Ich bin tot

Skurrile Todesanzeigensammlung im Internet

So richtig lustig ist der Tod ja nicht. Weder für den Toten noch für die, die um den Verstorbenen trauern müssen. Dennoch hat auch der Tod seine unfreiwillig komischen Seiten, und wer sich die Webseite Todesanzeigensammlung anschaut, der findet dort geballt veröffentlichte Trauerarbeit, die oft einfach zum Lachen ist. Da heißt es in der Rubrik „Sprachlich missglückt" beispielsweise: „Mit größter Bestürzung und für uns alle unfassbar verstarb am 7. Januar unser Geschäftspartner Herr Jürgen Krohn.“ Genauso unfassbar sollte eigentlich aus Sicht ihres trauernden Mannes auch die neue himmlische Partnerschaft von Edith Saile sein: „Meine liebe Frau hat Gott zu sich genommen.“ Ein Fall für Dan Brown?

Die Todesanzeige für den Künstler Nam June Paik ist unter der Rubrik „Ungewöhnlich aber gut“ zu finden

Seit gut drei Jahren ist Todesanzeigensammlung.de nun bereits online. Gedacht war die Webseite, wie der Betreiber Christian Sprang schreibt, anfangs „ausschließlich für meine mitsammelnden Freunde und Bekannten“. Doch das Echo ist nach Sprangs Worten inzwischen so groß, dass fast ein Fünftel der dort präsentierten Anzeigen von Besuchern seiner Seite stammen. Todesanzeigen scheinen also viele Leute zu faszinieren. Und in den Tageszeitungen werden sie, das ergab eine Meinungsumfrage, neben Sport- und Lokalnachrichten daher auch am meisten gelesen.

Die älteste bisher in Deutschland bekannt gewordene Todesanzeige stammt übrigens aus dem Jahre 1753. Damals wurde im Ulmischen Intelligenzblatt in der Rubrik „Vermischte Nachrichten“ Folgendes bekannt gegeben: „In der Nacht, unterm 14. huj. ist Titl. Herr Johann Albrecht Cramer, weiland des Raths, Zeugherr und Handelsmann allhier, in einem Alter von 70 Jahren an einem Schlagfluß verstorben.“ Das klingt trotz des Schlaganfalls für heutige Verhältnisse fast schon beschaulich. Heute ist ja wie dieses Beispiel zeigt, das Leben „schnell und zackig“ und das Sterben dann anschließend „kurz und schmerzlos“.

Dennoch, für manche ist der Tod auch ein Grund mal so richtig auf die Pauke zu hauen. So erfuhren die Leser der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung im August 2004 auf der Seite mit den Todesanzeigen von einer Frau G., dass ihr Mann just verstorben sei. Und eine Zeitungsseite weiter veröffentliche dieselbe Frau G. eine Familienanzeige, in der es hieß: „Jetzt wird gefeiert!“ Na dann, Prost!

Nett zweideutig wird dagegen ein Arzt von einem Patienten in die ewigen Jagdgründe für Weißkittel verabschiedet: „Zum Tod von Dr. med. Volker Poetsch fällt mir nur ein Wort ein: Danke. Ein Patient.“ Oft sehr komisch sind auch bei Todesanzeigensammlung.de die Texte aus der Rubrik „Selbstanzeigen“. Richtig zackig heißt es dort also: „Oberstleutnant Ferdinand Otto Mischke (...) gibt sich die Ehre, seinen Abruf in die Ewigkeit am 23. 12 1992 mitzuteilen.“ Und von Blumen oder gar Tränen hält der Verstorbene, wie er schreibt, rein gar nichts. Noch prägnanter ist Klaus Ammanns Anzeigentext: „Ich bin tot.“ Kürzer geht’s wohl kaum.

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