Hightech-Feuermelder im All schlägt Alarm

DLR-Kleinsatellit BIRD fotografiert Waldbrände in Südeuropa

BIRD ist derzeit weltweit der einzige Satellit, der ganz gezielt Daten von irdischen Hoch-Temperatur-Ereignissen liefert. Der Auftrag des Hightech-Würfels besteht darin, Waldbrände und deren Ausdehnung und Flammentemperaturen vom Weltraum aus frühzeitig zu bestimmen. Aus diesen Daten können Temperatur, Ausdehnung und Strahlungsleistung abgeleitet werden. Derzeit visiert BIRD die verheerenden Waldbrände an, die in Portugal, Westspanien und Kroatien sowie im Westen Kanadas wüten. Wie dies "in natura" aus 572 Kilometer Höhe aussieht, vermittelt ein eindrucksvolles BIRD-Bild, das das DLR gestern veröffentlichte.

Satellit BIRD. Bild: DLR

1957 schwirrte Sputnik als erster künstlicher Trabant um die Erde und versetzte mit seinen piepsartigen Signalen die Welt, vor allem die USA, in helle Aufregung. Heute bestimmen derlei Töne im All den Alltag - zumindest in Erdnähe. Mittlerweile bevölkern Tausende von Satelliten den Orbit.

Nahezu im Sekundentakt flitzt irgendeiner von ihnen in großer Höhe über unsere Köpfe hinweg und sammelt zeitgleich immens viele Daten, die in Empfangsstationen rund um den Globus zu wissenschaftlichen, kommerziellen oder militärischen Zwecken ausgewertet werden. Seit dem 22. Oktober 2001, als der deutsche Kleinsatellit BIRD (Bispectral Infrared Detection) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) an Bord einer indischen Trägerrrakete vom Typ PSLV-C3 gemeinsam mit dem indischen Hauptsatelliten TES (Technology Experiment Satellite) und dem ESA-Satelliten PROBA (Project for On-Board Autonomy) ins All startete, gehört der bizarr aussehende kleine Hightech-Würfel zu der in der Erdumlaufbahn beheimateten internationalen Satelliten-Familie.

Mit einer Kantenlänge von rund 60 Zentimetern ist der nur 94 Kilogramm schwere und mit Elektronik vollgestopfte Kleinsatellit nur geringfügig größer und ein wenig schwerer als die "Sputnik" (83,6 Kilogramm), aber in jeder Hinsicht leistungsfähiger. Der knapp 15 Millionen Euro teure Satellit, der Feuer über die Strahlung im infraroten Wellenlängenbereich erkennt, ist der erste ins All geschickte Satellit, der extra für die Detektion und Untersuchung von Bränden konzipiert wurde. Zuvor setzten die Forscher zur Überwachung und Detektion von Waldbränden ausschließlich herkömmliche Wettersatelliten mit Infrarotkanälen ein, die Temperaturereignisse dieses Ausmaßes registrieren konnten: Entsprechend grob war auch die Auflösung. BIRD hingegen operiert mit einer vom DLR neu entwickelten Generation von Infrarotsensoren, die auf die Feuerfernerkundung zugeschnitten sowie für den Einsatz auf Kleinsatelliten geeignet sind und zuvor erfolgreich im Labor und auf Flugzeugen erprobt wurden.

So genannte Hoch-Temperatur-Ereignisse gibt es momentan dank des Superhochs "Michaela", das fast ganz Europa im Hitze-Griff hat, mehr als genug. Kein Wunder also, dass die auf die Feuerfernerkundung zugeschnittenen Infrarotsensoren von BIRD derzeit nur noch Augen für die verheerenden Waldbrände haben, die vor allem in Portugal, Westspanien und Kroatien sowie Teilen von West-Kanadas wüten.

BIRD-Aufnahme vom 4. August

Wie es um die Sehschärfe der elektronischen Argusaugen der Sonde bestellt ist, dokumentiert jetzt ein eindrucksvolles Bild, das das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) am Dienstag veröffentlichte und auf dem ein Fragment einer BIRD-Aufnahme zu sehen ist, die tags zuvor um 14:03 Uhr Ortszeit über Portugal und Westspanien am Mittellauf des Flusses Tejo gemacht und in Echtzeit an die DLR-Bodenstationen übertragen wurde. Auf dem BIRD-Infrarot-Foto, auf dem ein Gebiet von zirka 140 mal 190 Kilometer zu sehen ist, sind die Temperaturen der Feuerzonen vor dem schwarz-weißen Hintergrund farbkodiert dargestellt. Die Skala reicht von 200 Grad Celsius (blaugrün) bis 700 Grad Celsius (rot). Die größten Feuerzonen haben eine Ausdehnung von 3 mal 5 Kilometer.

Mithilfe solcher Infrarotbilder können die Forscher Rückschlüsse auf die Temperatur, Ausdehnung und Strahlungsleistung der jeweiligen Brandherde ziehen, dieselbigen schneller lokalisieren und die gesammelten Informationen flugs an die regionalen und lokalen Katastrophenmanager weiterleiten. Auf diese Weise lassen sich die verfügbaren Löschkräfte präziser zum Brandherd dirigieren und Evakuierungen schneller sowie gezielter in die Wege leiten.

Die vorliegende aktuelle DLR-Feuerkarte wurde am Montag zwei Stunden nach der Aufnahme vom DLR Berlin Adlershof zur spanischen ESA-Bodenstation Villafranca übertragen. Von dort sollte diese im Idealfall über weitere Stationen an die Feuerwehren vor Ort gelangt sein. Ab 2005 soll diese Prozedur im Rahmen des von der ESA und der EU geförderten Satelliten-Frühwarnsystems FUEGO (Feuer) um mindestens eine Stunde verkürzt werden. (Harald Zaun)

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