Hitparade der Lebensverbesserung

Wissenschaftler und Honoratioren haben 14 technologische Herausforderungen zusammengestellt, welche die Öffentlichkeit nun in eine Reihenfolge bringen soll

Die U.S. National Academy of Engineering (NAE) gab Ende letzter Woche die in ihrem Auftrag von einem achtzehnköpfigen Expertengremium zusammengestellten größten Fortschrittsherausforderungen für das 21. Jahrhundert bekannt. Das Gremium einigte sich auf 14 Technologien, welche die Lebensbedingungen der Menschheit verbessern würden.

Dem Komitee unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Verteidigungsministers William Perry und der Stanford-Professoren Michael und Barbara Berberian gehörten unter anderem Bernadine Healy, die ehemalige Direktorin der U.S. National Institutes of Health, der Zukunftsforscher Ray Kurzweil, der Biomediziner Robert Langer, der Stadtplaner Jamie Lerner, der Chemienobelpreisträger Mario Molina, der Klimaforscher Robert Socolow, der Genetiker Craig Venter und der Google-Mitbegründer Larry Page an.

Das Gremium traf sich seit 2006 mehrmals, um die Liste zu entwickeln und zu diskutieren. Über eine Website war ein Jahr lang auch eine Beteiligung anderer Wissenschaftler möglich. Anschließend erstellten sie den Bericht “Grand Challenges for Engineering” in dem sie jene 14 Herausforderungen auflisten, denen sie das größte Potential für die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen im 21. Jahrhundert zumessen.

Der Bericht wurde letzte Woche auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) vorgestellt. Die "Gewinner" untergliedern sich in die vier Bereiche "Nachhaltigkeit", "Gesundheit", "Sicherheit" und "Lebensfreude". Neben der Entwicklung wirtschaftlich rentabler Methoden der Energiegewinnung aus Sonnenlicht finden sich unter ihnen auch die Kernfusion, die Entwicklung von Kohlendioxidsequestrierungsmethoden, die Beherrschung des Stickstoffkreislaufs, der Zugang zu sauberem Wasser überall auf der Welt, die Verbesserung städtischer Infrastrukturen, Fortschritte in der Gesundheitsinformatik, bessere Medikamente, die Hirnforschung, die Verhinderung von Terroranschlägen mit Nuklearwaffen, die "Sicherung des Cyberspace", die Verbesserung der VR-Technologie, Fortschritte im personalisierten Lernen und die Entwicklung besserer Instrumente für wissenschaftliche Entdeckungen.

Vor allem die Herausforderung der "Sicherung des Cyberspace" zeigt, dass die Lösungen nicht in jeder denkbaren Umsetzung Vorteile für Bevölkerungsmehrheiten bringen müssen: Hier können technische Lösungen und ihre rechtlichen Unterfütterungen sehr unterschiedlich aussehen und ebenso unterschiedliche "Nebenwirkungen" haben – je nachdem, wie viel Kontrolle sie in diesem speziellen Fall in den Händen der Individualnutzer belassen und wie viel sie in die Hände von wirtschaftlichen und politischen Bürokratien legen.

William J. Perry gab zu Protokoll, dass man ausschließlich Herausforderungen gewählt habe, die realistischerweise noch in diesem Jahrhundert bewältigt werden könnten. Zur Festlegung einer Rangordnung habe man sich außer Stande gesehen, diese wolle man der Öffentlichkeit überlassen, welche nun auf der Website über sie abstimmen könne.

Der Bericht soll nach Angaben der NAE der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dienen und das Verständnis für die öffentliche Finanzierung von Forschung fördern. Diesem Zweck dient auch eine Aufstellung der 20 wichtigsten Errungenschaften des letzten Jahrhunderts, die Robert Socolow zufolge nur durch solche öffentliche Forschungsaufwendungen verwirklicht werden konnten. Zu ihnen gehören nach Ansicht des Gremiums die Stromversorgung, die Elektronik, der Rundfunk, das Telefon, der Computer, das Internet, die Herstellung von Bildern, das Automobil, die Autobahnen, das Flugzeug, die Raumfahrt, die Wasserversorgung, die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Kühl-, Haushalts-, Gesundheits-, Kohlenwasserstoff-, Laser- und Nukleartechnologie sowie die Entwicklung von Hochleistungsmaterialien. (Peter Mühlbauer)