Grenell macht den Grinch

Richard Grenell. Bild: DoD

Big Trouble on the Atlantik Brücke

Das Jahr geht für die transatlantische Lobby in Deutschland eher unerfreulich zu Ende. So war es dem Atlantik Brücke e.V. nicht gelungen, seinen Vorsitzenden, Friedrich Merz, zum CDU-Parteivorsitzenden und damit aussichtsreichen Kanzlerkandidat zu küren. Stattdessen folgte Merkel eine katholische Saarländerin, die - für Spitzenpolitiker ungewöhnlich - offenbar nicht einmal Mitglied in der Atlantik Brücke ist.

Wie ergeben die dort durch ihre Herausgeber, Intendanten und Star-Journalisten vertretenen deutschen Medienhäuser den Freunden aus Washington sind, konnte man beim kollektiven Verschweigen der Kriegsverbrechen des 41. US-Präsidenten bewundern (Auf den Hund gekommen). Kein Wunder, hatte die Atlantik Brücke bereits 2015 ihre Mitglieder mit dem neu ins Leben gerufenen George H. W. Bush-Award auf Kritiklosigkeit gegenüber dem CIA-Veteranen eingeschworen. Wie schon seit der Nachkriegszeit trommeln die deutschen Journalisten treu für US-Kriege und dämonisieren Länder, die Washington nicht ebenfalls nach dem Mund reden.

Zwei Jahre nach der Wahl Trumps hatte man auf der Atlantik Brücke weiter gemacht, als sei nur lediglich eine Personalie in einem eingetakteten Politbetrieb ausgetauscht worden. Wer in der US-Außenpolitik etwas werden wollte, musste sich bislang dem privaten Wallstreet-Thinktank Council on Foreign Relations (CFR) geschmeidig machen, wo Außenminister, Geheimdienstchefs und Botschafter rekrutiert werden. Das CFR ist auch Schirmherr der Atlantik Brücke und ähnlicher Organisationen in Ländern, die der US-Vordenker Zbigniew Brzezinski unverblümt als "Vasallenstaaten" bezeichnete.

Da Trump jedoch nicht zum Establishment gehört, war es den deutschen Jubelpersern erlaubt, auf den rechtspopulistischen Proleten im Weißen Haus einzuknüppeln. Als Trump dann unter Verstoß gegen Völkerrecht Marschflugkörper nach Syrien schickte, ohne eine Verifizierung der Vorwürfe abzuwarten, feierte ihn die deutschen Edelfedern als endlich präsidentiell handelnd ab.

Doch die diesjährige Harmonie wurde durch Berufung des Trump-Mannes Richard Grenell als neuem US-Botschafter erschüttert. Grenell hatte sich zuletzt als Kommentator des erzkonservativen Hetzsenders Fox News verdingt und gab zu seinem Amtsantritt dem rechtspopulistischen Breitbart ein irritierendes Interview.

Zuvor war Grenell langjähriger Mitarbeiter von Rechtsaußen John Bolton gewesen, jenem Irakkriegslügner, der dieses Jahr in Paris Exil-Iranern versprach, sie würden schon bald im Iran zur Elite gehören.

Grenell, der wie sein Vorgänger der Sprache seines Gastlandes nicht mächtig ist, nahm den Skandal um den Märchenerzähler Claas Relotius zum Anlass, um gegen die "antiamerikanistische" Berichterstattung der deutschen Presse zu wettern. Im Wulff-Stil schrieb er eine Protestnote an den "Spiegel" und schlug ihm vor, dessen Berichterstattung mit der US-Botschaft abzustimmen. Offenbar hatte Grenell niemand gesagt, dass für den Gleichklang der deutschen Medien die Atlantik Brücke zuständig ist.

Wie sein Meister nutzte Grenell für seine Suada auch den Kurznachrichtendienst Twitter, womit er den ehemaligen Gatekeepern ihren begrenzten Stellenwert aufzeigte.

Die für ihre Wahrheitsliebe bekannte Bild-Zeitung, deren vormaliger Herausgeber lange höchstpersönlich den Vorsitz auf der Atlantik Brücke führte, beeilte sich, Grenell noch als Sprachrohr zu dienen. Der Diplomat setzte nicht nur Trump-Kritik mit Antiamerikanismus gleich, sondern verband seine Weihnachtsansprache geschäftstüchtig mit Drohungen gegen die Pipeline Nord Stream - die Konkurrenz für amerikanisches Frackinggas, das uns Grenell verkaufen möchten.

Beim Spiegel verwahrte man sich gegen den Vorwurf des Anti-Amerikanismus, Kritik an Trump sei keine solche an den USA. Die Watsch'n des US-Botschafters für die deutschen Medienvertreter, die bislang artig jeden US-Krieg legitimiert hatten, stieß insbesondere dem insoweit verprellten stern-Herausgeber Andreas Petzold übel auf.

Petzolds Ärger ist verständlich, hatte das Magazin doch fröhlich Propaganda wie das Twitter-Mädchen im Syrienkrieg geliefert, die das US-Narrativ stützten. Dann aber hatte Trump die vorweihnachtliche Freude auf die nächste US-Intervention getrübt, indem er seine Streitkräfte einfach aus Syrien abzog, ohne das CFR um Erlaubnis zu fragen. Der schöne US-Krieg gegen Syrien bleibt also aus.

Grenell hat sich mit seinem Poltern auf der Atlantik Brücke offenbar keine Freunde gemacht. Soweit ersichtlich, pflichteten ihm gerade einmal zwei Personen des öffentlichen Lebens bei: CDU-Karikatur Philip Lengsfeld empfahl Petzold, seinen Tweet zu löschen. Auch der begabte Opportunist Volker Beck sprang seinem US-Freund bei und schlug allen Ernstes einen Abgleich mit ihm offenbar zu wenigen russlandkritischen Titeln vor.

Bei einem Magazin, das vor Jahren mit dem legendären "Stoppt Putin jetzt"-Cover aufmachte, ist geringe Russland-Kritik eine interessante Wahrnehmung.

Grenell ließ dann auch noch gleich die nächste Granate platzen: So möchte Trump das pfälzische Kallstadt besuchen, dem er seine intelligenten Gene zuschreibt. (Markus Kompa)

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