IS-Terrorist im belgischen AKW-Hochsicherheitsbereich

"Ein möglicher schwerer Unfall in einem AKW ist kein Restrisiko mehr"

Immer wieder haben aber Umweltschutzorganisationen auf die Gefahren hingewiesen, die von fast ungeschützten Atomkraftwerken ausgehen. Schon vor zehn Jahren wurde gefragt, warum man aufwendig schmutzige Bomben bauen sollte, wenn man sie wie mit dem Atomkraftwerk Fessenheim praktisch vor der Nase stehen hat (Warum schmutzige Bomben bauen?). Dass es noch keine Katastrophe gab, ist wohl bisher nur dem Umstand zu verdanken, dass eine solche Aktion auch den Islamisten nicht in den Kram gepasst hat. Doch das könnte sich ändern. Dafür gibt es Hinweise, aber auch die deutlich sichtbare Zuspitzung des Konflikts könnte für eine solche Eskalation sorgen. Da der IS verstärkt bombardiert wird, trägt er verstärkt seinen Terror nach Europa.

Deshalb sollten sofort alle besonders gefährlichen Atommeiler abgeschaltet werden. Fessenheim im Rheintal - schon ohne feindliche Einwirkung zeitweise außer Kontrolle - bedroht unzählige Menschen von Straßburg über Freiburg bis Basel. Dass das Uralt-Kraftwerk nach den fatalen Vorgängen 2014 nun noch in diesem Jahr abgeschaltet werden soll, ist ein nur schwacher Trost.

So meint auch der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital, dass die im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke in Frankreich und Belgien abgeschaltet gehören: "Atomkraftwerke in Belgien und anderswo sind ein potentielles Anschlagsziel für Terroristen mit möglicherweise verheerender Wirkung." Wenn Bahnhöfe abgeriegelt sind, Flugzeuge am Boden bleiben und U-Bahnen stillstehen, müssten auch Atomkraftwerke abgeschaltet werden, sagte er. "Ein möglicher schwerer Unfall in einem AKW ist kein Restrisiko mehr."

Die Gefahr bei laufenden Anlagen sei besonders groß, erklärte der Kernphysiker gegenüber dem Deutschlandfunk: "Weil ein hier Nur-sich-selbst-überlassen schon zum systematischen Super-Gau führt, wie wir in Fukushima gesehen haben. Da ist ja nicht nur ein Reaktor explodiert, da sind sie der Reihe nach explodiert. Das heißt, in drei Reaktoren hat es Kernschmelzen gegeben. Das heißt, bei einem laufenden Reaktor braucht man sehr viel Logistik, eine sehr intakte Anlage, um eine Superkatastrophe zu verhindern. Das reduziert sich bei einer abgeschalteten Anlage. Hier hat man viel mehr Zeit, zu intervenieren. Hier entwickelt sich ein Umfall keineswegs so schnell."

Eine besondere Bedrohung sieht der Greenpeace-Experte durch mögliche Insider wie Boughalab und verweist auf eine ungeklärte Sabotageaktion (Belgiens und Frankreichs Atomstromversorgung in Gefahr). "In Belgien hat es im Sommer 2014 einen hoch entwickelten Sabotageakt gegeben, wo mehrere Innentäter mit sehr hoher Anlagenkenntnis sehr hohen Schaden zugefügt haben. Diese Innentäter konnten nie letztlich gefasst werden. Man konnte das nur einkreisen auf eine Tätergruppe, es wurde aber nie letztlich aufgeklärt." Damit lieferte Smital eine weitere Erklärung dafür, warum zahlreiche Mitarbeiter in Doel und Tihange nach Hause geschickt wurden und man auch einen Notfall nicht ausgeschlossen hat. (Ralf Streck)