Ibiza-Affäre: "Mindestens 400.000 Euro" für die kompletten Aufnahmen

Auch in Salzburg soll es Hausdurchsuchungen und Festnahmen gegeben haben. Foto: BenFrantzDale aus der englischsprachigen Wikipedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Mehrere Festnahmen und Berichte über Erpressung von Strache

Nina Bussek, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, hat Medienberichte bestätigt, nach denen es am Dienstag im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre zu Hausdurchsuchungen und "mehreren Festnahmen" kam. Drei der Festgenommenen befanden sich heute Mittag noch in Haft. Weitere Details will die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die Einstufung des Falls als Verschlusssache nicht offiziell preisgeben.

Der Kurier (der wie die anderen berichtenden Medien betont, dass "die Unschuldsvermutung gilt"), geht von drei Hausdurchsuchungen in Wien und in Salzburg und von sechs betroffenen Personen aus. In den Durchsuchungs- und Festnahmeanordnungen soll ihnen Missbrauch von Abhörgeräten, Urkundenfälschung, Betrug, Täuschung, Nötigung, gefährliche Drohung, Gründung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäscherei, schwere Erpressung, Diebstahl, unbefugter Waffenbesitz und Vorbereitung von Drogenhandel vorgeworfen werden.

"Engerer Kreis" des Detektivs Julian H.

Mehrere der Personen sollen dem "engeren Kreis" des Detektivs Julian H. zugerechnet werden (vgl. "Piefke Collusion"), der der Welt und anderen Medien unter Zuhilfenahme eines Rechtsanwalts verbot, "Genaueres" über Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit Aussagen zu berichten, die "im Widerspruch zu amtlichen Dokumenten stehen". Weiterhin schreiben darf die Zeitung über eine Behauptung des Detektivs, wonach einer früheren "Auseinandersetzung mit der Justiz eine Operation zugrunde liegt", die dieser "im Auftrag einer Behörde durchgeführt haben [wollte], die ihn in Folge nicht habe schützen können".

Eine der Festgenommenen oder Durchsuchungsbetroffenen soll die Übersetzerin V. sein, die früher angeblich mit H. liiert war. Ein anderer ihr Chef, der Geschäftsführer einer Consultingfirma. Der Kronen-Zeitung nach könnte der Mann aus Russland stammen. Zwei weitere Verdächtige sind den Salzburger Nachrichten zufolge in der Mozartstadt wohnhaft: Der 38- oder 39-jährige bosnischstämmige Österreicher S. und der 52-jährige Serbe oder Bosnier K. Einer von ihnen soll die Tatortvilla auf Ibiza angemietet haben - und beide waren dem Bericht nach Mitarbeiter des Detektivs. Sie stehen im Verdacht, den Lockvogel "rekrutiert und eingeschult" und "potenzielle (Kauf-)Interessenten für die Aufnahmen vom 24. 7. 2017 gesucht" zu haben.

Nachdem die ersten Ausschnitte bereits öffentlich waren sagte H. einen von ihnen angeblich, er solle "mindestens 400.000 Euro" für die kompletten Aufnahmen verlangen. Daraufhin soll K. am 6. Juni mit einem entsprechenden Angebot an Heinz-Christian Strache herangetreten sein. Johann Pauer, der Rechtsanwalt des ehemaligen FPÖ-Chefs, will dazu "aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens und um die Ermittlungsarbeit nicht zu gefährden vorerst keine Stellungnahme" abgeben.

Glücksspiel, Kokain und Wetten

Dem Standard nach sollen auch Teile der Informationen, die das Portal EU-Infothek vor anderen Medien hatte, von ehemaligen Mitarbeitern H.s stammen. Dessen Betreiber Gert S. wollte über seine Quellen "keine Auskunft" geben, bestätigt aber eine Tätigkeit eines der früheren Mitarbeiter H.s für sein anderes Portal Spieler-Info.at. In dessen Zielgruppe war S. der Zeitung zufolge bereits vor der Ibiza-Affäre bekannt und führte unter anderem "Aufträge" für den Glücksspielkonzern Novomatic aus. Dem Konzern, über den Strache im Ibiza-Video meint, er "zahlt alle" (vgl. Grüne fliegen aus Kärntner Landtag).

Bereits im August gab es eine Hausdurchsuchung beim Wiener Anwalt M., der im Mai eine Beteiligung an der Affäre eingeräumt hatte. Trotz des langen Zeitraums zwischen seinem Eingeständnis und der Durchführung soll dabei eine kleinere Menge Kokain gefunden worden sein - aber (wenig überraschend) nicht das komplette Video. Medienanfragen beantwortete M. bislang nicht, sondern ließ lediglich mitteilen, er stehe "aufgrund von Verschwiegenheitsverpflichtungen für ein Gespräch nicht zur Verfügung".

Im Monat darauf nahmen die Behörden einen ehemaliger Leibwächter von Heinz-Christian Strache fest, der belastendes Material über ihn gesammelt haben soll (vgl. Österreich: Straches Ex-Leibwächter festgenommen) - und im Oktober wurde bekannt, dass die Spur einer Wette auf das vorzeitige Ende der türkis-blauen Regierung, die ein junger Wiener sieben Tage vor der Veröffentlichung des Ibiza-Videos bei bet-at-home schloss, in eine "SPÖ-Clique" führt, die "Sektion ohne Namen". Deren Chef wurde von der Sonderkommission einvernommen, betonte aber, "mit diesem Ibiza-Video rein gar nichts zu tun" zu haben. (Peter Mühlbauer)