Hohe Radioaktivität in der Asse

Die Strahlung von radioaktivem Cäsium hat sich auf 240.000 Becquerel fast verdreifacht, in Gorleben sind Endlagerungsgegner erst einmal gescheitert

Dass Deutschland in der Asse den schleichenden Super-Gau in der Endlagerfrage im sogenannten "Versuchsendlager" für mittel und schwachradioaktiven Atommülle erlebt, ist nicht mehr neu (Supergau der Endlagerfrage). Die schlimmsten Befürchtungen werden ständig übertroffen. Inzwischen sind die unglaublichen Zustände in dem absaufenden und einstürzenden Lager zwar einigermaßen bekannt, doch wie in Fukushima ist weitgehend unbekannt, was noch an Folgen blüht.

Denn es wird immer deutlicher, dass immer mehr Strahlung aus dem radioaktiven Müll freigesetzt wird, der in dem maroden Salzstock verklappt wurde. Das Bundesamt für Strahlenschutz teilte nun mit, dass bei Proben der höchste Wert von Cäsium 137 (Halbwertszeit 30 Jahre) nachgewiesen wurde. In einem Bohrloch in 750 Metern Tiefe wurden im eindringenden Wasser vor einer Einlagerungskammer eine Strahlung von 240.000 Becquerel pro Liter gemessen. Damit liegt der Wert nun 24 Mal höher als die Freigrenze. Noch vor drei Jahren wurden ganz in der Nähe, ebenfalls in 750 Metern Tiefe, noch 90.000 Becquerel gemessen.

Das hatte 2008 den Skandal ausgelöst und dazu geführt, dass das Helmholtz-Zentrum, welches das Lager nach dem Bergrecht betrieb, die Verantwortung an das Bundesamt für Strahlenschutz abgab. In der Folge wurde aber das Atomgesetz geändert und die Kosten für die immer schwieriger werdende Sanierung des Salzstocks dem Bund und damit den Steuerzahlern aufgebürdet. Die Kosten werden bisher auf mindestens 3,7 Milliarden Euro geschätzt. Angesichts der Tatsache, dass immer klarer wird, dass schwer bei der Einlagerung geschummelt wurde, wird einem angesichts der stark ansteigenden Strahlung immer mulmiger.

Schließlich ist ja auch bekannt, dass hochradioaktiver Abfall aus Atomkraftwerken in der Asse versenkt wurde. Die Atomkraftwerksbetreiber haben Atommüll über das Atomforschungszentrum Karlsruhe umgeleitet und es wurde sogar hochgiftiges Plutonium (Halbwertszeit 24.000 Jahre) in der Asse vergraben. Ging man ursprünglich von 9 Kilogramm aus, wurden derweil 28,1 Kg Plutonium bestätigt.

Angesichts der Katastrophe in der Asse sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Arbeiten im Salzstock Gorleben gestoppt werden. Doch weit gefehlt. Obwohl seit langem bekannt ist, dass schwerwiegende Zweifel an der Eignung von Gorleben auf politischen Druck von der CDU-Regierung in den 1980er Jahren aus dem Gutachten gestrichen wurden, setzt die schwarz-gelbe Schlingerkursregierung weiter auf Gorleben. Während der Super-Gau im fernen Fukushima zu einem Moratorium führte, bleiben CDU, CSU und FDP angesichts des sich abzeichnenden Desasters vor der Haustür stumm.

Am Donnerstag ist nun der erste Anlauf der Endlager-Gegner gescheitert, den weiteren Ausbau des sogenannten Erkundungsbergwerks im Salzstock Gorleben zu stoppen. Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat im Eilverfahren entschieden, die Rechte der Antragsteller, insbesondere deren Salzrechte, seien durch die geplanten Maßnahmen untertage noch nicht berührt (VG Lüneburg Az: 2 B 12/11 und 2 B 13/11 vom 14. April 2011). Auch hier wird, wie in der Asse, wieder einmal das Bergrecht bemüht. Klagen können nur Personen, deren Salzrechte durch das Projekt berührt werden.

Der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) bedauert die Entscheidung. "Das Verwaltungsgericht bewegt sich in dem politisch vorgegebenen Zirkelschluss, dass die Erkundung noch nicht Ausbau zu einem Endlager bedeute", kritisiert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Das Gericht hat aber ausdrücklich betont, dass man sich für die Entscheidung "weder mit der Frage, welche Voraussetzungen an ein atomares Endlager zu stellen sind, noch ob der Salzstock Gorleben hierfür geeignet ist", beschäftigt hat. Ein Endlager könne nur in einem nach dem "Atomgesetz durchzuführenden Planfeststellungsverfahren zugelassen werden, falls sich der Salzstock bei der Erkundung als geeignet erweisen sollte". Die BI betont, dass damit der Ball an die Regierung zurückgespielt worden sei. "Es ist jetzt erst recht an Norbert Röttgen, die Fixierung auf Gorleben und das undemokratische Vorgehen, das Verwehren von Einspruchs- und Klagerechten, zu beenden." Die Gorleben-Gegner haben schon eine Beschwerde gegen die Entscheidung beim Oberverwaltungsgericht angekündigt.

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