Hab Erdöl im Garten

Naturschutzgebiet Amtsvenn (niederländischer Teil). Foto: Tubanter, Quelle: Wikipedia; gemeinfrei

Ein Fund in Westfalen und die Frage: Wie sicher sind Salzkavernen, in denen außer Öl und Gas auch Atommüll gelagert werden soll?

Auf einer Weide im Eper Amtsvenn einem Naturschutzgebiet in Gronau-Epe trat in der vergangenen Woche Erdöl zutage, das bislang niemand zu vermissen scheint, das dort aber mit Sicherheit nicht hingehört. Mehrere Kühe des betroffenen Pächters, die in den vergangenen Tagen mit Öl verunreinigtes Wasser getrunken hatten, mussten inzwischen gekeult werden.

Auch wenn es sich anhört, als sei es einem Song von Reinhard Mey entsprungen, scheint das im Münsterland an die Oberfläche drückende Erdöl nicht aus der besungenen Ölpipeline aus Wilhelmshaven zu stammen, zumindest nicht aus einer aktuellen Pipelinehavarie. Ein in der Region vor sieben Jahren an einer aus Ochtrup kommenden Pipeline aufgetretenes Leck soll damals gefunden und saniert worden sein.

Damit rückt die in unmittelbarer Nähe liegende Kaverne S5 der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen mbH & Co.KG (SGW) in den Fokus der Untersuchungen. Seit Anfang der 1970er-Jahre fördert die SGW (Gesellschafter: Solvay GmbH 65%, Vestolit GmbH & Co. KG (Strategic Value Partners) 25%, Bayer MaterialScience AG 10%) pro Jahr etwa 2 Millionen Tonnen Salz und besitzt für das 22,5 Quadratkilometer große Feld eine Nutzungskonzession bis 2069. Das in Gronau geförderte Salz besteht zu 98 bis 99% aus Natriumchlorid (NaCl).

Die Salzförderung im Kreis Borken erfolgt nach Aussage des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) über eine "kontrollierte Bohrlochsolung". Dabei wird durch eines von zwei konzentrischen Spülrohren Wasser in den Untergrund gepumpt, welches das Salz löst. Die dabei entstandene Sole wird dann durch das andere Rohr nach oben gespült.
 Die Solung an einem Bohrloch ist auf fünf bis sechs Jahre angelegt. Das Ergebnis ist eine zylinderförmige Kaverne mit einer Breite von etwa 70 m, einer Höhe von circa 200 m. Das so entstehende Hohlraumvolumen soll je Kaverne bis zu 700.000 Kubikmeter umfassen.

Die SGW betreibt zwei Wasserwerke, die das für die Aussohlung benötigte Brauchwasser bereitstellen. Die täglich etwa 20.000 Kubikmeter Sole werden über ein 350 km langes Pipelinenetz mit jeweils 60 cm Durchmesser zum Vestolit-Werk im Industriepark Marl sowie die Solvay-Werke in Rheinberg und im belgischen Jemeppe geliefert.

Vor viereinhalb Jahren trat bei einer dieser Pipelines ein Leck auf und die Sole trat aus. Wenige Monate zuvor war die Pipeline noch einer Dichtigkeitsprüfung unterzogen worden. Bei den unmittelbar betroffenen Bäumen verfärbte sich das Laub. Die Bäume wurden damals stark zurück geschnitten, in der Hoffnung, dass im nächsten Frühjahr wieder verstärkt austreiben. Zudem war dann im Hochsommer das viel zu frühe "Herbstlaub" an den Bäumen nicht mehr zu sehen.

Man will die Aussolung so genau steuern können, dass die entstehende Kaverne exakt die gewünschte Form erhält. In den 40 Jahren seit Beging der Spülungen hatte man insgesamt 107 Bohrungen abgeteuft. Das Kavernenfeld bei Epe umfasst heute schon mehr als 80 Kavernen, und jedes Jahr kommen etwa zwei weitere hinzu. Der Abstand zwischen den einzelnen Kavernen ist so groß, dass die nötige Stabilität unter Tage gewährleistet sein und an der Erdoberfläche nur geringe Bergsenkungen auftreten sollen, welche die Verläufe der Oberflächengewässer nicht beeinträchtigen dürften.

Bislang war man davon ausgegangen, dass die aus Steinsalz bestehenden Wände der ausgesolten Kavernen so dicht sind, dass man dort problemlos Erdöl und Erdgas lagern kann. In der Folge der Öl-(Preis-)Krise von 1973 hat man die erste Kaverne mit Erdöl befüllt, das über die NWO-Pipeline, die von Wilhelmshaven nach Wesseling führt, bezogen wurde, die über Stichleitung von der Pumpstation Ochtrup angeschlossen wurde.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Erdgases wurden seit dem Jahre 1978 Salzkavernen auch als Erdgasspeicher genutzt. Da es sich bei praktisch allen Gaslieferverträgen um sogenannte Take-or-Pay-Verträge handelt, für die auch bezahlt werden muss, wenn man gar kein Gas abnehmen kann, boten die unterirdischen Gasspeicher ein größere Flexibilität für die Gashandelsunternehmen. Von den bestehenden 80 Kavernen werden heute 70 als Erdgasspeicher genutzt.

In einer Kaverne mit einem Nutzvolumen von 400.000 Kubikmeter sollen sich bei entsprechendem Gasdruck, etwa 60 Millionen Kubikmeter Arbeitsgas speichern lassen. Die Gesamtkapazität des Kavernenfeldes bei Gronau, wird mit etwa 3,5 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas angegeben. Genutzt werden die Gasspeicher von den großen Ernergieversorgern.

Teilweise werden die Salzkavernen auch sowohl für die Erdöl-, als auch die Erdgaslagerung genutzt. In einer dieser Speicherkavernen war es Ende Februar zu einem Druckabfall gekommen, dessen Ursache man jedoch nicht lokalisieren konnte. Fehler oder Schäden an den eingebauten Armaturen hatte man damals ausgeschlossen und hat die betroffene Kaverne Anfang April wieder, zumindest eingeschränkt, in Betrieb genommen. Dass sich der Gasdruck in der Kaverne reduziert hatte, weil Öl aus der Kaverne ausgetreten war, konnte man sich zum damaligen Zeitpunkt offenbar nicht vorstellen.

Die Betreiber der Kaverne, die für Fragen des Bergbaus zuständige Bezirksregierung in Arnsberg und die von ihr beauftragten Experten, haben bislang offensichtlich noch keine eindeutigen Belege, dass das ausgetretene Öl aus der in etwa 400 Meter von der Austrittstelle entfernten mit Öl gefüllten Kaverne stammt. Nach Auswertung der Kontrollen und der Messergebnisse stellt die Bezirksregierung Ansberg fest, dass die Integrität der Kaverne und der ölführenden Anlagenteile gegeben sei.

Es seien keine Öl- oder Soleaustritte festgestellt worden. Insgesamt sollen zwischen Gronau-Epe und Ahaus in drei Salzkavernen rund 1,4 Millionen Kubikmeter Rohöl im Rahmen der nationalen Energiereserve lagern. Im Gegensatz zu bergmännisch ausgebauten Kavernen wie beispielsweise der Asse, weiß man bei den gespülten Kavernen mangels Augenschein noch weniger über deren aktuellen Zustand.

Da es mit weitgehender Sicherheit auszuschließen ist, dass es sich bei den Ölfunden im Naturschutzgebiet bei Gronau um ein natürliches zutage getretenes Mineralövorkommen handeln dürfte, stellt sich jetzt die Frage, wie sicher sind Salzkavernen, die ja nicht nur Öl und Gas zwischenlagern sollen, sondern auch als Endlager für radioaktiven Müll dienen sollen. Die Salzstöcke werden vielfach als eine feste Umgebung angesehen, die sich nicht mehr verformt. Wie Glas sind jedoch auch die Salzlager lediglich sehr zäh, aber nicht unverformbar. (Christoph Jehle)

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