Großbrand: Wenn ein Sprengplatz der Polizei im "knochentrockenen" Wald liegt

Vor dem Brand: Verwaltungsgebäude des Sprengplatzes Grunewald in Berlin-Nikolassee. Foto: Assenmacher / CC-BY-SA-3.0

Seit 1950 betreibt die Berliner Polizei im Grunewald einen Spreng- und Versuchsplatz und lagert dort Kampfmittel. Der Standort wird nun aus aktuellem Anlass in Frage gestellt.

Wegen des noch andauernden Großbrandes im Grunewald ist die Berliner Polizei in die Kritik geraten, weil sie dort einen Spreng- und Versuchsplatz betreibt und Kampfmittel lagert. Insgesamt sollen dies gut 25 Tonnen Weltkriegsmunition und illegales Feuerwerk sein.

Polizeisprecher betonten am Nachmittag, der Sprengplatz Grunewald werde schon seit 1950 als solcher betrieben. Alternative Nutzungsflächen gebe es in Berlin nicht – zumindest keine, die dafür "genehmigungsfähig" seien. "Auch in Brandenburg wurden Flächen geprüft, diese konnten jedoch keine vergleichbaren Lagerkapazitäten bieten."

Das Gelände im Grunewald verfüge über eine mehrere Meter breite Brandschutzschneise; außerdem sei eine "Dauerberegnung der gelagerten Kampfmittel" vorgesehen.

Vier Brandstellen lokalisiert

Laut einem Bericht des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) war das Feuer "Nach einer Explosion auf dem Sprengplatz der Polizei" ausgebrochen. Allerdings wurden inzwischen vier Brandstellen in dem seit Jahren zu trockenen Wald lokalisiert.

Am Morgen, als rund 15.000 Quadratmeter Waldfläche in Flammen standen, hatte die Berliner Feuerwehr vermeldet, dass auch der Sprengplatz "betroffen" sei.

Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. Bei der Brandbekämpfung wird die Feuerwehr nach eigenen Angaben durch einen Polizeihubschrauber und eine Drohne unterstützt. "Der Einsatz wird voraussichtlich noch mehrere Stunden andauern", teilte die Polizei am Nachmittag mit. "Der Fokus liegt derzeit auf einer vorsichtigen Brandbekämpfung, bevor im Anschluss mit der Brandursachenermittlung begonnen werden kann."

Standortfrage aufgeworfen

Gegen 14 Uhr trafen Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und Innensenatorin Iris Spranger (beide SPD) am Einsatzort ein. "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit diesem Sprengplatz umgehen und ob auf Berliner Stadtgebiet der richtige Ort dafür ist", sagte Giffey laut einem Bericht des Tagesspiegels. Sie werde mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) "darüber sprechen, wie man auf eine Kooperation in der Metropolregion gehen kann".

Die Waldbrandgefahr in Berlin und Brandenburg hat sich seit 1950 und vor allem in den letzten Jahren wegen der Klimakrise deutlich erhöht. "Der Wald ist knochentrocken", sagte an diesem Donnerstag Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. (Claudia Wangerin)