Der Lebenslängliche

Der Fall flog im Juni 2014 auf, als die US-Amerikanische Drogenbehörde DEA in Griechenland statt der eigentlich zuständigen Polizei einen in die Provinz abgeschobenen Polizeioffizier und die Küstenwache informierte. Ohne Kenntnis der Kriminalpolizei nahm die Küstenwache auf der Noor One und dem Festland Verdächtige fest.

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Insgesamt sieben der auch als Belastungszeugen auftretenden Festgenommenen, sowie zwei deren Angehöriger kamen in den letzten Jahren auf ungeklärte Weise ums Leben. Die bisherigen Verurteilungen im Fall der Noor One besagen schlicht, dass das Schiff von einem unbekannten Finanzier und Auftraggeber erworben und mit Heroin gefüllt wurde.

"Der Reeder M. ist der Hintermann", lautet kurz zusammengefasst eine der Aussagen des Unternehmers Efthymis Giannousakis. Giannousakis, in dessen Immobilien 800 Kilo Heroin gefunden wurden, ist auch in Kraftstoffschmuggel verwickelt. Es gibt Millionenüberweisungen, welche eine Geschäftsbeziehung zwischen Giannousakis und Marinakis belegen.

Der wegen Drogenschmuggels zu lebenslanger Haft verurteilte Giannousakis hat mit einem in der Haftanstalt eigentlich verbotenem Mobiltelefon den hinsichtlich seiner Methoden nicht unumstrittenen Journalisten und Herausgeber Makis Triantafyllopoulos kontaktiert.

Diesem erzählte er über Telefon zahlreiche Einzelheiten, welche Marinakis und dessen engste Mitarbeiter belasten. Die Urheberschaft am Drogengeschäft mit der Noor One, Kraftstoffschmuggel und Geldwäsche sind einige der Anschuldigungen, welche der Inhaftierte erhob und - so Triantafyllopoulos - mit Dokumenten belegen konnte.

Seit Mai 2017 veröffentlicht Triantafyllopoulos die Tondokumente zusammen mit Fotokopien der Beweisstücke. Dadurch wurde bekannt, dass Giannousakis bereits im Januar 2017 in Kontakt zum Verteidigungsminister Panos Kammenos stand. Laut Kammenos hatte Triantafyllopoulos ihn im Namen des lebenslänglich Einsitzenden darum gebeten.

Kammenos rief mit seinem persönlichen Telefon Giannousakis auf dessen Mobiltelefon im Gefängnis an. Er sorgte dafür, dass eine Staatsanwältin zu nächtlicher Stunde zwecks Aufnahme einer Aussage in die Haftanstalt Chalkida kam. Dies alles wird von keiner Seite bestritten.

Allerdings gibt es eine Aussage von Giannousakis gegenüber Triantafyllopoulos, welche den weiteren Verlauf der Geschichte äußerst kompliziert macht. Der Verurteilte kündigte an, dass er alle Aussagen widerrufen werde, wenn er und seine Familie nicht in Sicherheit gebracht würden. Er würde, sagte er damals, auch die Strafverfolger und den Minister anzeigen. Dabei würde er denen vorwerfen, dass sie ihn zu einer Aussage gegen Marinakis erpresst hätten.

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Genau dieser Fall trat ein. In einem weiteren Interview, diesmal für die Zeitschrift Unfollow, widerrief er alle Aussagen und erklärte dagegen Kammenos, Triantafyllopoulos und die Justiz zu Erpressern. Gleichzeitig stellte er Strafanzeigen.

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