Hamburg: Übergriffe auf jesidische und christliche Asylbewerber

Kurdische Linken-Abgeordnete fordert getrennte Unterkünfte

Ein privater Hamburger Sicherheitsdienstleister beschäftigte bis vor kurzem Sunniten, die christliche Flüchtlinge in der Unterkunft Schnackenburgallee "quälten und schlugen". Obwohl es nach dem Bekanntwerden dieser Vorfälle zu Entlassungen kam, sind kurdischsprachige Jesiden (die von islamischen Extremisten als "Teufelsanbeter" verfolgt werden) und Christen nach Informationen der Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Cansu Özdemir weiterhin Schikanen ausgesetzt.

In den konkreten Fällen, die die kurdischstämmige Linken-Fachsprecherin für Soziales und Integration in einer Pressemitteilung nennt, kommen die Täter allerdings nicht aus dem Sicherheitspersonal, sondern aus den Reihen anderer Asylbewerber und von außerhalb: So soll beispielsweise ein ägyptischer Asylbewerber zusammen mit einer größeren Zahl von Salafisten, die außerhalb der Unterkunft wohnen, jesidische Kurden geschlagen und ihnen die Enthauptung angedroht haben, bis die Polizei einschritt, die das Lager seitdem mit bewacht.

Zu Fragen, ob und welche Folgen der Vorfall für den Ägypter und die Salafisten hatte, schweigen die Hamburger Behörden. Gleiches gilt für den Fall eines Tschetschenen, der einem assyrischen Christen befahl, ein über seinem Bett angebrachtes Kreuz abzuhängen. Hier musste angeblich nicht der Täter das Zimmer räumen, sondern das Opfer, das den Vorfall gemeldet hatte.

Aktuell verlassen die Jesiden aus Angst vor Übergriffen die Unterkunft in der Schnackenburgallee nur noch "als größere Gruppe", wenn sie auf Ämter oder zu Ärzten müssen. Özdemir fordert deshalb nach Religion und Volkszugehörigkeit getrennte Unterkünfte. [Update: Eine vom Verein Civaka Azad in Umlauf gebrachte Meldung, nach der die Abgeordnete zudem angedroht hat, ein eigenes "geschütztes Camp" für christliche und jesidische Asylbewerber einzurichten, "wenn die Regierung nichts unternimmt", wird von Özdemir dementiert.]

Cansu Özdemir. Foto: Ralf Roletschek. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Auch in anderen deutschen Bundesländern gab es in den letzten Monaten Übergriffe von Islamisten: In Berlin vertrieben tschetschenische Wahabiten im August mit Schlägen und mit der Drohung, "Syrienkämpfer" zu sein, zahlreiche christliche Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak aus einem Asylbewerberheim. Die Kaukasier gelten dort als besonders fanatisch und blutrünstig. Hierzulande erhoffen sie sich aufgrund des außenpolitischen Konfrontationskurses zwischen der EU und Russland gute Chancen auf eine Anerkennung als Asylberechtigte.

In Hessen drohten drei sunnitische Afghanen einen zum Christentum konvertierten Landsmann immer wieder, er sei eine "Verfluchter, der den Tod verdient habe". Einer der Fanatiker setzte ihm ein Messer in die Brust und ließ sich von den anderen beiden angeblich nur mit dem Hinweis vom Zustechen abbringen, es sei aus aufenthaltsrechtlichen Gründen wohl besser, die Tat erst nach dem Abschluss des Asylverfahrens zu Ende zu bringen.

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