Heiße Elektronen

HAARP in Theorie und Praxis

Tesla hatte die Idee, Energie drahtlos zu übertragen, und nahm dabei die Ionosphäre mit ihrer Fähigkeit, Radiowellen zu reflektieren, ins Visier. Seine Theorien waren dem Stand der Wissenschaft seiner Zeit deutlich voraus. Als er 1942 sogar die militärische Nutzung von Radiowellen und Ionosphäre vorschlug, nahm man ihn schon längst nicht mehr ernst.

Tesla in seinem Labor, 1899

Über die Funktion der Ionosphäre wusste man im Prinzip wenig. Marconi hatte die Welt verblüfft, als ihm 1901 eine Funkverbindung über den Atlantik glückte. Bislang ging man davon aus, dass ein Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger bestehen müsste. Erst 1912 wurde die Theorie einer reflektierenden Schicht in der Atmosphäre zur wissenschaftlichen Gewissheit und begründete zugleich die nicht mehr wegzudenkende globale Funkkommunikation, die darauf basiert, dass die Ionsophäre mit ihren geladenen Teilchen in der Lage ist, elektromagnetische Wellen zu reflektieren.

Nach und nach wurden weitere Funktionsmechanismen der Ionosphäre entdeckt. So wurde klar, dass die Ionosphäre quasi einen Schutzschirm gegen Strahlung aus dem Weltraum darstellt, und aus Beobachtungen konnte man auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der solaren Aktivität und der Beschaffenheit der Ionosphäre Rückschlüsse ziehen. Heute sind die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Sonnenaktivität und Ionosphäre immerhin in einer Detailtiefe bekannt, die gezielte Funkvorhersagen durch die Vorausberechnung aktueller Eigenschaften der Ionosphäre ermöglicht.

Die letzte richtungsweisende Erkenntnis war 1999 die Entdeckung des Ursprungs schneller Sonnenwinde, die Partikel zur Erde schleudern und dort sowohl eine Bedrohung für die empfindlichen Satelliten als auch der irdischen Stromversorgungsanlagen darstellen. Störungen der Magnetosphäre und Anomalien der Ionosphäre haben bekanntermaßen zerstörerische Wirkungen. Obwohl längst nicht alle Wechselbeziehungen zwischen derartigen Störungen und der Erde erforscht sind, dienen die spärlichen Erkenntnisse schon seit den 50er Jahren einer völlig übergeschnappten militärischen Forschung nach dem Try-and-Error-Prinzip.

Ein wichtiger Markstein war die Entdeckung weiterer Schichten außerhalb der Ionosphäre, mehr als 1.000 Kilometer über der Erdoberfläche, im Jahre 1957. James Van Allen stellte fest, dass es da draußen noch eine gewaltige Menge elektrisch geladener Teilchen gab, die vom Magnetfeld der Erde gefangen gehalten werden.

Ohne zu zögern wurde unter höchster Geheimhaltung das Argus-Projekt ins Leben gerufen. Im Südpazifik begann man damit, Atombomben in der oberen Atmosphäre zu zünden. Das Ziel: Manipulation der irdischen Plasmahülle zur Unterbindung gegnerischen Funkverkehrs. Die Versuche liefen 1962 mit Bomben einer maximalen Sprengkraft von 1,4 Megatonnen. In der Öffentlichkeit machte die Geschichte als "Rainbow-Bomb" die Runde. Drei weitere Versuche gingen schief, zurück blieb eine verseuchte Insel.

Als wissenschaftliche Erkenntnis wurde festgehalten, dass es gelang, einen Magnetsturm zu entfachen, der auf Hawaii zum Stromausfall führte, Nordlichter in der Südsee erzeugte und den britischen Satelliten "Ariel" lahm legte. Als nicht geplanter Effekt könnte ein Erdbeben der Stärke 8,5 stehen, der große Teile der chilenischen Küste dem Erdboden gleichmachte.

Die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Störungen des Erdmagnetfeldes und der Erdbebentätigkeit ist bis heute ein stark beforschtes Gebiet geblieben. Könnte man die Abhängigkeiten klarer entschlüsseln, wäre eine sichere Erdbebenprognose greifbar nah.

Geologen arbeiten schon längst mit Apparaten, die minimale Störungen des Magnetfeldes aufzeichnen. Interessant ist, dass es im Vorfeld einer Magnetfeldstörung Beobachtungen im Längstwellenbereich (ELF) gibt, die eine Magnetfeldstörung ankündigen. Die Forschungen in diesem Bereich konzentrieren sich auf einen Frequenzbereich zwischen 4 und 10 Hertz. Hierin könnte eine Erklärung für die bekannte Beobachtung liegen, dass Wildtiere versuchen zu flüchten und Vogelgezwitscher plötzlich verstummt - etliche Sekunden vor dem Beginn eines Bebens. Bestimmte Tierarten sind wesentlich elektrosensibler als wir Menschen. Eine ausreichend starke elektromagnetische Störung in diesem Frequenzbereich könnte hingegen sehr wohl auch Menschen beeinflussen, denn unsere Hirnströme, die Delta- und Thetawellen, liegen eben genau in diesem Frequenzbereich. Militärische Nutzbarkeit offiziell ungeklärt.

Mit der Ionsophären-Forschungsstation HAARP in Alaska können durch die hohe bündelbare Sendeleistung kleine Regionen der Ionosphäre erhitzt werden. Eines der offiziell gepriesenen Militärprojekte, ist die Überwachung von Rüstungskontrollabkommen durch eine Art Erdtomografie. Dabei ist Ausgangspunkt für viele Anwendungen der Wunsch, in die chaotische Struktur der Ionosphäre etwas steuerbare Ordnung zu bringen. Durch Erhitzen der Ionosphäre könnten Elektronen als Antenne fungieren, die weitaus mehr Strahlungsleistung besitzt als die Antennen der HAARP-Anlage in Alaska. Unter bestimmten Umständen lässt sich beobachten, dass ein recht schwaches Sendesignal in exorbitanter Strahlungsstärke auf einer anderen als der Sendefrequenz zur Erde zurückgeworfen wird. Eine Welleninteraktion, ausgelöst durch nicht-lineare Charakteristiken der Ionosphäre.

HAARP-Anlage

Bei den Interaktionsresultaten sind besonders lange Wellen, im Bereich bis 10 Hertz, für die Wissenschaft von Interesse, denn sie können deutlich in die Erdoberfläche eindringen. Anstatt auf der Erde Antennen mit etlichen tausend Kilometern Strahlerlänge zu bauen, soll die Ionosphäre diese Funktion übernehmen. In diesem Zusammenhang ist der Einwand, mit einer Technik zu experimentieren deren Folgewirkungen noch nicht abschätzbar sind, auch ohne grüne Männchen und Verschwörungstheorien statthaft.

Im Bereich der zivilen Ionosphärenforschung werden Wechselwirkungen erforscht, die zahlreiche, als höchst unseriös geltende Veröffentlichungen über die technischen Möglichkeiten des HAARP-Projektes, zumindest über Indizien aus der Perry-Rhodan-Ecke, in den Bereich möglicher militärischer Interessen zurückholen.

In Verbindung mit HAARP ist regelmäßig von der Modulation des Elektrojets die Rede. HAARP steht für "High Altitude Auroral Research Project" und tatsächlich sind Polarlichter ein sichtbarer Beweis für das Zusammenspiel elektrisch geladener Teilchen von der Sonne mit dem irdischen Magnetfeld. Der äußere Bereich, die Magnetosphäre, hat Löcher am Nord- und Südpol, dort wo die magnetischen Feldlinien trichterförmig zusammenlaufen. Parallel zur Erdoberfläche fließt ein sehr großer elektrischer Strom, etwa in derselben Region wie dieser Lichtvorhang. Dieser Elektrojet hat einen Stromfluss von mehreren tausend Ampère. In der HAARP-Gerüchteküche brodelte darum stetig die Idee von einer Modulation dieses Elektrojets. Im Normalfall müsste von der Erde aus ein Loch in die Ionosphäre gebrannt werden, um mit einem zweiten Sender den Elektrojet im Near Space Enviroment der Magnetosphäre zu stimulieren. Die Folgen könnten in einer weltweiten Klimaveränderung liegen.

HAARP-Cam: This picture was taken: 5/31/2001; 11:11:07 Alaska Time. 5/31/2001; 19:11:07 UTC

Schon bei unseren ersten Recherchen zu HAARP beruhigte uns Professor Stubbe, ein deutscher Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft. Er arbeitete seinerzeit an der EISCAT-Anlage bei Tromso in Norwegen, einem Ionosphärenheizer ähnlich der HAARP-Anlage: "Solche Theorien sind ein ausgemachter Blödsinn!" Im Spiegel aktueller Arbeiten könnte man diese Aussage eher für eine Machbarkeitseinschätzung halten, denn die zivile Forschung versucht derzeit fieberhaft, Bezüge zwischen Ionosphäre und Klima herzustellen.

Erst 1993 wurde entdeckt, dass die Atmosphäre über Flüsse aus Wasserdampf verfügt. Damit wurde der Hauptmechanismus der weltweiten Wasserverteilung vom Äquator zu den Polen gefunden. Fünf solcher Flüsse befinden sich alleine auf der nördlichen Halbkugel. Können Anlagen wie HAARP vielleicht versehentlich einen ökologischen Super-GAU auslösen?

Es gibt sanftere Methoden, die Funktion der Ionosphäre für das ökologische Gleichgewicht zu erforschen. Zum Beispiel der deutsche Forschungssatellit Champ, der seit Juli 2000 seine Umlaufbahnen zieht. Er dient der Magnetfeldvermessung der Erde. In seiner Nebenfunktion soll er mit Radiowellen die Ionosphäre durchleuchten, um die Elektronendichte quasi zu kartografieren. Zusätzlich beobachten seine Instrumente den Auf- und Untergang von Navigationssatelliten und bestimmen dabei Temperatur und Wasserdampfprofile. Eine gefahrlose und doch effektive Grundlagenforschung.

Ob es Wechselwirkungen zwischen der Ionosphäre und den unteren Luftschichten gibt interessiert auch die Max-Planck-Gesellschaft für Aeronomie, Betreiber des Ionosphärenheizers im norwegischen Trömso: "Wenn", so glaubt Prof. Kristian Schlegel in einem Interview für das Planetopia-TV-Magazin, "dann sind diese sehr, sehr schwach und sehr langfristig, also im Bereich der normalen Klimaänderungen, also auf keinen Fall kurzfristig."

Die norwegische Anlage dient rein zivilen Forschungen. Zwar sind im Wesentlichen mit der im Vergleich zu HAARP kleineren Anlage ganz ähnliche Versuchsmöglichkeiten gegeben, aber Professor Kristian Schlegel erklärte, man hätte vor HAARP intensiv mit US-Wissenschaftlern zusammengearbeitet, doch die Anfragen des US-Militärs abschlägig beantwortet.

Werden Teslas Visionen mit HAARP Realität? Der HAARP-Erfinder Bernhard Eastlund zeigte sich kürzlich in einer US-Fernsehsendung gelassen: "Im jetzigen Ausbaustadium geht von der Anlage keine unmittelbare Bedrohung aus." Auch deutsche Wissenschaftler sind skeptisch und glauben, dass die Erwartungen der Militärs von HAARP nicht erfüllt werden können.

Eine Entwarnung auf Zeit.

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