IS-Strategie der verbrannten Erde

Brennende Ölquellen auf dem Qayyarah-Ölfeld. Nasa-Aufnahme vom 17. August

Falludscha wird mit einem Graben isoliert, auch der IS greift zu solchen archaischen Mitteln und will, so ein Pentagon-Sprecher, die "Hölle auf Erden" bei einem Angriff auf Mossul schaffen

Im Juni wurde Falludscha von den irakischen Truppen und schiitischen Milizen mit der Hilfe von Luftangriffen der irakischen Armee und der US-geführten Allianz eingenommen. Wie schon bei der legendären Schlacht 2004, als die gerade einmal 60 km von Bagdad entfernte Stadt als Hochburg der Islamisten eingenommen wurde, ist sie auch dieses Mal großflächig durch Artilleriebeschuss und Bombardement aus der Luft, aber durch Sprengungen des IS zerstört worden. Lange Zeit waren die verbliebenen Bewohner vom IS festgehalten und von Armee und Milizen wie in Syrien eingeschlossen gewesen, viele lebten unter erbärmlichen Bedingungen und litten Hunger.

Die verbliebenen Bewohner flohen, so weit sie konnten, andere schlossen sich wohl den abziehenden IS-Verbänden an, auch aus Angst vor Rache, da aus Falludscha viele Anschläge auf Ziele in Bagdad ausgeführt wurden. Die Angst bestand zu Recht, denn Hilfsorganisationen und Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass die Flüchtlinge in den Lagern nur unzureichend versorgt wurden, während die Männer ausgesondert, inhaftiert und zum Teil unter Folter verhört wurden. Zudem gab es Meldungen, dass viele verschwunden sind, womöglich wurden sie Opfer von Massenhinrichtungen der schiitischen Milizen (Falludscha: Der kurze Sieg gegen den IS?).

Falludscha nach der Befreiung. Bild aus dem YouTube-Video

Erst vor ein paar Tagen sind die ersten Bewohner in die Stadt zurückgekehrt, die allerdings noch in großen Teilen nicht von Minen und Sprengfallen gesäubert wurde. Im August war begonnen worden, Falludscha mit einem Graben zu isolieren. 11 km lang werden soll er und nur einen Zu- oder Ausgang bieten, die streng überwacht wird. Die Bewohner erhalten wie schon 2004 biometrische Ausweise. Der Graben soll die Bewohner nicht isolieren, so heißt es, sondern nur verhindern, dass der IS wieder in die Stadt einsickert. Da Teile der sunnitischen Bevölkerung und auch der Bewohner von Falludscha mit dem IS sympathisiert haben, dürfte ein Graben nicht viel helfen. Falludscha wurde schon als "riesiges Gefängnis" bezeichnet, die Bewohner würden gettoisiert.

So wurde aus anderen "befreiten" Gebieten und Städten berichtet, dass dort weiterhin IS-Zellen aktiv seien und Anschläge ausführen. Mitte September erst hatte überraschend ein IS-Trupp vorübergehend ein Ölfeld östlich von Kirkuk überfallen. Sie hatten auch schwere Waffen bei sich. Eine andere Gruppe versuchte, wieder in die Stadt Ramadi zu gelangen, die wegen der großen Zerstörungen und der fehlenden Wiederaufbauarbeiten weitgehend unbewohnt geblieben ist. Die irakischen Sicherheitskräfte konnten das Eindringen des IS angeblich verhindern. Aber IS-Kämpfer können die ausgedehnten Wüstengebiete für sich nutzen, auf Teile der sunnitischen Bevölkerung setzen, die die schiitisch dominierte Zentralregierung ablehnen und Angst vor den schiitischen Milizen bzw. schlechte Erfahrungen mit ihnen haben, und sollen auch in Außenbezirke von "befreiten" Städten zurückgekehrt sein, während die irakischen Sicherheitskräfte nur deren Zentren, aber nicht die Außenbezirke kontrollieren können.

Die Situation könnte noch schlimmer werden, wenn die Offensive auf Mossul startet. Es wird nicht nur mit einem großen Flüchtlingsstrom gerechnet, sondern auch mit einem Rückschlag für die Befreiungsaktion, da der Nationale Sicherheitsrat Ende Juli beschlossen hat, dass schiitische Milizen, die Volksmobilmachungskräfte (PMU), am Angriff beteiligt sein sollen. Human Rights Watch warnt vor einer Beteiligung und weist auf die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen hin, die die Milizen begangen haben.

Vor wenigen Tagen sind einige ehemalige Bewohner Falludschas wieder in die Stadt nach intensiven Kontrollen zurückgekehrt. Es war nach Medienberichten ein inszeniertes Medienspektakel. Eigentlich sollten über 500 Familien kommen, in Wirklichkeit kamen dann gerade einmal 14 Familien Medien berichteten, dass sich lokale Politiker vor den Kameras inszenierten, um den Erfolg zu feiern. Die irakische Armee hat die Häuser als sicher markiert. Dabei zog die Handvoll Rückkehrer nur in die nördlichen Stadtteile, die von den Kämpfen wenig betroffen waren. Der Rest der Stadt ist noch nicht von Sprengfallen und Minen gesäubert, die Rückkehrer haben in ihren Häusern weder Strom noch Wasser. Die Lage symbolisiert auch ein Vorfall. Als die wenigen Rückkehrer aus dem Bus stiegen, feuerten die Soldaten auf einen Lastwagen der Stadtverwaltung, den sie für das Fahrzeug eines Selbstmordattentäters hielten.

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