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Homo Deus: Gehirn-Upload, Unsterblichkeit, Künstliche Intelligenz

Was ist dran an den Versprechen - oder Horrorszenarien - des Transhumanismus?

Auf Vorschlag eines Kollegen aus der Anatomie will ich ein paar Gedanken über den Transhumanismus zur Diskussion stellen. Dieser Kollege hatte gerade das neue Buch des israelischen Geschichtsprofessors Yuval Noah Harari gelesen: "Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen". Dieses erschien bereits 2015 auf Hebräisch, ist inzwischen in acht Sprachen übersetzt und in Deutschland gerade ein Bestseller.

Von Trans-, Post- und Über- und Gottmenschen

Eine These ist, laut besagtem Anatomen, dass es Intelligenz ohne Bewusstsein geben könne. Auf der Wikipediaseite zum Buch [1] finden sich (unter anderem) die weiteren Thesen, beim Humanismus handle es sich um eine Religion, die die Menschen im 21. Jahrhundert dazu motivieren solle, nach Unsterblichkeit, Glück und Macht zu streben. Nun stehe uns mit neuen Technologien eine Ablösung der Menschheit durch einen Übermenschen - oder eben den Homo Deus, den Gottmenschen - mit übernatürlichen Fähigkeiten wie der Unsterblichkeit bevor.

Es geht also um Ideen, die seit Längerem unter den Stichwörtern Transhumanismus oder Posthumanismus diskutiert werden. Ersteres ist das, was den Menschen, so wie er jetzt ist, übersteigt (lat. trans = hinüber); Letzteres das, was nach dem Menschen kommt (lat. post = danach). Solche Vorstellungen, griechisch als hyperanthropos oder lateinisch als homo superior, durchziehen die westliche Ideengeschichte. Am bekanntesten ist wahrscheinlich Nietzsches Übermensch aus seinem Buch "Also sprach Zarathustra", mit dem der Philosoph möglicherweise eine eigene Religion gründen wollte.

Philosophie trifft Technologie

Nun haben wir es, wenig überraschend, mit Visionen neuer Technologien zu tun. Dabei kann man an den Informatiker und Futurologen Ray Kurzweil denken, demzufolge die baldige Zukunft so anders sein wird, dass wir sie uns vom heutigen Standpunkt aus nicht einmal vorstellen können. An der Universität Oxford sind Transhumanisten in der Form des Future of Humanity Institute [2] auch akademisch verkörpert. Zu dem Hinüber-, Danach- und Übermenschen kommt nun also Hararis Gottmensch.

Dabei lässt sich die These, dass es Intelligenz ohne Bewusstsein geben könne, am einfachsten beantworten: Abgesehen von der Frage, was "Intelligenz" eigentlich ist, leben die meisten von uns inzwischen im Alltag mit solchen Intelligenzen. Sollte man einen Schach- oder Gocomputer, der die Großmeister besiegt, etwa nicht als intelligent bezeichnen? Oder Routenplaner, die in Sekundenschnelle den besten Weg für alle Verkehrsmittel berechnen? Spamfilter? Algorithmen für Themen- und Freundschaftsvorschläge auf Facebook?

Künstliche Intelligenz

Was sollte Intelligenz bedeuten, wenn diese Systeme und viele andere alle nicht intelligent wären? Die heutige allgemeine Bedeutung ist (laut Duden): die Fähigkeit, abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten. Das wirft wiederum die Fragen auf, was "vernünftig" ist und was "Denken"; Fragen die ganze Regalmeter füllen.

Lateinisch intellegere ist das Verstehen, das wiederum aus inter und legere zusammengesetzt ist, also aus dem Wählen zwischen (man ergänze: verschiedenen Alternativen). Die genannten Systeme sind dazu in der Lage, zwischen Alternativen zu wählen, und sie tun dies sogar sinnvoll, zum Teil sinnvoller und effizienter als Menschen. In diesem Sinne sind sie intelligent.

Vielleicht zielte die These des Kollegen aus der Anatomie eher auf die Frage, ob es menschliche Intelligenz ohne Bewusstsein geben könne. Meine spontane Gegenfrage: Wozu, wenn doch die künstliche Intelligenz so gut funktioniert?

Gehirn-Upload zur Unsterblichkeit

Damit kommen wir zu dem von manchen Transhumanisten in Aussicht gestellten Gehirn-Upload. Könnten wir so unsterblich werden, indem wir die natürlichen Grenzen unserer biologischen Körper verlassen und uns in verteilte Datenspeicher, in die Cloud speisen lassen?

Ja und nein. Bei näherer Betrachtung ergibt sich meiner Meinung nach eine große Ernüchterung: Wir können auf unendliche Weise, sogar schon heute, Strukturen unserer Körper digitalisieren und abspeichern. Ein Digitalfoto einer billigen Kamera reicht dafür schon. Was haben wir davon? Die Idee der Transhumanisten zielt natürlich nicht auf Strukturen unserer äußeren Erscheinung, sondern unseres Nervensystems.

Wundersame Welt des Gehirns

Allein das Gehirn eines Erwachsenen zählt in etwa 86 Milliarden Nervenzellen. Dazu kommen Billionen Synapsen mit ihren Verbindungen und viele andere Zellen und Stoffe, über die wir heute noch gar nicht so viel wissen. Heutige Scantechnologien, denken wir etwa an die funktionelle Magnetresonanztomographie, reduzieren diese Vielfalt im Sekundentakt auf einige Zehn- bis Hunderttausend Datenpunkte, die sich als Grauwerte darstellen und statistisch auswerten lassen.

Das wird für einen Gehirn-Upload sicher nicht reichen. Ein technologischer Durchbruch, mit dem wir, jedenfalls am lebenden Menschen, in neue Dimensionen vordringen könnten, ist nicht in Sicht.

Molekulare Simulation

Stellen wir uns aber vor, man könnte ein Nervensystem Molekül für Molekül scannen und digitalisieren. Dann hätte man eine Blaupause im Computer. Das ist tatsächlich das öffentlichkeitswirksame Ziel des Human Brain Project [3], nämlich die Simulation eines ganzen Gehirns auf molekularer Ebene auf einem Supercomputer im Forschungszentrum Jülich.

Ich wette, dass dies nicht gelingen wird, jedenfalls nicht bis 2023, wenn das für zehn Jahre ausgelegte Milliardenprojekt ausläuft. Nicht, dass ich den Kolleginnen und Kollegen den Erfolg nicht gönne, aber ich halte es einfach für technologisch (noch) nicht möglich.

Das Ding und sein Modell

Wahrscheinlich wird man mit irgendeiner Simulation kommen, die bestimmte Strukturen eines Gehirns implementiert, und dies öffentlich als Gehirnsimulation darstellen. Ähnlich verlief das auch mit dem Blue Brain Project Henry Markrams, der ebenfalls Direktor des Human Brain Project ist. Die Wissenschaftspolitiker, die die öffentlichen Gelder bereitgestellt haben, werden Beifall spenden. Sonst müssten sie ja einräumen, dass Sie sich an der Nase herumführen ließen.

Was uns so eine Simulation wissenschaftlich bringen wird, ist eine ganz andere Frage. Ist sie so komplex, wie das echte Gehirn, und das ist ja das Ziel der molekularen Simulation, dann wird sie auch nicht einfacher zu verstehen sein; ist sie von reduzierter Komplexität, dann wird sie eben auch nur ein reduziertes Verständnis ermöglichen. Man denke an das berühmte Zitat des Mathematikers und Kybernetikers Norbert Wiener: "The best material model of a cat is another, or preferably the same, cat."

Aber zurück zum Transhumanismus: Stellen wir uns vor, so ein Gehirn-Upload gelänge eines Tages. Es gäbe also nicht nur Sie, sondern auch eine vollständige Computerrepräsentation von Ihnen im Computer, inklusive aller funktionalen Eigenschaften. Das heißt, sie würde auch irgendetwas "tun" und nicht nur als Nullen und Einsen im Computer abgelegt sein.

Dieses Ding wäre potenziell unsterblich, wenn man garantieren könnte, dass seine physikalische Realisierung (also unter anderem Speicher- und Prozessorarchitektur) unbegrenzt fortbesteht. (Für eine ähnliche und schließlich transzendentere Vision, die ohne materielle Grundlage auskommt, siehe den Science-Fiction-Roman "Diaspora" von Greg Egan.)

Wohin mit dem Körper-Ich?

Der springende Punkt ist aber, dass Sie in Ihrem Körper dadurch in keiner Weise verändert sein würden. Es gäbe jetzt Sie und ein Computer-Sie. Ihre biologische Variante würde weiterhin dem natürlichen Zerfall unterliegen und irgendwann sterben; ihre Computerversion würde - unter den genannten Bedingungen - prinzipiell unendlich laufen.

Davon hätten Sie aber nichts, abgesehen davon, dass es vielleicht Ihr Ego tröstet, dass ein Abbild von Ihnen fortbesteht. Überzeugte Jünger des Gehirn-Uploads würden dieses Dilemma vielleicht dadurch lösen, dass sie ihren Körper nach dem erfolgreichen Scan zerstören, nach allgemeinen Vorstellungen also Suizid begehen. Die Entscheidung darüber sollte aber jedem selbst überlassen bleiben.

So stellten sich Künstler und andere Genies vergangener Jahrhunderte Unsterblichkeit vor: durch Erlangen zeitlosen Ruhmes. Ein Beispiel hierfür ist Baltasar Graciáns "Criticón", einer der ersten großen Romane der Neuzeit. In ihm erreichen die beiden Protagonisten, der vernünftige Kritiker und der fehlerhafte Mensch, schließlich die Insel der Unsterblichen. Gracián ist es in diesem Sinne bis heute gelungen, unsterblich zu sein.

Ich halte diese Unsterblichkeit und damit den Gehirn-Upload aber für Augenwischerei eines Egos, das sich nicht mit seiner eigenen Begrenztheit und Endlichkeit abfinden kann. Damit ist aber nicht gesagt, dass Ruhm und/oder das Schöpfen von Kulturgütern kein sinnvolles Ziel eines Menschenlebens sein können; so oder so wird das biologische Substrat, unser Körper, aber zerfallen und werden wir alle, auch die Transhumanisten, eines Tages sterben.

Cyborgs und künstliches Bewusstsein

Ein Zwischenweg könnte allenfalls eine Symbiose aus Biologie und Technologie sein, also ein echter Cyborg. Gedankenexperimente, bei denen Zelle für Zelle durch eine funktional gleichwertige Siliziumstruktur ersetzt wird, wurden von Philosophinnen und Philosophen bereits vor Jahrzehnten diskutiert (man denke etwa an David Chalmers).

In diesem Fall würde es jedenfalls prinzipiell keinen Unterschied im Verhalten zwischen Ihnen und Ihrem Cyborg geben. Was das für Ihr Bewusstsein bedeutet, ist eine schwierigere Frage, die auch davon abhängt, was wir unter "Bewusstsein" verstehen (man denke wiederum an Chalmers und seine berühmten Zombies oder Thomas Metzingers Gedanken über künstliches Bewusstsein).

Nano-, Informations- und Biotechnologie

Inwiefern es sich bei dem Cyborg-Szenario um eine realistische Zukunftsvision handelt, hängt von den zukünftigen Möglichkeiten der Nano- und Informationstechnologie ab. Damit ist freilich noch nichts darüber gesagt, wie vielen Menschen der Übergang in ein Cyborgbestehen offen stehen wird; und ob es sich dann nicht eher um ein Kollektiv halten wird wie bei den Borg von "Raumschiff Enterprise".

In diesem Szenario sehe ich aber die einzige Variante für echte Unsterblichkeit; ohne Cyborgs könnte man allenfalls noch an biomedizinische Verjüngungskuren denken, die etwa in mehreren von Robert A. Heinleins Science-Fiction-Romanen eine Rolle spielen. Aber auch dann bleibt offen, wer davon profitieren kann. Darauf werde ich am Ende noch zurückkommen.

Heute: Enhancement und Gehirndoping

Damit bleibt nur noch die letzte These: Wird es den Über- oder Gottmenschen geben? Und wenn ja, wie wird so eine Gesellschaft dann aussehen?

Sind diejenigen, die heute schon Psychopharmaka oder andere Drogen konsumieren, Transhumanisten? In Medien, Wissenschaft und Philosophie wird deren Verhalten wahlweise als "Enhancement" oder "Gehirndoping" beschrieben (Eine Million dopt regelmäßig am Arbeitsplatz [4]).

Geschieht dies zum besseren Funktionieren am Arbeitsmarkt, dann sind diese Konsumenten in meinen Augen eher Präteritummenschen, also Menschen der vergangenen Zeit (von lat. praeteritum = vorübergegangene Zeit, Vergangenheit), wie bei der Amphetamin-Epidemie der 1940er bis 1960er Jahre oder den Frühzeiten der Industrialisierung: Die Körper passen sich an die Regeln der Zeit an (Buchtipps hierzu: Norman Ohlers "Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich" sowie Nicolas Rasmussens "On Speed: The Many Lives of Amphetamine").

Geht es hierbei um Bewusstseinserweiterung und "Psychonautik", dann kann ich das eher als Transhumanismus begreifen, also das Übersteigen des heutigen Menschen; jedenfalls dann, wenn es nicht bloß um Spaß an der Freude geht, sondern um wirklich neues schöpferisches Tun. Streng genommen ist aber auch dies wiederum nicht neu, haben Naturvölker doch schon vor Urzeiten Psychedelika gebraucht und tun dies bis heute, sofern sie nicht durch unsere "aufgeklärten" Vorfahren ausgerottet wurden.

Die Gesellschaftsordnung entscheidet

Die Frage, wie so eine Zukunft aussehen wird, entscheidet sich für mich weniger an den technologischen Möglichkeiten als an der Gesellschaftsordnung - und dabei vor allem den Herrschafts- und Besitzverhältnissen. Dafür brauchen wir kritische Geistes- und Sozialwissenschaften, einschließlich Rechtswissenschaft und Ökonomik beziehungsweise Volkswirtschaftslehre, die manche Technophilen ja am liebsten als nutzlos abschaffen wollen (schlagkräfte Gegenargumente finden sich in Nuccio Ordines "Von der Nützlichkeit des Unnützen").

Anders formuliert: Schauen wir uns die heutige Gesellschaftsordnung an und die Rolle der Technologie in ihr - und extrapolieren wir dieses Bild in die Zukunft. Gehen wir also nach dem Induktionsverfahren vor, mit allen seinen Fallstricken (man denke an Karl Popper). Ja, wer sagt mir, dass nach einer Million Sonnenaufgängen auch beim Ein-Million-und-ersten-Mal die Sonne aufgehen wird? Niemand. Und doch wird die Sonne höchstwahrscheinlich morgen wieder aufgehen.

Wer besitzt unsere Daten?

Den Besitz an Daten haben heute Großunternehmen, viele davon US-amerikanisch, man denke an Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft. Gesetze zum Schutze "geistigen Eigentums" oder von Patenten gelten beinahe weltweit; wo sie noch nicht gelten, werden sie unter anderem über die Regeln der Welthandelsorganisation eingeführt: keine Kredite ohne unser westliches Recht.

Es mag weiterhin einige Glücksritter geben wie Bill Gates, Steve Jobs - mit Grüßen an die Transhumanisten: seine Milliarden konnten ihn nicht vor dem Tode retten; seine Witwe und Erbin ist nun die reichste Frau in der Technologiebranche - oder Mark Zuckerberg, die zur rechten Zeit am rechten Ort auf eine neue Technologiemode aufspringen und damit zu beinahe grenzenlosem Reichtum und viel Macht kommen.

Diese Milliardäre bieten uns viele Dienstleistungen "gratis" an. Wir bezahlen mit unseren Daten. Warum? Damit wir berechenbarer werden, zur Zeit vor allem unser Kaufverhalten. Es geht um zielgerichtete Werbung; mitunter aber auch schon die gezielte Beeinflussung bei Wahlen, kurzum: Manipulation von Menschenmassen. Wir zählen nicht als die autonomen Subjekte der Aufklärung, sondern als Käuferinnen und Käufer von Produkten.

Diese Technologien bieten uns damit keine Befreiung oder Empowerment, sondern Unterwerfung, die wir nicht als solche Wahrnehmen, weil wir die Werte der Konsumgesellschaft verinnerlicht haben. Zum Vergleich: Einen Großteil des Lebens für die Karriere zu Opfern, wird von vielen Feministinnen heute als Emanzipation verkauft (Werbung für den Karrierefeminismus [5]). Warum? Weil Karriere mit Sinn und Erfolg im Leben gleichgesetzt wird. Philosophen aristokratischer Herkunft sahen in Erwerbsarbeit dagegen eine Form von Sklaverei.

Ein aktuelles Beispiel ist die Automatisierung und Digitalisierung von Autos. Der derzeit diskutierte Gesetzesentwurf der Bundesregierung zieht noch nicht einmal in Betracht, dass die gesetzlich aufgezeichneten Fahrdaten den Fahrzeuginhabern gehören könnten - zur Diskussion stehen allein die Auto- und Softwarehersteller.

Natürlich können und werden solche Daten bei Haftungsfragen gegen die Fahrerinnen und Fahrer verwendet werden. Wieder bestimmen Gesetze, Lobbygruppen und Herrschaftsverhältnisse die Folgen einer Technologie. Diejenigen, die die Daten mit ihrem Verhalten produzieren, werden noch nicht einmal gefragt.

Vom Jetzt zur Zukunft

Warum also in aller Welt - das ist meine Frage an die Transhumanisten und die Schlussfolgerung des Induktionsverfahrens - sollten die Technologien der Zukunft in einer anderen und vor allem besseren Weise verwendet werden als dies heute der Fall ist, unter unseren heutigen Gesellschaftsbedingungen?

Vielleicht wird es Übermenschen geben; höchstwahrscheinlich wird der Großteil der Menschheit dann aber Untermensch sein, ob man sie so nennt oder (politisch korrekt) nicht. Wenn es also eines Tages Gottmenschen geben wird, die Harari in seinem "Homo Deus" andenkt, werden fast alle anderen Menschen... wie sollen wir sie nennen? Vielleicht Sklavenmenschen sein.

An dieser Schlussfolgerung wird sich meiner Meinung nach so lange nichts ändern, wie sich an den Herrschafts- und Besitzverhältnissen nichts Grundlegendes ändert.

Zweite Natur ist menschengemacht

Gesetze sind von Menschen gemacht. Geld, geistiges Eigentum, auch Eigentum überhaupt, sind keine natürlichen Kategorien, sondern soziale Konstrukte. Sie beruhen auf menschlichen Entscheidungen und kulturell eingebettet, so zu unserer zweiten Natur geworden.

Vielen fällt das nur nicht auf, weil sie keine andere Welt kennen; und sie sich auch nicht vorstellen können.

Ich bestreite nicht, dass soziale Konstrukte großen Nutzen haben können. Ich bin auch dankbar für den Schutz meiner Person, meiner Wohnung und so weiter. Dass sie Menschen auf ganz unterschiedliche Weise nutzen können, wird mitunter aber zum Problem. In diese Gesellschaftsordnung werden die Technologien geboren - und fügen sich in mögliche Strukturen von Über-, Herren- und Gottmenschen auf der einen und Unter- und Sklavenmenschen auf der anderen Seite ein.

Daher werden nicht die Technologien, sondern die sozialen Strukturen entscheiden, ob die transhumanistische Vision als eine Utopie, ein Paradies auf Erden, oder eine Dystopie, eine Hölle für die Meisten, wirklich wird.

Dieser Artikel erscheint ebenfalls im Blog "Menschen-Bilder" [6] des Autors.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3710864

Links in diesem Artikel:
[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Homo_Deus:_A_Brief_History_of_Tomorrow
[2] https://www.fhi.ox.ac.uk/
[3] http://www.humanbrainproject.eu/en/
[4] http://www.heise.de/tp/features/Eine-Million-dopt-regelmaessig-am-Arbeitsplatz-3370777.html
[5] http://www.heise.de/tp/features/Werbung-fuer-den-Karrierefeminismus-3303675.html
[6] http://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/