Hochsicherheitsfestung Washington zur Amtseinführung von Trump

Für Aufregung sorgt ein CNN-Bericht über Notfallpläne, falls ein größerer Anschlag geschehen sollte

Schon bei Amtsantritt von Barrack Obama war die Angst vor Angriffen, Tumulten oder Anschlägen groß. Nach der Panikmache der letzten Monate und angesichts des gespaltenen Lands, ist die Sorge beim Amtsantritt von Donald Trump noch weitaus größer. Viele Amerikaner lehnen ihn ab, Trump selbst versucht nicht zu versöhnen, sondern hat bislang das Feuer noch geschürt und für einen aggressiven Ton gesorgt.

Kein Wunder also, wenn die Sicherheitsvorkehrungen in Washington heute extrem hoch sind. Die Washington Post sprach von einer "Festung aus Straßensperren, Zäunen und bewaffneter Polizei", in einer Stadt, in der um die 90 Prozent der Einwohner für Clinton gestimmt haben. In der Innenstadt werden 28.000 Sicherheitskräfte für Schutz sorgen. Es kommt viel zusammen. Bis zu einer Million Menschen werden zur Feier des Amtsbeginns von Trump erwartet (bei "Yes-We-Can"-Obama waren es 2009 allerdings 2 Millionen). Trumps Team hatte allerdings Schwierigkeiten, Künstler und Prominente zu finden, die bereit sind aufzutreten oder dabei zu sein. Auch sonst scheint die Freude geringer zu sein. Die Washington Post, die eine Anti-Trump-Kampagne gefahren hat, schreibt, es werde die kleinste Party in Washington seit Jahren werden.

Obgleich die große Gegendemonstration erst am Samstag stattfindet, sind in Washington mehr als 60 Veranstaltungen für und gegen Trump geplant, wo mit Störungen der Feierlichkeiten und der Parade durch Protestierende gerechnet werden muss. So hat DisruptJ20 Blockaden, Widerstandsmärsche und andere Proteste angekündigt.

Die Polizei soll sich schon lange auf alles vorbereitet haben, ein Team des Secret Service überwacht vorbeugend die Sozialen Medien. Auf den Dächern werden Scharfschützen lauern, Boote werden auf den Flüssen nicht mehr fahren dürfen, Brücken, Straßen und U-Bahnen werden gesperrt, Parkverbotszonen eingerichtet und alles, worin man eventuell Sprengsätze verstecken kann, wurde verschlossen oder entfernt. Wer den Hochsicherheitsevent besuchen will, muss durch Absperrungen mit Metalldetekoren, die Taschen werden untersucht. Verboten sind neben Schusswaffen, die ja eigentlich für die rechten Amerikaner ein Grundrecht darstellen, und größeren Taschen auch Luftballons oder Halter für Schilder und auch Selfie-Stöcke. Das könnte manchen der Narzissten, die ständig "Ich mit …" aufnehmen müssen, schwer treffen.

Man sei auf alle Formen terroristischer Anschläge vorbereitet. Eingeschlossen Fahrzeuge, die in Waffen verwandelt werden, wie das in Nizza, Israel und Berlin der Fall war. Barrikaden und mit Zement beladene Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge sollen Zufahrten abschließen. Gleichwohl gilt die kurze Strecke zwischen dem Kapitol, wo Trump seinen Amtseid ablegt, zum Weißen Haus, wo die Parade endet, als der "Zwei-Meilen-Albtraum". Hier wird langsam gefahren oder auch ausgestiegen und Hände geschüttelt, man tut so, als würde man in der Menge baden, während der neue Präsident auch in der angeblichen amerikanischen Musterdemokratie sich nur in einer Sicherheitsglocke bewegen kann.

Screenshot aus dem CNN-Video

Neben Fahrzeugen kommen aber auch Drohnen als neue Angriffs- oder Anschlagsmittel in Betracht. Gegen diese kann man die gesamte Strecke kaum schützen. Ein Albtraum für die Verantwortlichen dürfte auch das Ablegen des Amtseids sein. Da versammeln sich der alte und der neue Präsident, frühere Präsidenten, Minister, hohe Regierungs- und Kongressmitglieder auf kleiner Fläche, ein Anschlag hätte verheerende Folgen. Noch-Heimatschutzminister Jeh Johnson sagte, die Bedrohungen hätten sich seit der letzten Amtseinführung von Obama 2013 verändert: "Wir müssen mit inländischem gewalttätigen Extremismus und Akten der Selbstradikalisierung rechnen." Zwar ist das Fliegenlassen von Drohnen verboten, aber wie man verhindern könnte, dass dennoch eine mit Sprengstoff beladene Drohne aufkreuzt, wollte der Minister nicht konkret beantworten. Man habe sich auch darauf vorbereitet, sagte er: "Es ist Technik vorhanden, um damit umzugehen."

Screenshot: Drudgereport.com vom 19.1.2017

Für Aufregung sorgt ein CNN-Bericht über "Doomsday-Plans" unter dem Titel "Disaster could put Obama Cabinett Member in Oval Office" in rechten Kreisen wie auf Breitbart.com oder Infowars.com, worauf Drudgereport.com mit einem entsprechenden Bild verlinkte. Dort ging es um die Frage, was geschehen würde, wenn der Präsident und sein Vizepräsident einem Anschlag zum Opfer fallen würden.

Der CNN-Reporter berichtete, dass zu nächst der Sprecher des Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordnete Paul Ryan, oder der Sprecher des Senats an der Reihe wären, dann kämen der der amtierende Außenminister, also John Kerry, an die Reihe, der aber wohl dann schon offiziell zurückgetreten sei, und in der Folge Staatssekretäre. Ein Ersatzkandidat würde sicherheitshalber nicht an der Amtseinführung teilnehmen. Da das Kabinett von Trump noch nicht im Amt sei, würde dies ein Regierungsmitglied sein, das Obama ernannt hat, aber kein Minister ist. CNN spricht vom Staatssekretär Tom Shannon. Das Potential für Chaos sei jedenfalls hoch.

Nach der Analyse von CNN, so Breitbart.com, würden im schlimmsten Fall die meisten Menschen, die das Amt übernehmen, "die Obama-Regierung zumindest indirekt an der Macht halten". Infowars findet den Bericht als unverantwortlich angesichts der vielen Bedrohungen von Trump und zitiert Kommentare, die den Sender beschuldigen, damit zu Gewalt aufzurufen. (Florian Rötzer)

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