Häusliche Gewalt: Alarmierende Fakten

Gewalt im häuslichen Rahmen nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. In der Mehrheit sind die Opfer weiblich und die Tatverdächtigen männlich, jeweils etwa 30% davon ohne deutschen Pass

Jährlich zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, veröffentlicht das Bundeskriminalamt (BKA) in Absprache mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unter dem Titel "Partnerschaftsgewalt" einen Auszug aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). So auch in diesem Jahr.

Hintergrund des internationalen Aktionstages sind alarmierende Zahlen: Weltweit ist sexualisierte und häusliche Gewalt für Frauen bis 44 Jahren die häufigste Ursache für Tod und Behinderung, für Mädchen und Frauen bis 19 Jahren sind es Schwangerschaft und Geburt.

Seit 2012 stieg in Deutschland laut der BKA-Statistik der Anteil der "Partnerschaftsgewalt" an den insgesamt registrierten Gewaltverbrechen kontinuierlich an. Obwohl auch die Zahl der weiblichen Tatverdächtigen steigt, ist die Mehrheit der Opfer weiblich. Gewalt findet in allen sozialen Schichten und Milieus statt, doch zusammenfassend lässt sich sagen: Je patriarchaler und je abgeschotteter die Lebenswelt ist, in der Frauen leben, desto höher ist die Gefahr, dass sie Opfer sexualisierter und häuslicher Gewalt werden.

Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, insbesondere für Frauen, denn die Täter legen ihren Frauenhass nicht an der Garderobe ab, bevor sie das Haus verlassen, sondern verhalten sich auch außerhäusig nicht selten - vorsichtig formuliert - raumgreifend und Frauen gegenüber despektierlich.

Experten verzeichnen insgesamt eine zunehmende Verrohung des Klimas, im Straßenverkehr, durch Hooligans und rechte und religiöse Gewalttäter, die dazu führe, dass immer mehr Menschen - auch Frauen - sich bewaffnen und im Zweifelsfall werden diese Waffen, häufig Messer, eben eingesetzt.

Knapp 30% der in der Statistik ausgewiesenen Opfer sind Frauen, etwa 30% der Tatverdächtigen Männer ohne deutschen Pass. Erhebungen, wie hoch der Anteil der Opfer und Tatverdächtigen mit eigenem und familiärem Migrationshintergrund sind, gibt es nicht. Da der Großteil derer allerdings in genau den Milieus lebt, in denen anteilig die meisten Fälle von Partnerschaftsgewalt zu verzeichnen ist, liegt es nahe, dass auch sie überproportional häufig betroffen sind.

Das lässt auch die Tatsache vermuten, dass in Frauenhäuser überproportional häufig geflüchtete Frauen und Migrantinnen unterkommen. Seit Anfang dieses Jahrtausends wird der Anspruch, über "interkulturelle Kompetenz" zu verfügen, an die Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern gestellt, viele Frauenhäuser stellten Mitarbeiterinnen ein, die einen eigenen oder familiären Migrationshintergrund haben.

Das ist einerseits gut, weil es zeigt, dass die Betroffenen immer häufiger die Gewalt nicht hinnehmen und nach Auswegen suchen; andererseits aber eine alarmierende Feststellung, der dringend entsprechende Handlungen folgen müssten.

Anfang des Jahrtausends konnte das Problem noch offen thematisiert werden, heute wird es größtenteils verharmlost und in Verlautbarungen immer betont, der größte Teil der Tatverdächtigen seien Deutsche. In absoluten Zahlen, ja, denn die stellen ja auch knapp 90% der Gesamtbevölkerung. Und auch da gibt es dringenden Handlungsbedarf.

Der aktuellen Statistik zufolge sind 80% aller registrierten Opfer, die von ihrem Partner oder ihrer Partnerin ermordet werden, weiblich; in der Kategorie "Vergewaltigungen/sexuelle Gewalt" nahezu alle. Besonders betroffen von häuslicher und sexualisierter Gewalt sind geflüchtete Frauen und Migrantinnen ohne deutschen Pass (28,2%), auch überproportional viele Tatverdächtige (31,7%) kommen aus diesem Milieu. Insgesamt stellen Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit etwa 5,2% der Gesamtbevölkerung, Männer 5,8%.

Für Afghaninnen ist das Risiko, Opfer häuslicher Gewalt zu werden, extrem hoch. Von den rund 250.000 in Deutschland lebenden Personen aus Afghanistan sind 131.454 weiblich. Etwa 1.200 von ihnen wurden Opfer häuslicher Gewalt. Gemessen an den rund 70.000 weiblichen Opfern mit deutschem Pass (inklusive Deutschen mit eigenem oder familiärem Migrationshintergrund) ergibt sich ein 10faches Risiko.

Fast jede 5. der insgesamt vom BKA registrierten Gewalttaten findet im Rahmen einer Partnerschaft statt (17,1%). Etwa die Hälfte der Opfer lebte mit der oder dem Tatverdächtigen in einem Haushalt. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes (TdF) spricht daher vom "Risikofaktor Beziehung".

Nicht aufgeführt in der Statistik "Partnerschaftsgewalt" werden Delikte, die z. B. in Asylunterkünften von Mitbewohnern, Sicherheitsleuten oder auch Behörden-Angestellten ausgeübt wird. Weder sexualisierte und körperliche Gewalt von Männern gegen Frauen, noch von Männern gegen Männer, z. B. begründet in religiösem Fanatismus. Grundsätzlich ist das ja auch keine "Partnerschaftsgewalt", für viele Betroffene dennoch häusliche Gewalt, der sie schutzlos ausgesetzt sind.

Dasselbe gilt für Obdachlosenunterkünfte, in denen Frauen ebenfalls massiver Gewalt ausgesetzt sind. Auch wenn sie mit den Tätern in keinerlei privater Beziehung stehen, außer eben in derselben Unterkunft zu wohnen, ist es dennoch ihr "Zuhause", in dem sie diese Gewalt erfahren. Für viele Frauen führt das dazu, dass sie Gemeinschaftsräume und -angebote wie Kleiderkammern, Treffpunkte, Essensausgaben und mobile medizinische Versorgung meiden.

Nicht wenige Frauen meiden sogar die Unterkünfte und "machen Platte" - oder sie landen in der Versorgungs-Prostitution. As heißt, sie ziehen zu einem Mann, um aus der Unterkunft oder von der Straße wegzukommen, und nehmen dafür auch (sexualisierte) Gewalt in Kauf. Denn das ist immer noch berechenbarer als die Situation in den Unterkünften oder gar auf der Straße.

Für viele Frauen beginnt das Martyrium mit einer Schwangerschaft oder der Geburt eines Kindes. Frauen werden in den Augen vieler Männer während der Schwangerschaft "unansehnlich" und irgendwann kommt der Punkt, wo sie sich nicht mehr um ihn kümmern kann, sondern er sich um sie kümmern müsste.

Nach der Geburt spielt er zwangsläufig die zweite Geige, viele Frauen haben keine Lust auf Sex - oder Männer nicht auf ihre "ausgeleierten" Frauen. Auch die anfängliche nächtliche Ruhestörung sorgt für Konflikte in den jungen Familien, die mitunter gewalttätig zum Nachteil der Schwangeren oder der jungen Mütter ausgetragen werden. Davon bleiben die Kinder nicht unberührt - auch nicht im Mutterleib.

Am lebensbedrohlichsten für Frauen in Partnerschaften ist eine Trennung, der Moment, in dem ER begreift, dass SIE wirklich geht. Fast jeden Tag versucht ein Mann, seine Partnerin umzubringen, jedes dritte Opfer überlebt den Angriff nicht. Hinzu kommt, dass aufgrund des geänderten Sorgerechts Frauen durch gemeinsame Kinder auch an Männer gekettet werden, die ihnen schwere Gewalt antaten oder sogar nach dem Leben trachteten.

Denn bei einem Sorgerechtsstreit entscheidet ausschließlich das Verhältnis zwischen Vater und Kind. Das Gewaltverhältnisse zwischen den Eltern, die z. B. durch gemeinsames Sorgerecht zwangsläufig fortgesetzt werden, dem Kindswohl nicht dienlich sind und zudem die Mutter über viele Jahre einem extrem hohen Gewaltrisiko aussetzen, hat sich bis in die Amtsstuben der Justiz offenbar noch nicht rumgesprochen.

Im Bereich sexualisierte und körperliche Gewalt außerhalb von Partnerschaften sind Frauen mit Handicap und Prostituierte besonders betroffen. 75-80% aller Frauen mit Handicap werden Opfer körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt; häufig beginnt das Martyrium bereits im Kindesalter und hält ihr ganzes Leben lang an.

Am stärksten trifft es Frauen mit psychischen oder Sinnes-Beeinträchtigungen oder eingeschränkter Sehfähigkeit. Frauen - aber auch Männer und Kinder - mit Handicap leben selten selbstbestimmt, ihnen wird keine Privatsphäre zugestanden, sie haben keinen Einfluss auf die Wahl des medizinischen oder Pflege-Personals.

Vor allem die Frauen entsprechen in vielen Fällen nicht der gängigen Vorstellung einer "begehrenswerten" Frau, so dass ihnen wahlweise sexuelle Übergriffe nicht geglaubt werden - oder aber es heißt: "Sie soll doch froh sein, dass sie überhaupt einen abkriegt."

Die Täter leben in den allermeisten Fällen im direkten Umfeld: Angefangen bei der Familie über Pflegepersonal bis hin zu Mitbewohnern in Heimen. Die Möglichkeit, sich zu wehren, haben die Betroffenen in vielen Fällen nicht.

Seit 1990 sind in dem angeblich "ganz normalen Job" 141 Prostituierte ermordet worden, 46 überlebten einen Mordversuch knapp. Und das sind nur die Fälle, die bekannt wurden. Das bedeutet pro Jahr durchschnittlich fünf Tote. Die PKS weist für 2016 27 Fälle von "Ausbeuten von Prostitution" aus. Alle 27 Opfer waren weiblich.

Insgesamt werden Frauen häufiger Mordopfer als Männer, die Chance einen Mordanschlag zu überleben, liegt bei Männern 2,5 Mal höher als bei Frauen. Das ist vermutlich damit zu erklären, dass die Angreifer in den meisten Fällen männlich und den Frauen körperlich überlegen sind. Und Frauen auch nicht gelernt haben, sich zu wehren. Schon gar nicht, wenn es sich bei den Angreifern um ihnen nahestehende Personen handelt. Im Bereich sexualisierte und körperliche Gewalt gegen Kinder sind Mädchen stärker betroffen als Jungen.

Offenbar werden auch Frauen immer häufiger zur Täterin. In der Kategorie "Partnerschaftsgewalt" sind ein Viertel der Tatverdächtigen bei polnischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern weiblich, bei den Deutschen 21.4%. Doch die Lösung kann nicht sein, dass Frauen zurückschlagen, sondern dass die Gesellschaft Gewalt und ihre Ursachen konsequent bekämpft.

In die dringend nötigen gesellschaftliche Debatte über Gewalt müssten die Bereiche Gewalt gegen Homosexuelle und Trans-Personen, Gewalt gegen Kinder sowie der Komplex Kinderpornographie, bzw. -prostitution/sexualisierte Gewalt gegen Kinder mit einbezogen werden.

Im Hinblick auf Gewalt gegen Kinder und auch in Bezug auf Kinderpornographie tauchen auch Frauen häufig als Täterinnen auf und auch Jungen werden häufig Opfer sexualisierter und körperlicher Gewalt.

Wenn in jeder zweiten Familie Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird, wie eine Studie ergab, die von der Zeitschrift Eltern in Auftrag gegeben wurde, dann geht diese von den Vätern und den Müttern aus, und Mädchen und Jungen sind davon betroffen.

Als Ursache nennen Eltern häufig Überforderung. Die ist nicht selten selbstgemacht: Kinder dürfen nicht mehr nur Kinder sein, sie müssen bereits im Kindergartenalter die zweite Fremdsprache lernen, Montag zum Reiten, Dienstag zum Klavier-Unterricht, Mittwoch zum Ballett …

Die Überforderung entsteht aber auch durch strukturelle Probleme. Finanzielle Sicherheit und ein breites Unterstützungs-Angebot für Familien mit Problemen wären der beste Weg, Gewalt gegen Kinder einzudämmen. Denn dass Gewalt als Erziehungsmethode völlig untauglich ist, hat sich weitestgehend herumgesprochen.

Einbezogen werden in die Diskussion müssten auch die ungleiche Verteilung der ökonomischen Ressourcen, die Frauen häufig an gewalttätige Männer bindet, die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft durch Werbung, Pornographie und Prostitution sowie die tägliche Demütigung von Frauen in Betrieben und z. B. sozialen Netzwerken durch Herabwürdigung von Männern, die mit herabqualifizierenden Begriffen beginnt, mit wüsten Beschimpfungen weitergeht und mit offenen Drohungen endet.

Diskutiert werden müssen auch die Erniedrigungen, die Frauen in Kunst und Kultur zu ertragen haben, weil ansonsten die Wände der Galerien und Museen, die Bibliotheken und die Mediatheken sich leeren sowie die Songlisten der Radiostationen erheblich verkürzt wären. Diskutiert werden muss außerdem die Täter freundliche Rechtsprechung sowie die Unsicherheit, die Frauen zunehmend empfinden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen.

Das Sexual Profiling, dem Frauen von morgens bis abends ausgesetzt sind, sobald sie ihre Wohnung verlassen - und häufig auch innerhalb. Egal, ob zu alt, zu jung, zu dick, zu dünn, zu blond, nicht blond genug, zu groß, zu klein, zu klug, zu dumm, zu schön, nicht schön genug, … Frauen werden begutachtet und das Ergebnis wird ihnen unmittelbar mitgeteilt. In Worten und in Taten.

Während Racial Profiling bei Männern gesellschaftlich akzeptiert als Problem erachtet wird, werden Frauen angehalten, die permanente Begutachtung klaglos zu ertragen - oder sich gar drüber zu freuen. Schlicht alles, was das ungleiche Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen in unserer Gesellschaft begründet, gehört auf den Prüfstand.

Und: JA! Männer werden ihre Privilegien verlieren. Und: NEIN! Die wenigsten werden davon subjektiv profitieren. Da diese Komplexität des Themas für ganze Universitäts-Studiengänge reichen würde, fokussiert sich dieser Text auf Kategorie "Partnerschaftsgewalt" sowie weibliche Opfer von Kapitalverbrechen.

In Diskussionen über sexualisierte und häusliche Gewalt taucht immer wieder das Argument auf, die Dunkelziffer in Bezug auf Gewalt gegen Männer sei sehr hoch und im Gegensatz zum Hellfeld, wo 80% der Opfer weiblich sind, sei das Verhältnis im Dunkelfeld ausgewogen, also 50:50. Dafür gibt es allerdings keine belastbaren Belege.

Es gibt weder ausreichendes Datenmaterial über nicht angezeigte Frauengewalt gegen Männer noch Unterstützungsangebote für betroffene Männer. Es wäre die Aufgabe von Männern, diese Daten zu sammeln und entsprechende Angebote zu schaffen. Frauenhäuser fielen auch nicht vom Himmel: Feministinnen haben diese hart erkämpfen müssen. Und müssen immer wieder neu für den Erhalt jeder Beratungsstelle und jedes Frauenhauses streiten.

Wo sind sie denn, die Männergruppen, die um ein neues Rollenverständnis, um die Blaupause für den neuen Typ sozialverträglicher Mann ringen? Wo sind sie, die Kurse, in denen Anti-Gewalt-Training angeboten wird? Wo die Schulungen in Bezug auf respektvollen Umgang mit Frauen und Mädchen?

Männer tauchen in dieser Diskussion größtenteils nur auf, um sich selbst als Opfer zu stilisieren. Und um Frauen Ratschläge zu erteilen, was wir wie zu diskutieren und welche Erniedrigungen wir gefälligst zu schlucken haben. Zum Beispiel in der Debatte um Sexismus in Kunst und Kultur.

Wo unter dem Deckmäntelchen der "künstlerischen Freiheit" jede Kritik niedergemacht wird. "Künstlerische Freiheit", so heißt es dann, sei "das höchste Gut". Irrtum! Das "höchste Gut" ist die Menschenwürde und die gilt - das mag jetzt überraschen - auch für Frauen. Das in der Debatte angeführte angeblich "höchste Gut" ist nichts anderes als Festschreibung des Status Quos und damit der männlichen Privilegien.

Als Argument, dass das Dunkelfeld in Sachen Gewalt GEGEN Männer so hoch sei, wird immer angeführt, Männer schämten sich viel zu sehr, als dass sie sexualisierte und häusliche Gewalt zur Anzeige brächten. Man(n) nimmt es an, wir wissen es aber nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Frauen häufig jahre-, manchmal jahrzehntelang in Gewaltbeziehungen ausharren. Das viele Frauen sich in Grund und Boden schämen, dass ihnen Gewalt angetan wurde oder dass sie ihre Kinder nicht schützen konnten.

Wir wissen auch, dass viele Frauen in Gewaltbeziehungen bleiben, weil sie ökonomisch total abhängig sind von ihrem Partner. Oder weil Gerichte Frauen via geteiltes Sorgerecht auf viele Jahre an gewalttätige Ex-Partner ketten und sie ihnen quasi frei Haus liefert. Und weil Frauen oft keine Unterstützung bekommen - weder von ihrer Familie noch von der Gesellschaft oder staatlichen Institutionen wie z. B. der Polizei.

Wir wissen also, dass die Dunkelziffer bei Frauen extrem hoch ist. Und zwar deswegen, weil Frauen häufig angeben, schon in der Vergangenheit von Gewalt betroffen gewesen zu sein, wenn es irgendwann doch zu einer Anzeige kommt. Oder, weil Frauen, wie in der aktuellen Sexismus-Debatte unter dem Hashtag #MeToo, Jahre oder Jahrzehnte später über ihre Erlebnisse sprechen.

Oder weil, wie in Gerichtsverhandlungen oder auch bei Mordfällen immer wieder deutlich wird, Frauen vor der Gewalttat z. T. mehrfach vergeblich um Schutz gebeten haben. Dabei wird in aller Regel der Rechtsstaat in Feld geführt, der unser Aller Wohl diene. In der Realität aber ist Rechtsstaat männlich definiert und dient dem Täterschutz, nicht dem potentiellen Opfer.

Die Unschuldsvermutung ist eine richtige und wichtige Kategorie - aber nicht, wenn "bis die Schuld zweifelsfrei erwiesen ist" - so sie denn überhaupt jemals zweifelsfrei erwiesen werden kann - automatisch bedeutet, dass die Klägerinnen wie Lügnerinnen behandelt werden können.

Es gibt ebenso wenig Beratungsstellen und Hilfsangebote für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, wie es kaum Organisationen, Institutionen oder staatlichen Stellen gibt, die sich der männlichen Gewalt und den Aggressionen annehmen. All das gibt es nicht, weil Männer sich in der Vergangenheit nicht, oder zu wenig, damit auseinandersetzen mussten. Genau das muss anders werden! Männer müssen endlich begreifen, dass genau diese zu schaffen, ihre vordringlichste gesellschaftliche Aufgabe ist.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wird jährlich vom Bundeskriminalamt (BKA) auf der Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern (LKA) registrierten Straftaten erstellt. Die PKA für das Jahr 2016 wurde am 27.1.2017 erstellt.

In diese Statistik fließen alle Delikte ein, die während des Kalenderjahres 2016, also vom 11. bis zum 31.12. registriert wurden sowie jene Straftaten, die sich zwar schon 2015 ereigneten, jedoch erst nach dem 1.1.2016 registriert wurden. Das kann z. B. bei Sexualstraftaten der Fall sein. Diese können sich sogar schon vor 2015 ereignet haben. Alle Straftaten, die sich im Jahre 2016 ereigneten und erst nach dem 1.1.2017 registriert wurden, tauchen dann in der PKS 2017 auf.

Die PKS enthält die der Polizei bekannt gewordenen rechtswidrigen Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen.
Nicht enthalten sind:
Staatsschutzdelikte, Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten, Delikte, die nicht zum Aufgabenbereich der Polizei gehören (z.B. Finanz- und Steuerdelikte) und Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

BKA

Die Straftaten werden erfasst und in verschiedenen Kategorien aufgeführt. In den einzelnen Kategorien wird zwischen "versucht" und "vollendet" unterschieden, z. B. "versuchter" oder "vollendeter" Mord oder "versuchte" oder "vollendete" Vergewaltigung, außerdem nach Geschlecht, und zwar "männlich" und "weiblich"; seit einigen Jahren wird die Rubrik "Partnerschaftsgewalt", unterteilt in die Kategorien "Mord und Totschlag", "Vergewaltigung/sexuelle Nötigung", "Stalking", "gefährliche Körperverletzung", "Bedrohung" sowie "vorsätzliche einfache Körperverletzung", gesondert aufgeführt.

Auch dort wird zwischen versuchten und vollendeten Delikten unterschieden. Sowohl Opfer als auch Tatverdächtige werden in "Deutsche" und "Nicht-Deutsche" kategorisiert. Die Kategorie "Deutsche" umfasst alle Personen mit deutschem Pass, darunter fallen auch jene, die eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen oder familiäre Wurzeln im Ausland haben. Die Kategorie "Nicht-Deutsche" erfasst alle Personen, die ausschließlich eine andere Staatsbürgerschaft besitzen.

"Partnerschaftsgewalt" findet in allen sozialen Schichten und allen gesellschaftlichen Milieus statt. Trotzdem ist zu beobachten, dass umso mehr Gewalttaten zu verzeichnen sind, je patriarchaler das Milieu strukturiert ist, in dem diese stattfinden. Die genauere Auswertung der veröffentlichten Zahlen bestätigt genau das.

Das bringt uns zu der Frage: Wer lebt eigentlich in diesem Land? Unterschiedliche Statistiken weisen unterschiedliche Zahlen aus. Einigkeit herrscht darin, dass die Gesamtbevölkerung etwas mehr als 82 Mio. registrierte Personen beträgt (Stand 2016); knapp 42 Mio. Frauen und gut 40 Mio. Männer.

Die hier lebenden Menschen werden in verschiedene Schubladen gesteckt, von denen einige in verschiedene Fächer gegliedert sind. Von den 82 Mio. haben 9,61 Mio. Personen (4,85 Mio. weiblich und 4,77 Mio. männlich) mit deutschem Pass eigene oder familiären Migrationshintergrund. D. h., sie sind entweder selbst zugewandert und wurden eingebürgert, oder sie sind hier in eine Einwanderer-Familie hineingeboren worden. Von diesen 9,61 Mio. Personen besitzen 1,64 Mio. zwei Staatsbürgerschaften.

Zum Beispiel leben in Deutschland offiziell rund 2,8 Mio. Türkinnen und Türken. Dazu zählen auch ethnische Minderheiten mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung, deren Vorfahren auf türkischem Staatsgebiet angesiedelt sind, also z. B. Kurdinnen und Kurden. Davon haben rund 1.080.000 Personen ausschließlich die deutsche, etwa 250.000 beide und rund 1,5 Mio. ausschließlich die türkische Staatsbürgerschaft.

Insgesamt sind in Deutschland etwas mehr als 9 Mio. Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft registriert (4,2 Mio. weiblich und 4,8 Mio. männlich). Davon sind etwa eine halbe Mio. Asylsuchende, knapp eine halbe Mio. haben keinen Aufenthaltsstatus und Schätzungen zufolge ist eine weitere halbe Mio. Menschen ohne Aufenthaltsstatus in die Illegalität abgerutscht. Im Klartext heißt das, das etwa 1 Mio. Menschen in Deutschland leben, die keinerlei Aussicht auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben. Wie viele nicht offiziell registrierte Geflüchtete im Zuge der Grenzöffnung im September 2015 eingereist sind, weiß niemand.

Neben den 1,5 Mio. Türkinnen und Türken ohne deutschen Pass leben etwa 0,64 Mio. Menschen aus Syrien, 0,25 Mio. aus Afghanistan, 0,23 Mio. aus dem Irak, 0, 733 Mio. aus Polen, 0,61 Mio. aus Italien, 0,53 Mio. aus Rumänien, 0,34 Mio. aus Griechenland, 0,33 Mio. aus Kroatien, 0,26 Mio. aus Bulgarien und 0,25 Mio. Menschen aus der russischen Föderation in Deutschland (siehe: Die Herkunftsstaaten der in Deutschland lebenden Ausländer).

Nicht erfasst sind Prostituierte, vorwiegend Frauen, aus osteuropäischen Ländern, die in der Prostitution ausgebeutet werden. Es gibt schlicht keinerlei Zahlen, die Schätzungen liegen zwischen 200.000 und 400.000. Die oben genannten Zahlen über Morde von Prostituierten sind ebenfalls nicht offiziell erfasst, sondern Zufallsfunde von Aktivistinnen, die diesbezügliche Informationen und Fakten gesammelt haben.

Laut der aktuellen Statistik haben wir es in erster Linie mit männlicher Gewalt gegen Frauen und Kinder zu tun. In Beziehung auf die hohe Zahl ermordeter Frauen, fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau, weil ihr Partner tödliche Gewalt gegen sie anwendet, müssen wir vom "Femizid", Frauenmord, sprechen.

2016 wurden insgesamt 993 Morde und Mordversuche registriert. Davon waren 418 Opfer weiblich, 575 männlich. Von diesen 993 waren 620 versuchte und 373 vollendete Morde. Den vollendeten Morden fielen 203 Frauen und 170 Männer zum Opfer. Ausgehend von der Gesamtzahl, liegt die Chance, einen Mordversuch zu überleben, bei Männern 2,5 Mal so hoch wie bei Frauen. 2.066 Fälle von Totschlag und Tötung auf Verlangen (Anm. d.Red. An dieser Stelle stand der Begriff "Auftragsmord", der hier falsch und irreführend war. Er wurde gestrichen) , wurden insgesamt gezählt. Dabei kamen 489 Menschen zu Tode, 221 Frauen und 268 Männer. 297 Frauen und 430 Männer wurden Opfer "fahrlässiger Tötung".

Über die Kategorie "Partnerschaftsgewalt" hinaus wurden 2016 insgesamt 14.905 "Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung" erfasst. Opfer waren 13.858 Frauen und 1.047 Männer. Davon waren 8.102 Vergewaltigungen, mit 7.622 weiblichen und 480 männlichen Opfern; davon wiederum 784 vollendete und 358 versuchte Vergewaltigungen in der Kategorie "überfallartig Einzeltäter" registriert, 1083 der Opfer waren weiblich. 238 in der Kategorie "Verwaltung überfallartig Gruppe", 213 der Opfer waren weiblich sowie 602 Gruppen-Vergewaltigungen, 539 Opfer weiblich.

678 Fälle von "sexuellem Missbrauch an Schutzbefohlenen unter Ausnutzung einer Abhängigkeit" wurden erfasst, davon waren 559 Opfer weiblich; 882 Fälle "Beischlaf mit einem Kind", 693 davon waren Mädchen, 189 Jungen.

Diese Delikte werden, sofern sie deutsche Eheleute betreffen, in den Medien häufig als Beziehungs- oder Familiendrama bezeichnet. Bringen Väter zunächst ihre Partnerin, z. T. auch die gemeinsamen Kinder und dann sich selbst um, dann ist vom "erweiterten Suizid" die Rede.

Mit diesen Begriffen werden die dahinterstehenden Macht- und Gewaltverhältnisse verschleiert. In der Kategorie "Mord und Totschlag" sind 80% der Opfer weiblich; in der Kategorie "Vergewaltigung/sexuelle Nötigung" sind die Opfer fast ausschließlich weiblich.

"Ehrenmorde", also Morde im islamischen Milieu, werden häufig in einem Atemzug mit "Beziehungs- oder Familiendrama" genannt. Abgesehen davon, dass diese Begriffe wie geschildert sowieso nicht tauglich sind, handelt es sich beim "Ehrenmord" nicht "nur" um einen Mord, sondern um ein gesellschaftliches, bzw. Rechtssystem, die Scharia, in dem Ehrenmorde eine wesentliche Säule sind.

Opfer von Ehrenmorden sind Frauen oder homosexuelle Männer oder Männer, die aus anderen Gründen gegen die eng gesetzten gesellschaftlichen Regeln verstoßen. Die Entscheidung, dass sie ihr Recht auf ihr Leben verwirkt haben, wird in der Familie getroffen. Genauer gesagt, die Männer einer Familie oder eines Clans treffen diese Entscheidung.

Dadurch wird das Recht quasi privatisiert, alle Männer werden zu Richtern, primär ihrer Töchter, Ehefrauen, Schwestern und auch ihrer Mütter. Und im Zweifelsfall zu deren Henkern. Auf diese Weise werden alle Männer in das Rechtssystem aktiv mit einbezogen, andererseits lastet ein sehr hoher sozialer Druck auf ihnen.

In aller Regel wird ein möglichst minderjähriges männliches Familienmitglied zur Ausführung der Tat bestimmt, denn Minderjährige haben im Zweifelsfall ein geringeres Strafmaß zu erwarten. Die Betreffenden sind den Rest ihres Lebens auf Gedeih und Verderb an die Gemeinschaft gekettet.

So wird in der breiten Masse eine Komplizenschaft mit dem herrschenden System hergestellt und gleichzeitig ohne viel Aufwand für den Staat für die penible Einhaltung der gesellschaftlichen, religiös determinierten Regeln gewährleistet.

Würden die Kategorien im Hinblick auf die Täterschaft getrennt, wäre vermutlich der Anteil von Frauen in der Kategorie "Mord" vergleichsweise höher. Das hat damit zu tun, dass Frauen und Männer unterschiedlich töten. Frauen töten im Rahmen der Partnerschaftsgewalt selten im Affekt, sondern geplant und mit Methoden und Mitteln, die als "heimtückisch" gelten.

Das hat allerdings den Hintergrund, dass der Tat häufig eine lange Gewaltbeziehung vorausgeht, Frauen ihren Partnern häufig körperlich unterlegen sind, sie deshalb Pläne schmieden und Methoden wählen müssen, in denen der Partner schutzlos ist, z. B. während er schläft. Oder ihm über einen längeren Zeitraum z. B. Gift verabreichen. Aus dieser Planmäßigkeit ergibt sich der Straftatbestand "Mord" und häufig ein entsprechendes Urteil.

Im Gegensatz dazu morden Männer seltener, indem sie einen Plan aushecken und umsetzen, sondern die Gewalt endet irgendwann tödlich für das Opfer, meistens die Frau. Das wird dann als "Totschlag" oder "Körperverletzung mit Todesfolge" gewertet, weil das Moment der "Heimtücke", also das bewusste, niederträchtige, heimtückische Morden, fehlt. Es wird auch dann als "Totschlag", "Körperverletzung mit Todesfolge" oder "fahrlässige Tötung" gewertet, wenn es im Vorfeld schon einmal oder bereits häufiger zur Gewaltanwendung gekommen ist.

Das größte Problem mit dem Datenmaterial ist, dass die einzelnen Straftaten registriert wurden, nicht jedoch die konkreten Opfer. "Im Jahr 2016 wurden unter den Straftaten-(gruppen) Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking insgesamt 133.080 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt erfasst", berichtet die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB).

Das bedeutet aber nicht, dass von 133.080 verschiedenen Opfern die Rede ist, sondern von erfassten Delikten. Wurde also eine Frau drei Mal von ihrem Partner bedroht und die Tat wurde jeweils polizeilich erfasst, dann wird sie drei Mal als Opfer aufgeführt. Wenn die Statistik 108.956 Frauen als Opfer ausweist, dann wissen wir nicht, dass 108.956 Frauen zum Opfer wurden, sondern dass in 108.956 Fällen die Opfer weiblich waren.

Das gilt allerdings nicht für die Tatverdächtigen, die sind jeweils nur einmal aufgeführt, auch wenn ihnen mehrere Delikte zur Last gelegt werden. Mit anderen Worten: Aus dem veröffentlichten Zahlenmaterial lässt sich überhaupt nicht ablesen, wie viele Personen, wie viele Frauen, wie viele Männer konkret betroffen sind. Lediglich in Bezug auf die Opfer von vollendetem Mord und vollendetem Totschlag lässt sich die Zahl der Delikte auf die Zahl der Opfer eins zu eins übertragen.

Bei der Analyse der Statistik haben wir es also mit schwierigem Datenmaterial mit vielen Vakanzen zu tun. Auch sagen die in der Statistik veröffentlichten Zahlen nichts darüber aus, welche der angezeigten Delikte eine Strafverfolgung oder gar eine Verurteilung nach sich ziehen.

Trotzdem lässt sich nicht bestreiten, dass die Gewalt in erster Linie von Männern ausgeht und Frauen zum Opfer werden. Wir reden also über Männergewalt. Und zwar zwingend als gesamtgesellschaftliches Problem, das zeitnah einer Lösung bedarf.

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