IS bekennt sich zu Massaker in Nizza

Der Täter sei ein "IS-Soldat" gewesen, meldete Amaq heute

Amaq, die "Nachrichtenagentur" des IS, gab vor kurzem eine etwas seltsame Meldung heraus. Offenbar ist man sich noch unsicher, ob der IS den Anschlag des Tunesiers, der mit einem LKW am Donnerstagabend in Nizza in die Menschenmenge fuhr und 84 Personen tötete, für sich beanspruchen will.

Ein Insider habe Amaq berichtet, dass derjenige, der die "tödliche Operation in Nizza" ausgeführt hat, ein "Soldat des Islamischen Staats" gewesen sei. Er habe die Operation in Reaktion auf die Aufrufe durchgeführt, Bürger der Staaten anzugreifen, die Mitglied der Anti-IS-Koalition sind.

Der IS hatte dazu aufgerufen, dass Sympathisanten weltweit Anschläge ausführen sollen. Es reiche aus, sich zum IS und al-Bagdadi zu bekennen, um als "IS-Soldat" in die Reihe der Märtyrer aufgenommen zu werden. Allerdings behält sich der IS die Entscheidung aus strategschen Gründen vor, welche Anschläge und Täter er sich zurechnet. Die brutale Anschlagsmethode, mit der blin zufällig Anwesende Menschen und auch Kinder getötet und verletzt werden, passt zum IS, womöglich aber ist der Täter nur schwer der islamistischen Organisation zuzurechnen, da von ihm nich bekannt ist, ob er überhaupt religiös ist.

Derweilen wird gefragt, wie der Attentäter fast zwei Kilometer fahren konnte, bevor er gestoppt werden konnte. Die Gemeinde und das Innenministerium sind der Kritik ausgesetzt, die Feier nicht ausreichend geschützt zu haben. So war die Einfahrt zur Promenade des Anglais zwar von Polizeifahrzeugen blockiert worden, der Täter habe aber über den Bürgersteig auf die Straße gelangen können.

Christian Estrosi, der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA), hat laut Le Monde Vorwürfe an die Regierung gerichtet, die den Ausnahmezustand verhängt und erklärt habe, das Land befinde sich im Krieg. Sie sei daher dafür verantwortlich, alle Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um die Waffen, mit denen die Feinde ausgerüstet, wirksam zu bekämpfen. Anthony Boreé, der Kabinettsdirektor, sagte, Nizza habe 50 Polizisten an diesem Abend eingesetzt, der Staat 64 Mitarbeiter der Nationalpolizei. Vor der Feier habe es einen Zusammenkunft zwischen Vertretern des Staates und Nizza gegeben: "Der Staat hat gesagt, es gebe keine spezifische Bedrohung für die Stadt Nizza." Die Schuld soll der Regierung zugeschoben werden, da er einräumen musste, dass die Stadt noch mehr Polizisten hätte einsetzen können. (Florian Rötzer)

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