"Im Vergleich zur korrupten Hillary ein ehrlicher Geschäftsmann"

Bild Donald Trump: Gage Skidmore. Lizenz: CC-BY-SA-3.0 / Illustration: TP

Ex-Spion Rainer Rupp hält Donald Trump sicherheitspolitisch für die bessere Wahl

Während deutsche Medien nahezu einhellig Hillary Clintons "Mission" propagieren, die Welt vor einem Präsident Trump zu bewahren, sieht der ehemalige NATO-Insider Rainer Rupp den bizarr frisierten Kandidaten als Bewahrer vor den Neocons.

Anzeige
Sie wünschen sich - für einen Marxisten etwas ungewöhnlich - dass der karikaturhafte Kapitalist Donald Trump US-Präsident wird. Wie denn das?
Rainer Rupp: Erstens ist die Frage, ob "The Donald" bekennender Kapitalist ist oder nicht, eine Sache der US-amerikanischen Wähler. Das ist ihre Angelegenheit und geht mich nichts an. Zudem ist Frau Clinton kein Jota weniger kapitalistisch als Trump.
Zweitens erscheint mir Trump im Vergleich zur korrupten Hillary als ehrlicher Geschäftsmann.
Im Unterschied zu Trump steckt Hillary voll und ganz in den Taschen der Banken und Rüstungskonzerne, von denen Hillary bereits Hunderte von Millionen Wahlkampfspenden bekommen hat, während Trump aus keiner dieser Branchen auch nur eine Spende bekam. Bei Hillary müssen zudem die etwa 30 Millionen Dollar hinzugerechnet werden, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Bill allein in den letzten 5 Jahren an Honoraren für Reden (bis zu 400.000 pro Rede) von den global operierenden US-Großkonzernen privat eingenommen hat.
Hinzu kommen die Zig-Millionen Dollar Spenden für die Clinton-Stiftung. Sie kommen vornehmlich aus Saudi Arabien und benachbarten Scheichtümern und anderen Diktaturen. Aktuelle Untersuchungen machen zunehmend deutlich, dass Sinn und Zweck der Clinton-Stiftung einzig und allein darin zu bestehen scheint, den Wohlstand von Hillary und Bill zu mehren.
Im Vergleich zu dieser scheußlichen, kaum verdeckten Korruption bzw. Prostitution der um die Gunst des Großkapitals buhlenden Kandidatin Hillary erscheint Trump nicht nur für seine Parteigänger als einfacher und ehrlicher Geschäftsmann. Er ist bereits Milliardär, allein letztes Jahr ist er um fast 600 Millionen Dollar reicher geworden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Politik käuflich wird, ist daher gering. Das halten viele US-Bürger, welche die korrupte Kaste der Berufspolitiker in Washington am liebsten mit Knüppeln davonjagen würden, Trump besonders zugute. Von seinem öfters exzentrischen oder "karikaturhaften" Auftreten lassen sie sich nicht beeinflussen. Wenn er kein kühl rechnender Kopf wäre, wäre sein Immobilienimperium längst zusammengebrochen, ist ein oft gehörtes Argument.
Anzeige
Drittens: Wenn es nach dem Einknicken von Sanders nur noch um die außenpolitischen Intentionen der verbliebenen zwei Präsidentschaftskandidaten geht, dann fühle ich mich bei Trump um ein Vielfaches besser aufgehoben, als bei der Lieblingskandidatin der global agierenden US-Konzerne und der republikanischen und demokratischen Kriegstreiber, weshalb ihre Kritiker sie nicht zu Unrecht inzwischen Killery nennen.
Bei Trump dagegen haben die Neocons keine Chance, weshalb letztere nicht müde werden, sich neue Intrigen auszudenken, um ihn doch noch zu Fall zu bringen. Zugleich hat sich Trump bezüglich der Verbrechen der Neocons und ihrer Unterstützung und Zusammenarbeit mit Terroristen aller Art (ob islamische Fundamentalisten oder ukrainische Nazis) auf Kosten der US-Sicherheit und Bürger wiederholt als äußerst gut informiert gezeigt. Das sind gute Voraussetzungen zur sicherheitspolitischen Verständigung mit Russland und China, die man weder bei Sanders erkennen konnte und erst Recht nicht bei der käuflichen "crooked" Hillary.
Glauben Sie, dass ein Präsident Trump sich gegen die Neokonservativen und das Pentagon durchsetzen könnte?
Rainer Rupp: Ja, das glaube ich. Erstens hat Trump sich zum Ziel gesetzt, den Augias-Stall von Washington auszumisten. Dabei kann er auf unheimlich viel Unterstützung aus der Bevölkerung rechnen. Zudem finden alle zwei Jahre Wahlen für den US-Kongress statt, was Trump zu diesem Zweck ausnutzen kann.
Zweitens, wie bereits oben gesagt, ist Trump nicht käuflich. Ein guter Indikator dafür ist, dass er selbst gegenüber der Israel-Lobby eine erstaunlich dicke Haut gezeigt hat.
Drittens wird er das von den Neocons gegen ihn versprühte Gift, die Intrigen und Gehässigkeiten nicht vergessen. Das passt nicht zu seinem Charakter und er hätte auch keinen guten politischen Grund, sich ihnen anzunähern.
Viertens hat das Pentagon einen guten Teil seiner einst führenden Neocons selbst ausgemistet und die zionistische Lobby findet dort immer weniger Unterstützung. Zur Erinnerung sei die Pentagon-Studie erwähnt, die vor einigen Jahren bereits zu dem Schluss kam, dass Israel sich "von einem strategischen Guthaben der USA in der Region zu einer strategischen Belastung" entwickelt hat.
Trumps Erfahrung in Administration geht gegen Null, sein Charakter ist proletenhaft. Würde die Welt durch einen solchen Egomanen als Commander in Chief wirklich sicherer?
Rainer Rupp: Sicherlich sind Trumps administrative Erfahrungen, eine große Organisation zu führen, weitaus umfangreicher als die des großen US-Präsidenten Ronald Reagan, der außer Schauspielen nichts konnte. Und was ist mit George W. Bush gewesen?
Ach ja, Sie haben noch das "proletenhaftes Benehmen" Trumps angesprochen. Dafür zeigt er aber im Unterschied zu Hillary die Bereitschaft, mit Russland und China zu sprechen, wobei er auch die russischen und chinesischen Interessen berücksichtigen will. Auf die Interessen der Gegenseite einzugehen gehört übrigens zur Grundlage eines jeden erfolgreichen Handels und eines jeden guten Geschäftsmanns. Das macht die Welt sehr viel sicherer, als die in geschliffener Sprache vorgebrachten Hasstiraden von Hillary über Putin als "neuer Hitler".
Welche Auswirkungen hätte ein Präsident Trump auf die NATO?
Rainer Rupp: "The Donald" (Trump) würde mit seiner Forderung, möglichst viele US-Truppen aus Europa abzuziehen (am liebsten sogar alle) für die Regierung der BRD den Anlass und das glaubwürdige Motiv gegenüber allen noch verblieben Pro-NATO-Bürgern liefern, aus dem gefährlichen kriminellen Verein auszutreten.
Trumps Argument, die Europäer sollen selbst die Finanzierung ihrer Sicherheit übernehmen, geht allerdings an den tatsächlichen Motiven der sicherheitspolitischen US-Eliten für die Präsenz der US-Truppen in Europa vorbei und reflektiert stattdessen die Washingtoner Propaganda von der selbstlosen und aufopfernden Friedensrolle der USA in der Welt.
Mit seinem Spar-Argument - nämlich die US-Truppen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien und dem Mittleren Osten abzuziehen - kommt der "America First" Kandidat Trump bei der zunehmend verarmenden US-Mittelschicht gut an. Diese hat inzwischen die Nase voll von teuren ausländischen Interventionen, die zudem stets kläglich scheitern.
Genau deshalb versuchen die Neokonservativen im republikanischen Lager und die so genannten "liberalen Falken" im demokratischen Lager, die sich in ihrer expansiven Kriegspolitik kaum voneinander unterscheiden, bei der bevorstehenden Kandidatenkür Trump mit aller Macht und mit noch mehr Verfahrenstricks zu verhindern.

Von Markus Kompa aktuell im Westendverlag erschienen: Der Politthriller Das Netzwerk. (Markus Kompa)

Anzeige