Griechenland: Weiter Probleme für Flüchtlinge und Behörden

Lager in Idomeni. Bild: W. Aswestpoulos

Albaner verlangen: Immigranten raus aus Griechenland!

Der Vorsitzende der albanischen Immigranten, die in Trikala wohnen, Vaios Dibra, verlangt die Ausweisung aller "illegalen Immigranten", wie er die Asiaten und Afrikaner nennt, welche gemeinsam mit den syrischen Flüchtlingen nach Griechenland kommen. Er beklagt, dass sie den Albanern mit Dumpinglöhnen die Arbeit wegnehmen würden. Als charakteristisches Beispiel fügt er an, dass vierzig bis fünfzig Familien aus Albanien, die seit knapp zwei Jahrzehnten in Trikala wohnten, zurück in die Heimat gingen, weil sie unter Arbeitslosigkeit litten. Zudem seien die Albaner, meint Dibra, im Gegensatz zu den anderen Immigranten gesetzestreu.

In eine ähnliche Kerbe, wenn auch nicht so drastisch, schlagen die Unternehmerverbände des Landes. Sie beschweren sich, dass die Bahnlinie bei Idomeni weiterhin, seit nunmehr mehr als fünfzig Tagen, durch Flüchtlinge gesperrt ist. Den Exporteuren aber auch Importeuren entgehen Millionenbeträge. Zudem verlieren sie ihre Kunden.

Im Lager bei Idomeni befinden sich gemäß den amtlichen Angaben immer noch 10.124 Menschen. Immigrationsminister Giorgos Mouzalas versicherte in einem Interview gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur ANA/MPA, dass er fieberhaft daran arbeiten würde, das Lager aufzulösen. Einen Zeitrahmen wollte er anders als in vergangenen Interviews diesmal nicht stecken.

Es kam in Idomeni auch am Donnerstag wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen der Flüchtlinge mit der Polizei. Knapp 100 von ihnen hatten versucht, direkt am Grenzzaun Zelte aufzustellen.

Tatsächlich hat sich in den letzten Wochen an der schlimmen Situation der Flüchtlinge und Immigranten nicht viel geändert. Allerdings sind durch das verstärkte Interesse der Medien an der wieder ernsthaft ausbrechenden Finanzkrise die Nachrichten spärlicher geworden. Zudem haben sich die meisten freiwilligen Helfer aus den wilden Lagern zurückgezogen.

Doch auch in den staatlichen Lagern sieht es nicht unbedingt besser aus. Kommunalpolitiker der Gemeinde Ellinko, zu welcher der als Lager dienende ehemalige internationale Flughafen Athens zählt, berichten von Schusswaffen und Messerstechereien, sowie von untragbaren hygienischen Zuständen, welche sie im Lager vorfinden.

Journalisten ist der Zugang zum Lager verboten. Dieses Verbot ist so gestaltet, dass sich der Vorwurf einer staatlichen Pressezensur nicht halten lässt. Das Lager liegt unter der Verwaltung des Militärs und des Immigrationsministeriums. Bei diesen ist zunächst ein formloser Antrag zu stellen. In der Folge muss die Verwaltungsgesellschaft Elliniko kontaktiert werden. Zu dieser gehört der zu privatisierende Flughafen, dessen Verkauf noch nicht endgültig abgeschlossen ist. Die privatrechtlich betriebene Firma verweigert dann in der Regel die Anträge der Journalisten.

In Piräus sind weiterhin 2.135 Personen in den beiden Gebäudekomplexen, dem Passagierterminal E 1 und den so genannten "steinernen Lagern" untergebracht. Im gesamten Land befinden sich in Lagern 53.900 Flüchtlinge und Migranten, welche aus der Türkei kamen. Als Neuankömmlinge wurden am Donnerstag 83 Personen registriert. (Wassilis Aswestopoulos)

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