Immer heftigere Wirbelstürme türmen Riesenwellen auf

Klimaveränderung führt zu mehr und heftigeren tropischen Wirbelstürmen

Eine neue wissenschaftliche Studie sagt mit Blick auf die Vergangenheit immer heftigere Hurrikane voraus. Die globale Erwärmung sorgt für immer mehr extreme Wetterlagen, dazu gehören auch die Wirbelstürme. Der Nationale Wetterdienst der USA sieht eine turbulente Saison kommen, von Anfang Juni bis Ende November werden dieses Jahr 18 bis 21 tropische Stürme erwartet, davon neun bis elf Hurrikane.

Eine durchschnittliche Hurrikan-Saison bringt nach Angaben des National Weather Service über dem Atlantik zehn tropische Stürme hervor, wobei sechs davon sich zu Hurrikanen auswachsen und zwei davon starke Wirbelstürme mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 178 Stundenkilometern werden (Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala).

Hurrikan Ivan über dem Golf von Mexico 2004. (Bild: NOAA)

Bis jetzt war 1933 das heftigste Jahr mit 21 Stürmen, gefolgt von 1995 mit 19 Stürmen. Die meisten Hurrikane gab es 1969, da tobten zwölf davon über die USA, und Rekordhalter mit acht besonders heftigen tropischen Wirbelstürmen ist das Jahr 1950.

Vergangenes Jahr litten die Amerikaner unter den tropischen Stürmen Bonnie, Earl, Hermine, Matthew, Nicole und Otto sowie der tropischen Depression Ten. Die Hurrikane trugen die freundlich klingenden Namen Alex, Charly, Danielle, Frances, Gaston, Ivan, Jeanne, Karl und Lisa (2004 Atlantic Hurricane Season).

Die Meteorologen könnten mit ihrer Prognose Recht haben, nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen scheint es durchaus wahrscheinlich, dass immer heftigere Hurrikane, Zyklone, Taifune und Willy-Willys zu erwarten sind.

In einer Vorab-Online-Veröffentlichung im Wissenschaftsjournal Nature berichtet Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology über seine Analysen der Wetteraufzeichnungen der letzten Jahrzehnte (Increasing destructiveness of tropical cyclones over the past 30 years). Die Ergebnisse sind niederschmetternd: Sowohl die Dauer als auch die höchsten Windstärken der tropischen Wirbelstürme haben sich in den letzten 50 Jahren um 50 Prozent erhöht. Es gibt durchschnittlich nicht mehr Stürme, aber sie toben immer länger und mit immer mehr zerstörerischer Kraft.

Hurrikan Ivan 2004 (Bild: NASA)

Theoretische Modelle und Computermodelle hatten das als mögliches Szenario in Folge des Treibhauseffekts vorhergesagt. Kerry Emanuel bestätigt diese Hypothese jetzt mit Fakten. Wichtig für die Entstehung eines tropischen Wirbelsturms ist die Oberflächentemperatur des Wassers. Bei mindestens 27 Grad Celsius geht es los, feuchtwarme Quellwolken steigen empor und die Luft beginnt zu wirbeln, das Auge des Sturms zu bilden (Günstige Winde für den Orkan: Ein Wirbelsturm entsteht).

Kerry bezog die Wassertemperaturen in seine Untersuchung mit ein und stellte fest, dass es in der Vergangenheit eine Übereinstimmung der steigenden Wärme mit der gesteigerten Sturmstärke gab. Sein Schluss lautet, dass die weitere Erderwärmung folglich auch künftig noch größere Sturmintensitäten erwarten lasse:

Meine Ergebnisse legen nahe, dass eine weitere Erwärmung in der Zukunft zu einem ansteigenden Trend des destruktiven Potenzials von Hurrikanen führen kann und – wenn man die steigende Anzahl an Küstenbewohnern mitberücksichtigt – einen substanziellen Anstieg der Schäden in Zusammenhang mit Hurrikanen im 21 Jahrhundert.

Sich auftürmende Riesenwellen

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science beschreiben David W. Wang und Kollegen vom Naval Research Laboratory der Navy die extremen Wellen, die Hurrikan Ivan vergangenes Jahr aufwarf. Der starke tropische Wirbelsturm der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von 211 bis 249 Stundenkilometern verwüstete schon Grenada, Jamaica, die Cayman-Inseln, Haiti und Kuba, bevor er am 15. September an der US-Küste eintraf und in den südlichen Bundesstaaten Florida und Alabama gewaltige Schäden anrichtete ( Hurricane Ivan Impact Studies).

Die Wissenschaftler des Naval Research Laboratory verfügen über spezielle Messgeräte, Barnys genannt, die in einer Tiefe zwischen 60 und 90 Metern am Meeresboden im nordöstlichen Golf von Mexiko (120 km südlich von Gulfport in Mississippi und 80 km östlich von Louisiana) unter anderem Strömungs- und Wellenstärken registrieren.

Sechs so genannte Barnys (den Namen tragen sie, weil sie in ihrer Form an Seepocken erinnern, in Englisch barnacles, kurz Barnys), die Ultraschall-Doppler-Profil-Strömungsmesser (ADCP), Temperatursensoren und Druckmessgeräte enthalten. Die hier abgebildeten Exemplare haben den Hurrikan Ivan überstanden und werden gerade an Deck eines Forschungsschiffes gehievt. Barnys sind deswegen so seltsam geformt, damit sie sich nicht in den Fangnetzen der Fischer verfangen. (Bild: William J. Teague, Naval Research Lab)

Die Messergebnisse der Barnys erstaunten die Forscher, denn Ivan warf mächtigere Wellen auf, als vorher vermutet. Die größte Woge maß von der Mulde bis zum Gipfel 27,7 Meter; immerhin 24 andere individuelle Wellen (gemessen wurden insgesamt 146) türmten sich höher als 15 Meter auf.

Bisher waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Hurrikane wesentlich kleinere Wellen erzeugen. In jedem Fall hat nie zuvor ein Forscher mit modernen Instrumenten eine extremere Welle gemessen als Wang und seine Kollegen. Dennoch sind sich die Ozeanografen sicher, dass ihnen nicht der allerhöchste Wasserberg ins Messnetz gegangen ist, weil zum Zeitpunkt ihrer Datenaufnahme nicht die höchsten Windgeschwindigkeiten herrschten – sie vermuten, dass Ivan Monsterwellen bis zu einer Höhe von 40 Metern geschaffen hat. (Andrea Naica-Loebell)