Griechenland: Das Tourismus-Fiasko

Mykonos; Bild: Despina Galani/Unsplash

Chaos ständig geänderter Maßnahmen: Touristen sind verunsichert, Quarantänehotels vollkommen ausgebucht, Tourismusunternehmen stehen vor dem Ruin

Der Tourismus in Griechenland steht vor einem gleich mehrfachen Fiasko. Nun gilt das Land auch für deutsche Urlauber als Risikogebiet. Die vierte Welle der Pandemie hat das Land erfasst.

Neue, strenge an einen harten Lockdown erinnernde Maßnahmen stehen im Raum, obwohl die Politik den Ausdruck Lockdown nicht aussprechen mag. Finanziell aber auch hinsichtlich der Werbewirkung droht die aktuelle Saison zum Desaster zu werden.

Beim inländischen Tourismus steht Griechenland vor dem Problem, dass die beliebten Zeltlager für Kinder und Jugendliche außer mit verschärften Testprotokollen auch noch mit einer weiteren, für griechische Eltern empfindlichen Einschränkung leben müssen. Es ist den Eltern nicht mehr gestattet, ihre Sprösslinge im Campinglager zu besuchen. Die Wochenendtrips zum Kinderbesuch der Eltern waren für die Hoteliers rund um die Campingplätze eine gern gesehene, fest einkalkulierte Einnahme.

Der Alptraum

Symptomatisch ist der Alptraum, den ein achtzehnjähriger Tourist aus Italien auf Mykonos erleben muss. Die Insel steht wegen der exponentiell steigenden Infektionszahlen kurz vor dem "lokalen Lockdown", wie der zuständige Staatssekretär für Katastrophenschutz, Nikos Hardalias, für Mykonos, Paros, Ios, Kreta und Santorin angekündigt hat. Sollte diese Maßnahme verkündet werden, ist es mit dem Urlaubsleben vorbei.

Außer der Ausgangssperre ab Mitternacht müssen Touristen dann auch auf Musik im Strandlokal verzichten und während des Besuchs mit Lokal immer dann die Maske aufhaben, wenn sie nicht gerade die Gabel mit dem Essen in den Mund führen. Zudem sind dann nur Gruppen von maximal neun Personen, im Privaten wie in der Öffentlichkeit, erlaubt. Angestellte, die im touristischen Gewerbe tätig sind, müssen nun zwei Tests pro Woche vorweisen, wenn sie noch nicht vollständig geimpft sind.

Für den Italiener ist diese Horrorvision bereits besser, als das, was er erlebt. Er wurde positiv auf CoVid-19 getestet. Aus seinem bisherigen Urlaubszimmer flog er daher raus. Eigentlich müsste er nun in eines der so genannten Corona-Hotels, welche für die Quarantäne erkrankter Touristen eingerichtet wurden. Nur leider sind diese bereits vollkommen ausgebucht.

Das lokale Krankenhaus lehnt den Patienten ab, weil er (noch) nicht krank genug ist. An den Strand darf er nicht, weil er damit gegen die Quarantäneauflagen verstoßen würde. Aus dem gleichen Grund darf er auch kein konventionelles Hotelzimmer mieten. Eine Abreise ist ebenfalls nicht erlaubt.

Der griechische Katastrophenschutz, der zuständig wäre, verweist schlicht auf die vollen Quarantäne-Hotels. Er hat neue Maßnahmen eingeführt. Nun benötigen Touristen für ihre Abreise von den Inseln einen negativen Test. Zunächst ist nur ein Selbsttest vorgeschrieben, der aber vorgelegt werden muss. Noch fehlt es an der Infrastruktur, um auf den Urlaubsinseln massenhaft Rapid- und PCR-Tests durchzuführen.

Strafen und Aufteilen

Es ist offensichtlich, dass die geltenden Regelungen darauf abzielen, den Druck auf Impfverweigerer zu erhöhen. Geimpfte können sich bei allen touristischen Aktivitäten den Test sparen und können in der neuen Saison auch in die Fußballstadien. Zudem erhalten sie verbilligte Bustickets.

Darüber hinaus wird Berichten zufolge die Impfpflicht auf weitere Berufssparten ausgeweitet werden. Auch Sportler müssen dann wie die Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur geimpft sein, um ihren Beruf auszuüben.

Die Strafen für Arbeitgeber, die Ungeimpfte zur Arbeitsstelle kommen lassen sind drakonisch, 200.000 Euro sind in diesem Fall bei Unternehmen der Gesundheitsversorgung fällig.

Für die Tourismusunternehmer kommen all diese Maßnahmen zu spät. Im Chaos der ständig geänderten Maßnahmen stehen sie vor dem Ruin. 45 Verbände des Gaststätten und Tourismusgewerbes haben sich in einem offenen Brief an Staatssekretär Hardalias gewandt. Sie beklagen, dass die 82.400 Mitgliedsunternehmen mit rund 400.000 Mitarbeitern von der Regierung zum Sündenbock abgestempelt werden.

Sie betonen, dass sie in den bislang sechzehn Monaten der Pandemiemaßnahmen die immer neuen Regeln eingehalten hätten, aber hinsichtlich der erneuten Infektionswelle zum wiederholten Mal als Pandemietreiber verteufelt würden.

Besonders krass finden es die Unternehmer, dass in ihren Lokalen nun nur Geimpfte Gäste oder, im Fall von "gemischten Lokalen", auch frisch Getestete Eintritt erhalten dürfen, was dann von Angestellten kontrolliert wird, die ihren Impfzyklus noch nicht abschließen konnten. (Wassilis Aswestopoulos)