Hack den BMW!

Elektronischer Autodiebstahl

Moderne Autos haben keine mechanischen, sondern elektronische Schlösser. Und Alarmanlagen. Das bewahrt sie davor, aufgebrochen zu werden. Vor Diebstahl schützt es allerdings nicht.

Was früher der Dietrich war, ist heute der Notebook. Nicht ohne Grund werden auf Hackertreffen inzwischen auch Schlösser in Wettbewerben geknackt (Die Zukunft des Wissens und die verkäufliche Sicherheit); das Vorgehen ist schließlich ähnlich, nur mechanisch statt elektronisch, und trainiert die Feinmotorik und Fingerfertigkeit.

In genau die entgegengesetzte Richtung geht es dagegen inzwischen bei Autos: die teureren Modelle werden nicht mehr mit einem Schlüssel aufgesperrt und gestartet; stattdessen kann per Funkfernbedienung das Fahrzeug bereits aus etlichen Metern Entfernung geöffnet werden und auch die Erkennung, dass sein Besitzer tatsächlich im Fahrzeug sitzt, erfolgt nicht mehr über einen Zündschlüssel, der beim Umdrehen im Zündschloss einen Schalter umlegt, sondern elektronisch über RFID-Chips. Die Folge: Der Schlüssel muss gar nicht mehr stecken und der Wagen, beispielsweise ein 7er-BMW, wird per Knopfdruck elektronisch gestartet.

Elektronische Schlösser sind sicherer…

Dies gilt in erster Linie als komfortabler, aber auch als sicherer als die frühere mechanische Variante: Autoschlösser waren ja oft so miserabel, dass teilweise sogar schon der Fahrradschlüssel einer zufälligen Passanten reichte, um die Türe wieder auf zu bekommen, wenn man sich versehentlich ausgesperrt hatte. Auch ein langer Draht, mit dem man die Türversperrung im Wageninneren durchs Seitenfenster erreichte, war Standardwerkzeug für Tolpatsche, die sich ausgesperrt hatte ebenso wie für Autoknacker. Zum Autodiebstahl eine Seitenscheibe einzuschlagen, war dagegen Primitivtechnik für Anfänger oder Betrunkene, die dem Beklauten zwar später den Nachweis des Hergangs gegenüber Versicherung und Polizei erleichterte, doch nur bei extrem untalentierten Dieben üblich war.

Ist der Wagen erst einmal geöffnet, so ist das Kurzschließen der Zündung, spricht das elektrische Überbrücken des Zündschlosses, kein Problem mehr. Wie gut ein Nachschlüssel ins Zündschloss passte und ob überhaupt einer vorhanden war, ist in diesem Stadium zweitrangig. Erst Wegfahrsperren und Alarmanlagen haben dies etwas eingedämmt.

Jemand, der an einem Wagen mit einem langen Draht herumfummelt, fällt jedoch auf und kann durchaus in die Verlegenheit kommen, Passanten oder der hinzugerufenen Polizei erklären zu müssen, was er an diesen Auto verloren hat. Doch auch diese unkomfortable Arbeit, Autos aufzubrechen, ist dank moderner Elektronik angenehmer geworden: nun muss kein Autodieb mehr umständlich mit Nachschlüssel, Dietrich, Kleiderbügel oder Brechstangen am teuren Luxusschlitten hantieren, was dessen Wiederverkaufswert ja auch unnötig senken würde; es reicht, wenn er mit einem Notebook und genügend Zeit bewaffnet ist.

…und komfortabler zu knacken!

So muss es beim englischen Fußballstar David Beckham gewesen sein, dem nun schon der zweite BMW X5 SUV abhanden gekommen ist, während er in einem Einkaufszentrum zu Mittag aß. Denn wie bei allen Schlüsselsystemen verliert die Verschlüsselung an Kraft, wenn die Diebe an Herstellerinformationen gekommen sind und wissen, wie das Sicherheitssystem arbeitet und wo es seine Verschlüsselung ablegt (Niederlande: Biometrie-Pass erfolgreich gehackt). Den verbleibenden Code kann man dann als Autodieb in etwa 20 Minuten knacken; etwa ebenso lang sind die eingebauten Sicherheits-Verzögerungszeiten, bevor das Auto auf externe Entschlüsselungskommandos reagiert und sich dem Eroberer öffnet.

Wer sich aber in Ruhe mit seinem Notebook etwa eine Stunde lang in der Nähe eines entsprechenden Fahrzeugs aufhalten kann und einen Transponder für die richtigen Frequenzen an diesen anschließt, kann am Schluss einfach die Autotür öffnen, den Startknopf drücken und wegfahren, ohne dass irgend jemand misstrauisch würde und auf die Idee käme, das sei vielleicht gar nicht sein Auto.

Je erfahrener der Autodieb ist, desto mehr Daten für verschiedene Fahrzeuge sammeln sich auf seinen Laptop an und erleichtern zukünftige Beutezüge. Und nur auf diese Weise können Auto-Hacker enttarnt werden: wie die Prague Post berichtet, wurde der Autodieb Radko Soucek in flagranti mit Notebook erwischt und nach dessen Sichtung auf diese Weise überführt. Er "sitzt" nun bis zu 12 Jahre. Vorausgesetzt natürlich, dass man ihm seinen Laptop nicht zurückgegeben hat und sein Gefängnis nicht auch auf modernere, sicherere elektronische Schließverfahren umgestellt wurde... (Wolf-Dieter Roth)

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