Hubschrauber-Kollision bei Anti-Terroroperation: 13 Tote

Mehrzweckkampfhubschrauber Tiger der französischen Armee. Bild: Perrin JC, Lämpel - P1090159/CC BY 2.0

Der französische Generalstab spricht von einem Unglück bei einer Militäroperation gegen den IS in Mali. Kommentiert wird dies auch als Zeichen der Überforderung Frankreichs in der Sahelzone. Gefordert wird mehr europäische Unterstützung

Für den Einsatz mussten die beiden französischen Hubschrauber sehr tief und schnell fliegen. Der französische Journalist Anthony Fouchard zeigt in einem Video einen sogenannten "taktischen Flug" zweier Helikopter der französischen Armee, gefilmt an Bord eines "Caïman"-Hubschraubers: Mit 240 km/h 40 Meter über dem Boden und der andere Hubschrauber ist gerade mal 100 Meter entfernt. Man solle sich das mal nachts vorstellen, so Fouchard. Der Begleithubschrauber ist ein "Tiger".

Als gestern Abend gegen 19 Uhr 40 in der Region Liptako in Mali zwei französische Hubschrauber, ein "Tiger" und ein "Cougar", die beide sehr tief flogen, kollidierten, war es bereits dunkel. Der französische Generalstab (EMA) geht "aller Wahrscheinlichkeit nach" von einem Unglück aus, das 13 französischen Soldaten das Leben gekostet hat.

Das sei eine Operation mit hohem Schwierigkeitsgrad gewesen, die Hubschrauber hätten zur Aufgabe gehabt, den Feind am Boden zu detektieren, ohne dass den erfahrenen und gut ausgebildeten Piloten ein Anti-Kollisionssystem zur Verfügung gestanden hatte, erklärt der Chef des Generalstabs, General François Lecointre. "Die französischen Armee-Helikopter sind nicht mit solchen Systemen ausgestattet", fügt er hinzu.

Die beiden Armeehubschrauber hätten "einer Gruppe von Terroristen" nachgestellt, "die mit Pick-Ups und Motorrädern in der malischen Grenzregion zu Burkina Faso und Niger unterwegs gewesen sein sollen", berichtet Die Zeit.

Es sei eine Bodenoperation gegen IS-Dschihadisten gewesen, die schon seit Tagen in dem Grenzgebiet zwischen Mali, dem Niger und Burkina-Faso andauerte, so General François Lecointre, die beiden Hubschrauber seien dazu gerufen worden, um den Einsatz zu verstärken. Laut dem Dschihadexperten Wassim Nasr haben Milizen des Islamischen Staates wie auch solche, die al-Qaida den Treueeid geschworen haben, dort in jüngster Zeit viel mit Anschlägen von sich Reden gemacht.

In den französischen Medien ist der Helikopterunfall, der schwerste seit vielen Jahren, heute ein aufgeladenes Thema. Es geht dabei nicht nur um die Trauer und den genauen Hergang - Fragen dazu bleiben, zumal die terroristischen Gruppen kampferfahren sind und wissen, wie man Hubschrauber ausschalten kann - sondern viel auch darum, welchen Erfolg der Sahel-Einsatz hat und welche Aussichten.

Eine europäische Eliteeinheit

Aus deutscher Sicht ist interessant, dass Experten die Überforderung der französischen Armee mit 4.500 Einsatzkräften in einem riesigen Gebiet betonen (z.B. auf France 24) und darauf drängen, dass vonseiten der europäischen Länder mehr Unterstützung kommt. Adressiert ist das besonders an Deutschland.

Vor Kurzem hatte die französische Verteidigungsministerin Florence Parly die Einrichtung einer europäischen Eliteeinheit namens "Takuba" vorgeschlagen, die die französische Militäroperation Barkhane in der Sahelzone ergänzen soll. Ihre deutsche Kollegin Annegret Kramp-Karrenbauer signalisierte Entgegenkommen für einen robusteren deutschen Einsatz (Mehr deutsches Militärengagement: "Tun wir es nicht, verzwergen wir uns").

Seit 2013, als die Militäroperationen in dem Gebiet unter dem Operationsnamen Serval (später dann umbenannt in Barkhane) begannen, beklagt die französische Armee 38 Tote unter ihren Soldaten. Schaut man sich den Telepolis-Bericht aus dem Jahre 2013 von Bernard Schmid über die neue Front im Anti-Terrorkrieg in der Sahelzone an, so taucht dort bereits die Frage nach Größe und Art der deutschen Militärbeteiligung auf und es wird dort ausführlich auf die besonderen lokalen Schwierigkeiten der Anti-Terror-Operation eingegangen.

Schwerpunkte der damaligen Kritik waren, dass die Situation undurchsichtig ist, dass es kaum zuverlässige Informationen gibt, dass die französischen Behörden das Thema weitgehend beschweigen und bemänteln, und schließlich dass die französische Armee mit Kräften zusammenarbeitet, die politisch diskreditiert sind.

Auch aktuell ist die Situation gekennzeichnet von Undurchsichtigkeit, auffallend ist lediglich die verstärkte Präsenz der Dschihadisten trotz der Operation Barkhane. Hinter den Anschlägen, die kurz für Schlagzeilen sorgen, bleibt verborgen, wie das politische Gelände aussieht und die Möglichkeiten mit anderen als militärischen Mitteln für Veränderungen zum Besseren zu sorgen.

Die Kollision der beiden Armeehubschrauber bei einem Einsatz gegen den IS trug sich offenbar nur 20 Kilometer von Indelimane entfernt zu. Der Ort nahe der Grenze zu Niger wurde Anfang November einer größeren Öffentlichkeit auch hierzulande bekannt, weil Dschihadisten einen Stützpunkt der malinesischen Armee überfielen und dabei "mehr als 50 Soldaten getötet" wurden (Der Spiegel). (Thomas Pany)