Handelskrieg behindert Covid-19-Bekämpfung

Trump senkt heimlich Zölle auf einige Medizinprodukte. 80.000 Covid-19-Tote in den USA erwartet

US-Präsident Trump begann seinen Handelskrieg mit China Anfang 2018. In den nächsten zwei Jahren erhöhte er die US-Zölle von 7,5 bis 25 Prozent auf 360 Milliarden Dollar. Nicht nur "MAGA"-Mützen der Trump-Kampagne sind "Made in China" und daher mit Zöllen belegt, sondern auch Schutzausrüstung für Ärzte und Krankenhauspersonal sowie Beatmungsgeräte und Hightech-Ausrüstung zur Überwachung der Patienten. Ein Viertel aller medizinischen Ausrüstung wurde vor dem Beginn des Handelskriegs aus China importiert.

Trump und Xi sollen am Donnerstag auch miteinander telefoniert haben. Trump sagte auf Twitter, dass er den Ausbruch des Coronavirus "sehr ausführlich" mit Xi besprochen habe. "China hat viel durchgemacht und ein starkes Verständnis für das Virus entwickelt", sagte Trump. "Wir arbeiten eng zusammen. Großen Respekt!"

Der chinesische Präsident Xi Jinping hielt am Donnerstag auf dem außerordentlichen G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Peking per Livestream eine Rede mit dem Titel "Zusammenarbeit zur Bekämpfung des COVID-19-Ausbruchs". Xi rief die G20-Mitglieder dazu auf, Zölle zu senken, Barrieren zu beseitigen und den Handel zu erleichtern.

Seit Wochenbeginn hat sich die Zahl der Infizierten in den USA verdoppelt auf über 85.000. Darunter sind auch Ärzte, Krankenpfleger und Ersthelfer. In Boston wurden mehr als 160 Mitarbeiter eines Krankenhauses positiv auf das Coronavirus getestet. Es fehlt an allem, was die Ansteckung verhindert. In New Yorker Mount Sinai Krankenhaus behilft man sich mit Müllsäcken als eine Art Schutzausrüstung (PSA), da diese fehlen.

"Die unbeabsichtigte Folge von Präsident Donald Trumps fehlgeleitetem Handelskrieg mit China droht den Kampf der USA gegen die Covid-19-Pandemie zum Stillstand zu bringen", heißt es in einer Studie des Peterson Institute for International Economics (PIIE) aus Washington D.C. Laut Berechnungen des Instituts wurden auf Importe von medizinischen Gütern aus China im Wert von fast 5 Milliarden US-Dollar Strafzölle in Höhe von 7,5% bzw. 25% verhängt.

Zu den wichtigsten Gütern gehören medizinische Schutzausrüstung, Masken, sterile Handschuhe und Schutzbrillen für Ärzte, Ersthelfer und Krankenpfleger. Außerdem Einwegausrüstungen wie Krankenhauskittel, OP-Abdeckungen und Atemschutzmasken, die Patienten während eines Krankenhausbesuchs benötigen.

Und schließlich werden relativ hochtechnologische medizinische Geräte - darunter CT-Systeme, Ultraschallsysteme, Patientenmonitore und Röntgengeräte - zur Diagnose und Behandlung von Patienten, die an der Krankheit leiden, eingesetzt.

Trump hebt einige Zölle auf

"Wenn die Strategie darin besteht, sich von China, dem größten Lieferanten von medizinischer Ausrüstung, in dieser Zeit der größten Not abzuschneiden, ist das ein großes Problem", sagte Chad Bown, ein Ökonom des PIIE. Wie das PIIE herausfand, habe Trump am 10. und 12. März "in aller Stille" angekündigt, dass "einige Zölle, die für chinesische Produkte zur Behandlung der Coronavirus-Pandemie erhoben werden, vorübergehend" gesenkt werden. Dies sei "auf Antrag von AdvaMed, einer Lobbygruppe der Industrie", geschehen.

Laut Mass Device wurden für bestimmte Produkte von 27 amerikanischen Unternehmen, die aus China importieren, die Zölle von 7,5 Prozent aufgehoben. "Zu den von der Zollbefreiung ausgenommenen Produkten gehörten Schutzmasken, Abdecktücher und Kittel, Handtücher, medizinische Untersuchungshandschuhe, medizinische Becher, Stethoskope und Schuhüberzüge, wie aus einer vom Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) veröffentlichten Liste hervorgeht." Weitere 33 Anträge auf Produkte wie OP-Abdeckungen und Beutel für biologische Gefahrenstoffe wurden jedoch abgelehnt.

"Wir danken der Regierung für die Aufhebung der Zölle für einige wichtige medizinische Geräte, die aus China in die USA kommen, insbesondere angesichts des COVID-19-Ausbruchs", sagte Scott Whitaker, CEO von AdvaMed, in einer Erklärung. Unberührt vom Zollerlass bleiben jedoch Güter mit Tarifen von 25 Prozent.

Da sich die Lage besonders in dieser Woche weiter verschärfte, scheint nun auch die Trump-Regierung doch zu Maßnahmen greifen zu wollen, die medizinische Produkte vom Handelskrieg ausnimmt. Der US-Handelsbeauftragte gab laut The Hill gestern eine Erklärung heraus, in der er die Öffentlichkeit, Unternehmen und Regierungsbehörden zu Kommentaren zu "möglichen weiteren Änderungen zur Aufhebung der Zölle auf zusätzliche medizinische Pflegeprodukte" aufruft. Die Kommentare werden etwa drei Monate lang bis zum 25. Juni entgegengenommen.

Bald fehlen Betten

Bis Ende Juni könnte es aber dramatisch werden in den Krankenhäusern des Landes. Neben Ausrüstungen und Gerätschaften werden auch Krankenhausbetten gebraucht. Ähnliche Vorhaben wie der zügige Bau von temporären Krankenhäusern, um die Bettenzahl aufzustocken, fehlen bisher in der Reaktion der US-Politik auf die Pandemie.

Einer Studie der University of Washington (UW) in Seattle zufolge wird der Peak der Todesfälle durch Covid-19 für Mitte April erwartet. Dann würden zwischen 120.000 und 470.000 Krankenhausbetten sowie zwischen 16.000 und 75.000 Betten auf Intensivstationen benötigt. Zur Peak-Zeit fehlen den Berechnungen zufolge etwa 50.000 Krankenhausbetten und 15.000 Betten auf Intensivstationen im ganzen Land.

Ein Abklingen der Pandemie in den USA wird im Juni erwartet. Die Analyse des Instituts für Gesundheitsmetrik der UW, die sich auf Daten von Regierungen, Krankenhäusern und anderen Quellen stützt, geht davon aus, dass die Zahl der Todesfälle in den nächsten vier Monaten zwischen 38.000 und 162.000 betragen könnte. Als hochgerechnete ("projected deaths") Gesamtzahl der Covid-19-Todesfälle bis zum 4. August 2020 in den Vereinigten Staaten von Amerika wird 81.114 genannt. (Bulgan Molor-Erdene)