IS breitet sich in Afrika aus

Regierungssoldaten in der ostkongolesischen Stadt Beni (2014). Foto: MONUSCO. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Terrororganisation setzt auf lokale Islamistengruppen wie die ugandisch-kongolesische MTM auf

Ende März fiel die Ortschaft Baghus, die letzte Bastion der Terrororganisation Islamischer Staat IS auf dem zusammenhängenden Territorium in Syrien und im Irak, auf dem sich ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi 2014 zum Kalifen ausrief (vgl. Das Kalifat ist besiegt, aber nicht der Islamische Staat). In anderen Ecken der Welt kontrollieren die Dschihadisten aber noch Areale - zum Beispiel in Libyen, wo sie unlängst den Truppen des Warlords Chalifa Haftar in den Rücken fielen (vgl. Libyen: Saudis unterstützen Haftar).

"Ort des Monotheismus und der Monotheisten"

Im Kongo, der bislang nicht als Teil des Kalifats galt, beanspruchte der IS über seine Propagandaagentur AMAQ am 18. April einen Angriff auf eine Militärkaserne in der Nähe der Stadt Beni für sich, bei dem acht Soldaten ums Leben kamen. Die Behörden im Kongo bestätigten diesen Angriff, nannten aber die im letzten Jahr in "Ort des Monotheismus und der Monotheisten" (Madinat al-Tawhid wal Muwahedeen - MTM) umbenannte Miliz Allied Democratic Forces (ADF) als Angreifer (vgl.Islamisten köpfen auch im Kongo). Bei ihren Mitgliedern, die zu einem großen Teil aus Uganda stammen, fand man bereits im letzten Jahr IS-Propagandamaterial wie ein von der Maktabah al-Himma veröffentlichtes Buch zur Anwendung von Scharia-Strafen und zum Aufbau eines Scharia-Sozialsystems.

Den Erkenntnissen der Congo Research Group an der New York University nach schickte der IS neben Propagandamaterial auch Geld an die Dschihadisten im Kongo. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Kenianer Waleed Ahmed Zein. Den Kongo nennt der IS in seiner Bekennerbotschaft "Wilayat Wasat Ifriqiyah" - die "Zentralafrikanische Provinz". Sie soll eine von insgesamt 35 Provinzen des Kalifats sein, von denen sich nur 18 in den nun verlorenen Gebieten in Syrien und im Irak befanden.

Franchise-Terror

Die MTM ist nicht der einzige Fall, in dem der IS auf eine örtliche Islamistengruppe aufgesattelt hat: Bereits 2014 schloss sich die auf der ägyptischen Halbinsel Sinai aktive Terrorgruppe Ansar Bait al-Maqdis dem IS an. 2015 schwor Abubakar Shekau, der damalige Anführer der nigerianischen Dschihadisten von Boko Haram, dem IS-Kalifen Abu Bakr al-Bagdadi die Gefolgschaft (vgl. IS-Kalifat wird auf einen Schlag um mindestens 70.000 Quadratkilometer größer). Sein inzwischen verlorenes Herrschaftsgebiet hieß "Wilayat Garb Ifrqiya", die "Westafrikanische Provinz". Nachdem Abubakar Shekau 2016 entmachtet wurde, gilt Boko Haram den meisten Beobachtern wieder als IS-unabhängige Gruppe.

Eine weitere Gruppe, die sich dem IS anschloss, sind die philippinischen Maute-Dschihadisten, die 2017 fünf Monate lang die 200.000-Einwohner-Stadt Marawi beherrschten (vgl. Philippinen: Marawi befreit?). Die überlebenden Terroristen zogen sich unter der Führung von Owayda Benito Mahorombsar alias "Abu Dar" in weniger gut zugängliche Gebiete zurück. Auch die National Thowheeth Jama’ath (NTJ), die die Behörden für die Anschläge auf Christen und Touristen in Sri Lanka verantwortlich macht, führten die Terrorakte dem derzeitigen Erkenntnisstand nach mit Unterstützung und unter dem Banner des IS durch (vgl. Sri Lanka: Sprengten Islamisten lieber ihre Kinder, als sich festnehmen zu lassen?).

Instabiler Staat, keine Konkurrenz

Der Congo Research Group zufolge lockt die Aktivität des IS im Kongo nicht nur Ugander und Kongolesen, sondern auch Islamisten aus Kenia, Tansania, Ruanda, Burundi und dem Südsudan an, weil die Reisekosten dorthin erschwinglich sind. Zudem gilt der Kongo als instabiler und schwacher Staat, dessen Führung nur bedingt die Kontrolle über das Staatsgebiet hat. Und anders als in Somalia oder Mali hat der IS im Kongo keine mit der Konkurrenzorganisation al-Qaida verbundene Konkurrenz.

Im Bürgerkriegsland Jemen, der "Wilayah al-Yaman", gibt es so eine Konkurrenz in Form der AQAP, aber darüber hinaus auch eine IS-Filliale (vgl. Schwarze Fahnen in Aden). Einem Dschihadistenwettbewerb muss sich der IS auch in Afghanistan stellen, wo er vor allem in der Nangarhar-Provinz gegen die Taliban behaupten konnte (vgl. Afghanistan: Kalifatsterroristen gegen Taliban). (Peter Mühlbauer)

Anzeige