Hölle Venus?

Fehlfarben-Bild der Venusoberfläche mit dem Vulkan "Idunn Mons". Bild: ESA

War die Venus einmal bewohnbar?

Die Daten von ESAs „Venus Express“ helfen Planetenforschern dabei herauszufinden, ob auf der Venus einmal Ozeane gewesen sein könnten. Wenn dem so wäre, hätten die Anfänge des Planeten ganz ähnlich zu denen der Erde verlaufen können.

Heutzutage sind Erde und Venus sehr unterschiedlich. Während die Erde mit Vegetation und Leben bedeckt ist, ließe sich die Venus bestenfalls als Hölle bezeichnen: Auf ihrer Oberfläche herrschen Temperaturen wie in einem Backofen. Ihre Atmosphäre besteht im Wesentlichen aus Kohlendioxid und sie ist von einer dichten Wolkendecke aus Schwefelsäure umgeben.

Aber dennoch besitzen Erde und Venus einige Gemeinsamkeiten. Sie sind beinahe gleich groß und – wie durch ESAs "Venus Express" nun herausgefunden wurde –: „Die grundsätzliche Zusammensetzung von Venus und Erde ist ziemlich ähnlich“, so Hakan Svedhem, ein Wissenschaftler des „Venus Express“-Projektes der ESA. Auf einer Konferenz in Aussois (Frankreich) diskutiert er in dieser Woche mit internationalen Wissenschaftlern die planetarischen Eigenschaften unseres Nachbarplaneten.

Venus Express. Bild: ESA

Bei allen Ähnlichkeiten ist ein weiterer Unterschied ist allerdings markant: Auf der Venus gibt es so gut wie kein Wasser, während die Erde zum Großteil damit bedeckt ist. Ein Vergleich verdeutlicht die Unterschiede: Wäre die Erde komplett mit ihrem Wasser bedeckt, so wäre dies immerhin noch 3 km tief. Würde das Wasser aus der Venus-Atmosphäre hingegen kondensieren, so wäre die Oberfläche des Planeten damit allenfalls 3 cm dick bedeckt.

Vor einer Milliarde Jahre könnte das allerdings ganz anders ausgesehen haben, wie „Venus Express“ herausgefunden hat. Die Venus besaß große Mengen Wasser, die sie aber wahrscheinlich an den Weltraum verloren hat. Dies geschah aufgrund der ultravioletten Strahlung der Sonne, die die Wassermoleküle in der Venus-Atmosphäre in ihre Ionen aufgespalten hat, welche sich dann in den Weltraum verflüchtigt haben.

Screenshot einer ESA-Animation der Venus-Oberfläche

„Venus Express“ hat die Menge des derzeitigen Verlustes berechnet und ermittelt, dass doppelt so viele Wasserstoff wie Sauerstoff von der Venus an den Weltraum abgegeben werden. Aufgrund dieses Mengenverhältnisses kann davon ausgegangen werden, dass die freigesetzten Ionen von der Wasserspaltung stammen. Es hat sich ebenso gezeigt, dass ein Wasserstoff-Isotop (Deuterium) in oberen Regionen der Venus-Atmosphäre auffällig häufig vorkommt. Hintergrund könnte sein, dass das schwerere Deuterium weniger leicht der Anziehungskraft des Planeten entrissen werden kann.

Auch im Science Fiction: Kein Wasser auf der Venus, dafür aber ölige Sümpfe, in denen Astronauten versinken, und fleischfressende Pflanzen.

„Alles deutet darauf hin, dass es in der Vergangenheit große Mengen Wasser auf der Venus gegeben hat“, sagt Collin Wilson von der Oxford University (UK). Das bedeutet aber keineswegs, dass es dort Ozeane wie auf der Erde gegeben haben muss. Eric Chassefiere, von der Universite Paris-Sud (Frankreich) hat ein Computer-Modell entwickelt, nach dem das Wasser größtenteils in der Atmosphäre vorhanden war - in der Frühgeschichte des Planeten, als seine Oberfläche noch geschmolzen war. Als die Wassermoleküle dann durch das ultraviolette Licht aufgebrochen und als Inonen an den Weltraum abgegeben wurden, hat sich der Planet so weit abgekühlt, dass seine Oberfläche fest wurde. Daher: Keine Ozeane.

Um die Vielzahl offener Fragen zu klären, „müssen viel mehr aufwendige Modelle dieses Magma/Ozean/Atmosphäre-Systems und seiner Evolution erstellt werden“, gibt Chassifiere zu bedenken, „um die Evolution der jungen Venus verstehen zu können.“ Zur Erstellung solcher Modelle könnten sich die Daten, die „Venus Express“ liefert, als sehr wertvoll erweisen. (Stefan Höltgen)

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