"Gründen Sie eine eigene Partei und lassen Sie sich nicht linken"

Nach dem Wählomat kommt nun der Entscheidomat

In zwei Wochen steht sie bevor: die Überraschungswahl 2005. Überraschungswahl, weil sie doch sehr überraschend anberaumt wurde und die bald schon täglichen Sonntagsfragen eher Fragen aufwerfen als Prognosen zu ermöglichen.

Wichtig ist jede Stimme, das ist klar. Wer nicht wählt, der verschenkt seine Stimme an Extremisten und andere Gruppen, die von Protestwählern leben. Doch was soll man ankreuzen? Die Kunden-, Verzeihung: Wählermeinungen bei ciao.de lassen nur eine Wahl zu: DKP. Fast fünf Sterne, keiner davon rot.

Doch mit der Wählerzufriedenheit alleine ist das so eine Sache. Wahlkampf ist eine Sonderform des Marketings und richtet sich immer auf eine bestimmte Zielgruppe. Ein politisch korrekter, die Umwelt liebender Radfahrer wird der Kundenzufriedenheit bei Automobilen mit Stern auf dem Kühler wohl auch keinen sonderlichen Wert beimessen – er lehnt dieses Produkt schon aus grundsätzlichen Erwägungen ab.

So auch bei der Wahl: Es geht um die individuellen Wünsche und Vorlieben der Wählerinnen und Wähler, und was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall. Doch wie finden wir Wechselwähler heraus, welche Partei unsere Vorstellungen am besten umsetzen würde? Das TV-Duell war für eine Entscheidung weniger hilfreich und hat nur die Lagerwähler in ihrer jeweiligen Meinung bestärkt. Ein Blick in die Wahlprogramme wäre nötig, aber wer hat dafür schon Zeit?

Hilfreicher sind Interessengruppen und ihre Medien, die nach Analyse der Wahlprogramme Entscheidungshilfen geben oder den Parteien noch weitere Fragen stellen.

Wem das nicht reicht, der kann den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung zur Hilfe nehmen. Aber Vorsicht: Ist das nicht eine Behörde? Deren Leiter politisch – also nach Parteibuch – besetzt wird? Können wir dem Wahl-O-Mat nach fast acht Jahren rot-grüner Herrschaft überhaupt noch Vertrauen schenken?

Keine Panik, es gibt auch unabhängige Entscheidungshilfen wie das Entscheidometer. Mit zwanzig Fragen versucht es, den politischen Willen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auszuloten und einen Tipp zu geben, was denn am 18.9. die beste Wahl ist.

Abgefragt wird quer durchs Spektrum der politischen Themen: BAFöG, Tempolimit, staatliche Lohnersatzleistungen während der Elternzeit und mehr. Im Hintergrund rechnet das Programm Wertungen zusammen und spuckt dann eine Wahlempfehlung aus.

Sprüche klopfen können nicht nur Politiker, wir auch – und genauso sinnentleert wie die Parolen, die uns seit Jahren immer wieder in unterschiedlichen 'Farbrichtungen' vorgebetet werden.

Birthe Stuijts, Entwicklerin des Entscheidometers

Zum Denken regen die Empfehlungen tatsächlich an – allzu wörtlich nehmen sollte man sie allerdings nicht:

Das Entscheid-O-Meter soll zum Um- und Mitdenken anregen und – hoffentlich – zur Aktion. Denn nur jetzt, indem wir unsere Stimme abgeben, können wir Einfluss auf das nehmen, was in den nächsten Jahren mit uns gemacht wird. Nur wer wählt, wählt.

Katrin Klink, Designerin des Entscheidometers

(Volker König)

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