dass sie dir nicht ein Fallstrick unter dir werden; sondern ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Götzen zerbrechen und ihre Haine ausrotten

Aufschlussreiche Anweisungen zum Umgang mit anderen Religionen finden sich darüber hinaus in Deuteronomium 13:13-16:

Es sind etliche heillose Leute ausgegangen unter dir und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns gehen und andern Göttern dienen! -die ihr nicht kennt- so sollst du sie fleißig suchen, forschen und fragen. Und so sich findet die Wahrheit, dass es gewiss also ist, dass der Greuel unter euch geschehen ist, so sollst du die Bürger derselben Stadt schlagen mit des Schwertes Schärfe und sie verbannen mit allem, was darin ist, und ihr Vieh mit der Schärfe des Schwerts. Und allen ihren Raub sollst du sammeln mitten auf die Gasse und mit Feuer verbrennen, die Stadt und allen ihren Raub miteinander, dem HERRN, deinem Gott, dass sie auf einem Haufen liege ewiglich und nie wieder gebaut werde.

Auch zum Umgang mit religiösen Karikaturen spricht die Bibel im Dritten Buch Mose 24:16 eine eindeutige Sprache:

Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Wie der Fremdling, so soll auch der Einheimische sein; wenn er den Namen lästert, so soll er sterben.

Nicht zuletzt bietet die Heilige Schrift dem lesenden Soldaten auch militärische Listen, wie etwa in der Schilderung eines Ehrenmordes im Ersten Buch Mose 34:1-29, in welcher der hevitische Königssohn Sichem mit Leas Tochter Dina geschlechtlich verkehrt und sie heiraten will. Dazu aber, so wird ihm gesagt, müsse er vorher nicht nur sich, sondern auch sein ganzes Volk beschneiden lassen. Als sich der König darauf einlässt und seine Männer nach dem Eingriff kampfunfähig darnieder liegen, rächen die Brüder Dinas die "Schändung" ihrer Schwester, indem sie alle töten:

Und am dritten Tage, da sie Schmerzen hatten, nahmen die zwei Söhne Jakobs, Simeon und Levi, der Dina Brüder, ein jeglicher sein Schwert und gingen kühn in die Stadt und erwürgten alles, was männlich war und erwürgten auch Hemor und seinen Sohn Sichem mit der Schärfe des Schwerts und nahmen ihre Schwester Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon. Da kamen die Söhne Jakobs über die Erschlagenen und plünderten die Stadt, darum dass sie hatten ihre Schwester geschändet.

(Peter Mühlbauer)

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