"Größer, schneller und besser"

Das FBI plant die weltgrößte biometrische Datenbank

"Next Generation Identification" heißt das System, in welches das FBI eine Milliarde Dollar investieren will. Bei dem Zehnjahresvertrag, der laut Informationen der Washington Post im Januar vergeben werden soll, geht es um den Aufbau der weltgrößten biometrische Datenbank. Um eine "deutliche Ausweitung" der Qualität und Quantität der biometrischen Informationen und um schnellere und bessere Kommunikation zwischen unterschiedlichen Datenquellen.

Stützen will man sich dabei auf vor allem auf digitale Finger- und Handballenabdrücke, auf Iris- und Gesichtserkennung. Man denke aber auch darüber nach, die Art und Weise, wie Menschen gehen und reden, künftig als mögliches Identifizierungsmerkmal zu verwenden. Ein sehr heikler Punkt im neuen Projekt besteht darin, auf Anfrage von Arbeitgebern Fingerabdrücke von Angestellten, die auf kriminelle Hintergründe überprüft wurden, in der Datenbank zu behalten. Die Arbeitgeber könnten dann benachrichtigt werden, falls der Angestellte in Konflikt mit dem Gesetz gerate.

Die Mehrheit solcher Arbeitgeber-Anfragen, etwa 55 Prozent, betrifft derzeit nach Aussagen eines leitenden FBI-Angestellten vor allem Überprüfungen von Personen, die in sicherheitsempfindlichen Regierungspositionen arbeiten, bzw. solche Arbeitsplätze, die mit Kindern und Älteren zu tun haben. Normalerweise werden die Finger-Abdrücke der Job-Anwärter nach der Überprüfung zerstört oder zurückgegeben. Aber das FBI plant nun einen Service, diese biometrischen Daten zu behalten, um die Arbeitgeber im Fall einer Straftat zu benachrichtigen.

Kritiker zeigen sich anhand der möglichen Anwendungen alarmiert und sprechen, wie der Bürgerrechtsanwalt Barry Steinhardt, von Vorstufen einer "dauernd angeschalteten Überwachungsgesellschaft".

Tatsächlich ist das Sammeln von biometrischen Daten für amerikanische Ministerien in den letzten Jahren zu einer wichtigen Sache geworden. Das Außenministerium soll Fingerabdrücke, Iris-und Gesichtsbilder von mehr als 1,5 Millionen inhaftierten Irakern und Afghanen sowie von Irakern und Personen anderer Nationalität, die Zugang zu amerikanischen Militärbasen haben, speichern. Von einigen irakischen Gefangenen soll das Pentagon auch DNA-Samples speichern. Das Heimatschutzministerium verfügt über eine Datenbank, die Millionen Fingerabdrücke von Reisenden gespeichert hat. Laut Washington Post erprobt das Ministerium die Iriserkennung bereits an einigen Flughäfen. Daten würden gespeichert von Reisenden, die eine Straftat begangen haben, aber auch von Personen, die ein Visum beantragen und von US-Bürgern, die außerhalb der Landesgrenzen ein Kind adoptieren.

Gegenwärtig soll das FBI 55 Millionen Sets von elektronischen Fingerabdrücken in seiner Datenbank speichern. Täglich werden 100.000 Anfragen mit diesen Daten abgeglichen. Bald soll dies auch für digitale Handballenabdrücke und Iris-bzw. Gesichtserkennungsdaten möglich sein. Ein Sicherheitsbeamter am Flughafen soll künftig in Sekundenschnelle erfahren, ob die Person, deren Hände überprüft wurden, in der Liste der meistgesuchten Kriminellen und Terroristen auftaucht.

Das Pentagon hat bereits auf die Fingerabdruck-Datei des FBI im Falle von verdächtigen Irakern zurückgegriffen. Insgesamt 900.000 Strafverfolger dürfen in den USA auf die Fingerabdrucksdatei nutzen. Die biometrische Datenbank des FBI, die auch strafrechtliche Vorgeschichten beinhaltet, "kommuniziert" mit einer Liste von Terrorismusverdächtigen, ("Terrorist Screening Center's database of suspects") und der National Crime Information Center Database. Für das neue Projekt will das FBI u.a. mit dem Center for Identification Technology Research (CITeR) der West Virginia University zusammenarbeiten. Dort erprobt man Iris-und Gesichtserkennung aus größeren Entfernungen.

Im Jahre 2013 soll die "Next Generation"-Datenbank laut der FBI-Abteilungsleiterin für Biometrie, Kimberly Del Greco, dazu imstande sein, Abgleichungen anhand eines Datenmixes aus Finger- und Handballenabdrücken, Iris-und Geishctsreknnungsmerkmalen vorzunehmen. Die Genauigkeit, so das Argument von Del Greco, verbessere sich durch die Kombination der verschiedenen Erkennungstechniken.

Auch wenn das FBI verspricht, den Zugang zur Datenbank genau zu überwachen, ist für Kritiker aber gewährleistet, dass die Risiken für die Bürger wachsen. Das System sei nicht verlässlich, so ihre Warnung. Wie einige Fälle bereits gezeigt hätten, seien manche Personen-Informationen, die in der Datenbank abgelegt sind, "fehlerhaft und ungenau". Während das FBI argumentiert, dass es im Vorhinein sehr schwierig sei zu bestimmen, welche Information fehlerhaft ist, wenden Anwälte für den Schutz der Privatsphäre ein, dass es für die Betroffenen sehr schwierig sei, solche einmal gespeicherten Fehler korrigieren zu lassen.

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