Homeschooling: Unterricht per Videokonferenz nach Stundenplan ist selten

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Neue Studie offenbart große Mängel. Professorin empfiehlt, Distanzunterricht während der Pandemie nur als "Ultima Ratio" zu betrachten

Die "Lehre auf Distanz" prägt den Alltag von vielen Schülern und Eltern - auch nach einem Jahr mit der Corona-Pandemie, und für viele bedeutet das vor allem: Stress. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von dem Team um Ricarda Steinmayr, Professorin an der Technischen Universität Dortmund. Bereits nach dem ersten "Schul-Lockdown" hatte sie untersucht, wie der Distanzunterricht umgesetzt wurde. Damals kam sie zu dem Ergebnis: "Qualität von Homeschooling ist oft 'Glückssache'". Die aktuelle Studie bestätigte das Resultat aufs Neue.

Auch im zweiten "Schul-Lockdown" ist es nicht gelungen, den Unterricht für die Schüler vergleichbar zu gestalten, weder von der Qualität noch von der Häufigkeit her. In manchen Schulen werde noch kein Unterricht per Videokonferenz durchgeführt, andere Schulen böten dagegen schon Unterricht nach Stundenplan über Lernplattformen an. Deshalb warnt Steinmayr: Es sei zu befürchten, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Schülern zunehmen, wie es sich in anderen europäischen Ländern auch zeige. Deshalb sei es dringend an der Zeit, "alle Möglichkeiten für den Präsenzunterricht während der Pandemie auszuschöpfen und Distanzunterricht lediglich als Ultima Ratio zu betrachten".

Häusliche Voraussetzungen: Ergebnis "sozial positiv verzerrt"

Für die Studie wurden bundesweit 3.480 Eltern dazu befragt, wie sie das Distanzlernen ihrer Kinder während des zweiten Lockdowns erlebten. Die Umfrage fand im Zeitraum vom 3. Februar bis zum 26. März 2021 statt. Wie das Ergebnis der ersten Studie gilt auch das der zweiten als "sozial positiv verzerrt". Das liegt unter anderem daran, dass vor allem Eltern mit einem höheren Bildungsabschluss an der Umfrage teilnahmen; fast drei Viertel aller Befragten gab an, über Abitur zu verfügen. Als weiteren Hinweis auf eine verzerrte Stichprobe werteten die Forscher, dass vor allem Familien auf die Fragen antworteten, die ihren Kindern die notwendigen Voraussetzungen bieten konnten, die der Distanzunterricht erfordert: ein eigenes Kinderzimmer, ein verfügbarer Computer und ein Internetanschluss.

Auch wenn zumindest im Haushalt der Eltern die Voraussetzungen gegeben waren, beschränkte sich der Unterricht meist darauf, Arbeitsblätter und Aufgaben zu übermitteln - obwohl die meisten Schulen Internetplattformen für den Distanzunterricht nutzen. "Zwischen 41,5 und 68,2 Prozent der Eltern gaben an, dass in den beurteilten Fächern noch gar kein Unterricht per Videokonferenz stattgefunden hatte", heißt es in der Studie.

Und wird Unterricht vor der Webcam abgehalten, dann ist das Angebot oft nur sehr dürftig. Für ein Viertel der Schüler an weiterführenden Schulen wurde berichtet, in den Fächern Deutsch und Mathematik lediglich einmal pro Woche Online-Unterricht zu haben.

Für nur fünf Prozent der Grundschüler und etwa ein Viertel der Schüler an weiterführenden Schulen wurde angegeben, sie hätten Unterricht per Videokonferenz und dem Stundenplan entsprechend. Und dort, wo die Schüler nur mit Aufgabenblättern beschäftigt waren, haperte es immer noch mit der Kommunikation zwischen Lehrern und Kindern. An den Grundschulen erhielten bis zu 47 Prozent der Kinder keine Rückmeldung auf abgegebene Hausaufgaben, an den weiterführenden Schulen waren es 36,7 Prozent.

Bei vielen Schülern wirke sich dieser Zustand auf die Motivation zum Lernen negativ aus. Den gegenteiligen Effekt konnten die Forscher dort beobachten, wo Lehrer stärker mit den Kindern in Verbindung sind, sei es in Form von Rückmeldungen oder in Form von Videokonferenzen. Und wo sich Lehrer mehr um die Kinder bemühen, sind die Eltern weniger gestresst. In der Studie heißt es: »Je häufiger die Lehrkräfte in den verschiedenen Fächern Lösungen zuschicken, Feedback gaben, Unterricht per Videokonferenz anboten und Kontakt zu den Schülern hatten, desto geringer war das Stresserleben der Eltern aufgrund der häuslichen Beschulung«. (Bernd Müller) (Bernd Müller)