Hochaufgelöste Satellitenbilder zu verkaufen

Nicht nur Militär und Geheimdienste können jetzt genaue Bilder von jedem Ort der Erde sehen

Der erste kommerzielle Satellit, der Bilder mit einer Auflösung bis zu einem Meter liefern kann, was bislang nur den Militärs vorbehalten war, wird symbolgerecht am 1. Januar 2000 für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Aber bereits gestern wurde das erste Foto von Space Imaging, die den Satelliten Ikonos betreiben, auf der Website veröffentlicht. Es zeigt einen Ausschnitt von Washington DC, auf dem sich durch Vergrößerung nicht nur Häuser und Straßen, darunter das Wirtschaftsministerium und ein Teil des Weißen Hauses, sondern auch Autos und Bäume sehen lassen. Die Kamera stammt von Eastman Kodak, dem Hauptlieferanten für militärische Spionagesatelliten.

ausschnitt aus dem ersten Bild von Space Imaging

Die Firma, ein Unternehmen der Lockheed Martin Corporation, erwartet sich ein großes Geschäft, denn bislang hat sie in das Unternehmen 750 Millionen Dollar investiert. Beteiligt an Space Imaging sind u.a. auch Mitsubishi und Hyundai. Das Unternehmen sieht einen lukrativen Markt für die Satellitenbilder, obgleich man davon ausgeht, dass das Pentagon einer der Hauptabnehmer sein wird. Behörden könnten sie zur Kartierung und Überwachung für die Stadtplanung, die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, den Verkehr oder in Notfällen benötigen. Versicherungen sind mögliche Kunden, Bauern können den Wuchs auf ihren Feldern kontrollieren oder Wissenschaftler ökologisch sensible Regionen beobachten: "Die Bedeutung dieser neuen Informationsquelle", hofft CEO John Copple, wird eine Nachfrage nach Bildern von der Erde schaffe, wie es sie noch niemals zuvor gegeben hat."

Nicht weiter verarbeitete Bilder sollen 30 Dollar für die Quadratmeile, hochaufgelöste Bilder 500 Dollar für die Quadratmeile kosten. Es ist zunächst vorgesehen, dass die Mindestsumme für eine Bestellung 1000 Dollar betragen soll. Nachdem der erste Versuch im April dieses Jahres gescheitert war, einen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen, konnte Space Imaging im September Ikonos erfolgreich auf eine mit der Sonne synchrone Umlaufbahn plazieren. 14 Mal pro Tag oder alle 98 Minuten umkreist der Satellit die Erde in einer Höhe von 680 Kilometern. 100 Bilder können abgespeichert werden. Kunden könnten innerhalb von Tagen oder gar Stunden ihre bestellten Bilder haben.

Copple suchte gegenüber BBC News Bedenken zu zerstreuen, dass damit die Privatsphäre weiter durchlöchert werden könnte: "Wir glauben nicht, dass dies eine Gefahr ist, weil unser Satellit nur einmal am Tag über einen Ort auf der Erde fliegt, so dass dies unregelmäßig ist. Es gibt in England, glaube ich, über 300000 Überwachungskameras, daher gibt es weit billigere Überwachungsmöglichkeiten." Die genaue Auflösung der Bilder von militärischen Spionagesatelliten ist nicht bekannt. Auch wenn diese höher sein sollte, so glaubt Copple nicht, dass eine höhere Auflösung als ein Meter kommerziell interessant sein werde. Space Imaging wird nicht nur Bilder von Ikonos verkaufen, sondern auch von anderen Satelliten.

Möglicherweise könnte sich Saddam Hussein auch für die Bilder des amerikanischen Satelliten interessieren. Erst am Sonntag meldete der Telegraph, dass der Irak von russischen Firmen 70 Satellitenbilder von der Golfregion gekauft habe. Überdies soll er mit russischen Firmen in Verhandlungen über ein Computersystem stehen, mit dem sich Raketen exakt auf Ziele lenken lassen, wofür genaue Satellitenbilder die Voraussetzung darstellen.

Spage Imaging Space hat bereits 1994 für Ikonos von der amerikanischen Regierung die Genehmigung erhalten, aber man wird davon ausgehen müssen, dass zumindest eine amerikanische Firma nicht alle Bilder von jedem Ort auf der Erde wird verkaufen dürfen. Amerikanische Satellitenbetreiber müssen ein Logfile aller Bilder machen, die aufgenommen wurden, und sie müssen die Kameras ausschalten, wenn dies für die nationale Sicherheit erforderlich zu sein scheint. Für Anbieter von Satellitenbildern in anderen Staaten gilt diese Vorschrift natürlich nicht. (Florian Rötzer)