Igitt, Frauenthemen

Kaum war die Piratenpartei in Berlin erfolgreich, beginnt die Spökenkiekerei darüber, welche Themen für die Partei wichtig sein werden. Frauenthemen, so die Annahme, werden es jedenfalls nicht sein. Wenn man nur wüsste, was das eigentlich ist

Männerforen...

Gerade Technik- und Politikforen werden oft als reine Männerforen angesehen, weil die Zahl der männlichen Forenten höher ist als jene der weiblichen Exemplare. Dies ist solange unproblematisch, bis im Forum oder gar in einem der dort kommentierten Artikel ein sogenanntes "Frauenthema" aufkommt. Die Reaktionen der virtuell anwesenden Mnner lassen sich oft genug in "genervt" und "wütend/aggressiv" einteilen. Reflexhaft wird, oft auch begründet mit einer als zu stark empfundenen Präsenz von Frauen in Politik etc., das Thema als Eroberung der männlichen Domäne angesehen und entsprechend rau wird der Umgangston. Geradezu klassisch wird in Männer- und Frauenthemen unterteilt.

Einer ähnlichen Überlegung folgt derzeit so mancher Artikel, der sich mit dem Erfolg der Piratenpartei beschäftigt und bereits jetzt prognostiziert, welcher Themen sich die Piratenpartei annehmen wird. Dies wird an dem Frauenarteil der Partei selbst festgemacht, weil man davon ausgeht, dass "Frauenthemen" lediglich von Frauen angesprochen werden. Dabei sind ein Großteil der sogenannten Frauenthemen keine Themen, die lediglich Frauen betreffen, andere Themen, die nicht als solche Frauenthemen bezeichnet werden, sind es jedoch durchaus (auch). In diesem Zusammenhang sei das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) erwähnt, welches z.B. die Piratenpartei als Thema bereits "entdeckt" hat und das insofern nicht nur Männer oder Frauen, sondern jederman betrifft, welches aber in der einseitigen Sichtweise vieler eben nicht als "Frauenthema" gilt.

Ein Kampfbegriff names "Frauenthemen"

Durch eine Enttabuisierung von Hobbies und Berufen sind auch die klassischen Aufteilungen in Männer-/Frauenthemen obsolet geworden, wenngleich sie weiterhin gerne genutzt werden. Als Beispiel sind Kochen, Ballett oder auch Wellness/Kosmetik zu nennen, die lange Zeit als Frauenbereiche galten, jetzt aber gleichermaßen für Männer interessant geworden sind. Ähnliches gilt für Autos, Computer, Technik und Wissenschaft im allgemeinen.

Die Unterteilung in Frauen-/Männerthemen dient insofern eher einer Claimabsteckung, die längst überholt ist, jedoch auch als eine Art Kampfbegriff, um eine instinktive Abwehr einer Thematik vermeintlich rationell zu begründen bzw. um eine weitere Spaltung der Gesellschaft zu ermöglichen und zu vertiefen. Die Solidarität zwischen Männern und Frauen wäre möglich, würden nicht gerade auch jene, die sich vermeintlich für Frauen bzw. Männer einsetzen, an der Spaltung aktiv mitarbeiten.

Gerade aber das, was in den Medien als politische Frauenthemen angesprochen wird, ist bei näherer Betrachtung für die Gesellschaft an sich wichtig. Die Rente für Frauen in Pflegeberufen, kostenfreie Kinderbetreuung oder etwa Schwangerschaft (inklusive des Themenbereichs Inzestverbot, Abtreibungs- und Unterhaltsrecht sowie künstlicher Befruchtung etc.) auf Frauen zu reduzieren, ist zum einen kurzsichtig, zum anderen auch kontraproduktiv. Gerade der Bereich rund um den Unterhalt bringt in einer Endlosschleife z.B. jenen Ressentiments mit sich, die dann zu Aggression gegenüber Frauen an sich führen. Kostenfreie Kinderbetreuung wäre nicht nur für Frauen, sondern für Familien an sich eine Erleichterung, sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Möglichkeiten, während der ersten Lebensjahre des Kindes den Anschluss an die Arbeitswelt nicht komplett verlieren zu müssen. Die Zufriedenheit innerhalb von Familien würde dadurch gesteigert werden, was jedem zugute kommen würde.

Die willkürliche Einteilung in das, was Frauenthemen sind und was nicht, führt zu Spaltungen, die unnötig sind und einer produktiven Zusammenarbeit entgegenwirken. Es ist daher wichtig, diese Themen als Gesellschaftsthemen zu begreifen und in die öffentliche Diskussion zu bringen bzw in Parteiprogramme mit aufzunehmen. Diejenigen, die bereits jetzt davon ausgehen, dass dies nicht passiert und die in einer Art vergangenheitswiederholender Zukunftsprognose davon sprechen, dass eine männerdominierte Partei nicht auch diese Themen für sich entdecken kann, zeigen sich ebenso kurzsichtig wie jene, die sie kritisieren. (Twister (Bettina Hammer))

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