"Hamburg raus aus Altona"

Imke von Karstedt will im Februar bei den Bürgerschaftswahlen antreten und einen Teil der Hansestadt an Dänemark zurückgeben

Am 15. Februar wird in der Hansestadt Hamburg ein neues Landesparlament gewählt. Der Landeswahlausschuss hat dafür sechs neue Parteien und Wählervereinigungen zugelassen - neben der FDP-Abspaltung Neue Liberale sind das die "Alternative zu [sic] Deutschland" (AzD), die GERADE Partei (DGP), die Hamburger Bürger-Liste (HHBL), die Humanwirtschaftspartei und die Liste Hamborg raus aus Altøna (HaraAlt). Letztere unterscheidet sich auf den ersten Blick am stärksten von den etablierten Parteien - weshalb wir uns um ein Interview mit der Spitzenkandidatin Imke von Karstedt bemühten.

Frau von Karstedt - Altona gehört seit 1938 zu Hamburg. Warum soll es nach 77 Jahren wieder davon getrennt werden?
Imke von Karstedt: Altona und Hamburg passen nicht besonders gut zusammen. Altona hat im Wappen ein offenes Tor und stand lange Zeit für Offenheit und Freiheit, auch ganz speziell für Fremdenfreundlichkeit. Hamburgs Tor ist geschlossen. Die Politik ist nicht fördernd für das, was Altøna bitte bleiben soll.
Wie soll die Trennung konkret vor sich gehen?
Imke von Karstedt: Der Bezirk Altøna soll zunächst selbstbestimmter werden. Die Entscheidungen, die Altønas Gestaltung und Veränderung betreffen, müssen größtenteils im Bezirk getroffen werden. Denken Sie einmal an die Pläne zur City-West Ende der 60er Jahre. Altøna wäre beinahe plattgemacht worden vom Hamburger Senat. Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben sich dem entgegen gestellt. So wie jetzt wieder, da der Zeiseparkplatz an die weltgrößte Werbeagentur WPP verhökert wurde. Wir möchten so eine Pfeffersackpolitik nicht weiter dulden.
Wenn es dann konkreter wird, müssen wir mal ein ordentliches Gespräch mit der Königin führen. Zunächst einmal ist es sehr wichtig, eine 350jährige Übergangsregelung für Tabak- und Alkoholpreise zu finden.
Mit der dänischen Königin?
Imke von Karstedt: Genau, mit Margrethe II.
Imke von Karstedt. Foto: Privat.
Soll Altona dann wieder zu Dänemark gehören, wie vor 1864? Warum nicht zu Holstein? Oder zu Österreich, wie zwischen 1865 und 1867?
Imke von Karstedt: Österreich ist erst einmal sehr weit weg, korrupt und außerdem reden die dort sehr merkwürdig. Holstein hingegen fanden wir etwas zu langweilig. Kopenhagen beispielsweise ist eine tolle Stadt. Dort werden die Steuergelder im Sinne der Bevölkerung ausgegeben und man sieht es der Stadt an. Vorbildlich, wenn Sie mich fragen. Wir fahren im Januar wieder hin, um mal nach dem Rechten zu sehen.
Und eine kettenrauchende Königin zu haben, finde ich persönlich doch recht reizvoll.
Was machen Sie, wenn Dänemark bei den Tabak- und Alkoholpreisen nicht einlenkt?
Imke von Karstedt: Wann kriegt man denn ohne Krieg führen zu müssen, eine Stadt geschenkt? Ich glaube, da werden wir uns problemlos einig. Letztendlich wird die Altønaer Bevölkerung darüber abstimmen müssen, ob sie unter den ausgehandelten Bedingungen zu Dänemark gehören möchte oder nicht.
Welche Sprache sollte Amtssprache in Altona sein?
Imke von Karstedt: Dänisch und Deutsch. Zunächst werden die Kinder an den Schulen eine weitere Fremdsprache lernen, nämlich Dänisch. Aber die Altønaer brauchen sich keine Sorgen zu machen, Deutsch wird sicher lange erhalten bleiben. Das müssen wir alles noch mit den Altønaern und Margrethe II. besprechen.
Müssen Sie nach der Zulassung durch den Landeswahlausschuss noch Unterschriften vorlegen, damit Hamborg raus aus Altøna am 15. Februar tatsächlich auf den Wahlzetteln steht?
Imke von Karstedt: Wir benötigen 100 gültige Unterstützerunterschriften. Alle aus dem Wahlkreis 3 - Altona. Das finden wir ein wenig ungerecht bei diesen unsommerlichen Temperaturen. Gestern saß ich mit meiner stellvertretenden Vorsitzenden Bea zwei Stunden draußen und sammelte Unterstützerunterschriften. Heute kann bis 19 Uhr im Querbeet in Ottensen an der Theke unterschrieben werden. Dann fahre ich nach Harburg und gucke, wie viele uns noch fehlen. Donnerstag ist allerletzter Abgabetermin und wir sind sehr gespannt, ob wir das noch schaffen.
Auf ihrem persönlichen Facebookprofil finden sich auch Meldungen von der Sonneborn-Partei. Gibt es da Beziehungen?
Imke von Karstedt: Ich war die Landesvorsitzende der PARTEI Bremen, bevor ich mit meinem Mann nach Altøna zog. Dort war ich bei der Bundestagswahl Spitzen- und Direktkandidatin. (Peter Mühlbauer)