IS-Division Boko Haram setzt angeblich elfjährige Selbstmordattentäterin ein

Ehemaliger nigerianischer Sicherheitschef soll mit Phantomverträgen für Kampfflugzeuge und Hubschrauber fast zwei Milliarden Euro unterschlagen haben

Auf einem Markt im nordnigerianischen Kano, sprengte die IS-Division Boko Haram gestern ein bis zwei Dutzend Menschen in die Luft. Dem Fernsehsender CNN zufolge wurde der Anschlag mit zwei Selbstmordattentäterinnen mit Sprengstoffgürteln durchgeführt, von denen eine erst elf Jahre alt gewesen sein soll. In afrikanischen Medien finden sich allerdings keine Altersangaben zu den Täterinnen.

Kurz vorher hatte die Terrorgruppe, die sich im März dem Islamischen Staat anschloss, mit einem Sprengsatz oder einem Selbstmordterroristen in der nordostnigerianischen Stadt Yola mindestens 34 Menschen zerriss. Hier war der Tatort ein Parkplatz in der Nähe eines großen Marktes, auf dem viele Händler gerade ihre Waren einpackten.

Das Soziale Netzwerk Facebook hat deshalb für Nigeria eine Funktion aktiviert, mit der man schnell feststellen kann, ob Angehörige und Freunde gesund sind. Vorher war das Unternehmen kritisiert worden, weil es diese Funktion zwar nach den Anschlägen von Paris, aber nicht nach den kurz vorher erfolgten Terrorangriff auf ein Schiitenviertel in Beirut zur Verfügung stellte.

Der neue nigerianische Präsident Muhammadu Buhari hat währenddessen Sambo Dasuki, den Sicherheitsberater seines Vorgängers, verhaften lassen. Dasuki wird beschuldigt, knapp 2 Milliarden Euro, die für die Terrorbekämpfung vorgesehen waren, in Kanäle geleitet zu haben, die seine eigenen Taschen füllten. Unter anderem soll er dazu Phantomverträge für den Kauf von vier Kampfjets und 12 Hubschraubern vorgelegt haben, die gar nicht existieren. Dasuki, der der Sohn des 18. Sultans von Sokoto ist, bestreitet die Vorwürfe. Er hatte versucht, sich nach Großbritannien abzusetzen - angeblich, um sich dort auf Prostatakrebs untersuchen zu lassen. Bei seiner Verhaftung könnten auch persönliche Motive eine Rolle gespielt haben: Der Sultansspross soll 1985 zu den Offizieren gehört haben, die Buhari damals als Militärdiktator stürzten.

Der BBC zufolge klagt das nigerianische Militär seit dem Machtwechsel im Frühjahr deutlich weniger über die schlechte Ausrüstung im Kampf gegen Boko Haram. Außerdem musste die Terrorgruppe nach mehreren militärischen Niederlagen von ihr beherrschte Gebiete aufgeben und verlegte sich von zwischenzeitlichen Eroberungen erneut auf Terroranschläge. Gegner Buharis führen die Erfolge der Armee jedoch auf Gerät zurück, das schon unter dem alten Präsidenten bestellt wurde, aber erst jetzt zum Einsatz kommt.

3.700 Kilometer nördlich von Kano, im bosnischen Sarajevo, kam es gestern ebenfalls zu einem möglichen islamistischen Anschlag: Dort erschoss ein Mann in der Nähe einer Kaserne mit einer automatischen Waffe zwei Soldaten und feuerte (angeblich unter Allahu-Akbar-Rufen) auf einen Bus, in dem der Fahrer und zwei Fahrgäste durch Glassplitter verletzt wurden. Anschließend verschanzte er sich in einem Gebäude, aus dem ein Explosionsgeräusch zu hören war, nachdem es eine Anti-Terror-Einheit abriegelte. Der Täter, der 34-jährige Enes O., sprengte sich nach Behördenangaben selbst in die Luft. Er soll Wahabit sein, und Angehörige haben, die als Dschihadisten in Syrien kämpfen.

Ob auch die acht Marokkaner, die am Dienstagabend am Istanbuler Atatürk-Flughafen festgenommenen wurden, Terroranschläge durchführen wollten, ist noch unklar. Türkischen Medien zufolge, die sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen berufen, könnte es sich aber um IS-Anhänger handeln.

Nachdem die Behörden bei einer Überprüfung feststellten, dass die Hotelbuchungen, die die aus Casablanca kommenden Männer vorgelegten, gefälscht waren, sahen sie sich die Eingereisten genauer an und stellten fest, dass sie einen handgefertigten Routenplan mit sich führten, der nahelegt, dass sie von Istanbul nach Izmir und von dort aus über Griechenland und die Balkanroute nach Deutschland wollten.

Der Umweg, den die Marrokaner machten, wird erklärlich, wenn man weiß, dass die europäischen Schengen-Staaten die Einreise aus Marokko nur mit einem Visum erlauben, während die Türkei kein solches Visum verlangt. Hinzu kommt, dass Spanien seine Südgrenze relativ streng bewacht, während Griechenland in der Ägäis deutlich weniger entschieden gegen Schleuser vorgeht. In Marokko ermitteln die Sicherheitsbehörden nach den Anschlägen von Paris verstärkt gegen dschihadistische Gefährder, von denen sie in den letzten Tagen mindestens vier festnahmen. (Peter Mühlbauer)

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