"Hamm Se mal ne' Stammzelle für mich?"

Letzten Montag war Tag der Lebensspende, heute ist Tag der Organspende

Der erste Tag der Lebensspende wurde von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ausgerufen. Stammzellen sind ein viel diskutiertes Thema in den Zeiten des nationalen Ethikrates (Dialogoffen und unabhängig oder Abnick-Gremium?), v.a. wenn es um embryonale Stammzellen geht und damit verbunden um die Frage, ob Embryonen diese Zellen entnommen werden dürfen, was zum Absterben des restlichen Organismus führt. Stammzellen sind der Ausgangspunkt menschlichen Wachstums und erwachsene Stammzellen die natürliche Reserve des Körpers. Sie sind noch nicht differenziert und können sich daher je nach Bedarf zu den verschiedensten Zelltypen entwickeln. Inzwischen wird fieberhaft geforscht, um Stammzellen auch aus adultem Zellmaterial zu gewinnen. Anfang Mai ging die Gewinnung aus dem Gewebe von Toten durch die Medien (Neuronale Stammzellen aus Toten), davor war Fett als humaner Rohstoff im Gespräch (Stammzellen aus Fett), aber auch Hautzellen (Biologische Alchemie) und die Nabelschnur (Nabelschnur hilft gegen Schlaganfall).

Seit längerem gibt es auch die Lebendspende erwachsener Zellen. Weltweit sind über sieben Millionen Menschen zur Spende bereit, in Deutschland haben sich mehr als 1,4 Millionen registrieren lassen. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei ist mit über 770.000 potenziellen Spendern die größte nationale Einzeldatei ihrer Art. Täglich erhalten mindestens zwei todkranke Menschen durch DKMS-Spendern die Chance auf ein neues Leben.

Patienten mit lebensbedrohlichen Krankheiten wie akute sowie chronische lymphatische Leukämie und Nierenkrebs erhalten eine Knochenmarks-Stammzelltransplantation, wenn eine geeigneter Spender gefunden werden kann. Um Gegenreaktionen des Immunsystems gering zu halten, muss das Gewebe des Empfängers dem des Spenders möglichst ähnlich sein. Optimal sind sozusagen Zellen von eineiigen Zwillingen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 4'000 Menschen an Leukämie (Blutkrebs), ungefähr die Hälfte sind Kinder und Jugendliche. Nach einer erfolglosen Chemo- bzw. Strahlentherapie ist die Übertragung von gesunden Stammzellen die letzte Chance, das Leben des Patienten zu retten. Aber nur für knapp 30% dieser Leukämie-Patienten kann ein geeigneter Spender innerhalb der eigenen Familie gefunden werden. Alle Anderen sind auf fremde Spender angewiesen. Die fremden Stammzellen geben den schwer Kranken je nach Alter, Gesundheitszustand und Zeitpunkt der Transplantation eine Heilungschance zwischen 40 und 70 Prozent.

Entgegen der landläufigen Meinung werden die Stammzellen des Knochenmarks nicht dem Rückenmark entnommen. Bisher werden sie hauptsächlich aus der Beckengegend geholt, und da dieses Verfahren schmerzhaft wäre, wird dem Spender eine Vollnarkose gegeben. Es ist ein kleiner Eingriff und nach 2-3 Tagen ist er dann wieder völlig fit. Der Verlust des gespendeten Knochenmarks ist nach zwei Wochen im Körper wieder ausgeglichen. Inzwischen gibt es auch die periphere Stammzellenentnahme, für die weder eine Vollnarkose noch eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus erforderlich ist. Dieses Verfahren funktioniert so, dass dem Spender über mehrere Tage ein körpereigener hormonähnlicher Stoff (so genannter Wachstumsfaktor) gegeben wird. Dieses Medikament stimuliert die Produktion der Stammzellen, sie werden dann mittels eines speziellen Verfahrens aus dem Blut gesammelt.

Wer sich registrieren will, kann sich bei seinem Hausarzt Blut abnehmen und nach den Gewebemerkmalen analysieren lassen. Mit diesem Befund kann man sich off- oder online bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registrieren. Erst wenn ein Empfänger Stammzellen genau diese Merkmale benötigt, wird der potenzielle Spender kontaktiert und muss sich nun endgültig entscheiden, ob er zur Verfügung steht. Es folgen gründliche Untersuchungen und die Stammzellenentnahme.

Bei allen Citi-Banken kann bis Ende des Jahres das Klingelbeutelgeld unter dem Motto "Altes Geld für neues Leben" an die DKMS gespendet werden. (Andrea Naica-Loebell)

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