Häufigste Todesursache Demenz oder Alzheimer

Alzheimer-Fibrille in HE-Färbung. Bild: Patho/CC-BY-3.0

Die britische Statistikbehörde macht für die Veränderung vor allem das längere Leben verantwortlich, aber es ist auch allgemein ein Anstieg der Todesfälle zu beobachten

Nach einem Bericht der britischen Statistikbehörde zeigt sich in England und Wales eine symptomatische Veränderung der Todesursachen. Erstmals starben 2015 am häufigsten an Demenz, dadurch rutschten Herz-Kreislauferkrankungen an die zweite Stelle. Das hat allerdings auch mit unterschiedlichen Ansätzen zu tun, auch wenn sich wohl tatsächlich die Häufigkeiten der Todesursachen verändern. Das hat auch damit zu tun, dass in Großbritannien wie in anderen Ländern die Zahl der Sterbefälle mit Ausnahme von 2014 die letzten Jahre anstieg, nämlich um 5,6 Prozent in einem Jahr auf jetzt 529.655, während sie bis 2011 zurückging.

Nach einem anderen Ansatz starben 2015 die meisten Menschen an Krebs, nämlich 28 Prozent der Todesfälle. 26 Prozent starben an Herz-/Kreislauferkrankungen. Atemwegserkrankungen kommen an dritter Stelle, stiegen jedoch 2015 deutlich an, was die Behörde auch auf den Grippevirus zurückführt. Allgemein heißt es, dass damit der kontinuierliche Rückgang der drei Haupttodesursachen unterbrochen wurde.

Blickt man auf die Zahlen aus Deutschland zum Vergleich, so sind auch hier die Todesfälle deutlich mehr geworden. Nachdem sie wie in England und Wales 2014 leicht zurückgegangen waren, stiegen die Sterbefälle 2015 mit 925.000 Fällen um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1990 waren es fast genau so viel, um die Folgejahre bis 2010 auf 858.768 abzusinken und dann wieder anzusteigen.

Die neusten Zahlen über die Todesursachen liegen für Deutschland erst für 2014 vor. Hier wird der Rückgang der Todesfälle um 2,8 Prozent auf die steigende Lebenserwartung zurückgeführt, die in den letzten 10 Jahren um fast 2 Jahre angestiegen sei. In dieser Logik müsste man den Anstieg der Todesfälle mit einer plötzlich zurückgehenden Lebenserwartung begründen, was offensichtlich absurd wäre. Das könnte man vielleicht schließen, wenn die Todesfälle weiter zunehmen und die Menschen früher einen so genannten natürlichen Tod sterben. 2014 war die häufigste Todesursache mit 38,9 Prozent im Jahr 2014 eine Herz-/Kreislauferkrankung. An zweiter Stelle standen die Krebserkrankungen.

Demenz bzw. Alzheimer wird hier übrigens nicht erwähnt, was vor allem davon abhängt, was auf dem Totenschein als Ursache angegeben wird. In den USA etwa gilt Demenz/Alzheimer als dritthäufig sechsthäufige Todesursache im Jahr 2014. Während die anderen häufigen Sterbeursachen zurückgehen, steigt die Todesursache Demenz/Alzheimer weiter an. Schwierig ist die Feststellung, weil Alzheimer- oder Demenz-Erkrankte in der Regel an anderen Krankheiten wie einer Lungenentzündung oder anderen Infektionen sterben, dies aber bedingt ist durch die Folgen der Erkrankung. Die kann auch dazu führen, dass der Kranke nicht mehr trinkt und isst. Auf dem Totenschein wird oft nicht Demenz codiert.

Die britische Statistikbehörde jedenfalls führt nun an, dass Demenz und Alzheimer mit 11,6 Prozent die Todesursache Nummer 1 seien und Herz-/Kreislauferkrankungen mit 11,5 Prozent ersetzt hätten, allerdings nur knapp. Bei Männern ist die häufigste Todesursache allerdings weiter eine Herz-/Kreislauferkrankung, während die Frauen, die auch älter werden, eher an Demenz/Alzheimer sterben. Der Anstieg von 2014 mit 13,4 Prozent aller Todesfälle auf 15,2 Prozent im Jahr 2015 ist ziemlich groß. Aber auch bei Männern, deren Lebenserwartung in den letzten Jahren etwas schneller als die der Frauen gestiegen ist, hat die Zahl der Todesfälle durch Demenz/Alzheimer zugenommen. Der Anstieg der Todesfälle durch Demenz ist Folge einer Anwendung von WHO-Kriterien.

Nach dem Statistikamt ist der Anstieg einfach eine Folge davon, dass die Menschen länger leben, aber auch von besserer Erkennung und Diagnose. So werden gesündere Lebensstile und medizinische Fortschritte erwähnt, die andere Todesursachen zurückdrängen. Da Demenz oder Alzheimer vor allem Menschen im höheren Alter über 65 Jahre betreffen, werden diese Krankheiten häufiger und führen gegenüber anderen Ursachen auch häufiger zum Tod. (Florian Rötzer)