Immer noch großes Schweigen im Weltraum

Bild: seti.berkeley.edu

Auch die bislang aufwändigste Suche nach Signalen von Extraterrestrischen fand bislang keine Spur

Seit Jahrzehnten durchsuchen SETI-Wissenschaftler Radiowellen aller Art, um auf ein außergewöhnliches Signal zu stoßen, das nicht natürlich ist und nicht von der Erde stammt. 1977 hatte man mit dem "Big Ear"-Radioteleskop ein interessantes Signal aus der Richtung des Sternbilds Schütze aufgezeichnet. Der Astronom Jerry Ehman war der erste, der das bislang stärkste Schmalband-Signal auf dem Ausdruck entdeckte und "Wow" daneben schrieb.

Erklärt wurde es letztlich 40 Jahre später, Ehman hatte es als Reflexion eines Weltraumschrottstücks gedeutet, als Signal, das von Kometen stammte. Damit blieb vorerst das einzige Signal, das vielversprechend aussah, eine Enttäuschung - und die extraterrestrischen intelligenten Kulturen waren weiterhin eine Imagination oder ein unauffindbares Produkt der Wahrscheinlichkeit (Historisches SETI-Signal ohne Kosmogramm).

2015 gründeten Yuri and Julia Milner die Breakthrough Initiativen zur Erforschung des Weltraums und der Suche nach extraterrestischem Leben (Yuri Milner ist Gründer von Mail.ru). 2016 statteten die beiden das Programm Breakthrough Listen mit 100 Millionen US-Dollar aus, um 10 Jahre lang die nächsten eine Million Sterne und die nächsten 100 Galaxien nach optischen und Radiosignalen abzusuchen, die auf intelligentes Leben hindeuten können.

Nach drei Jahren hat das beteiligte internationale Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der University of California Berkeley Berichte der bislang umfangreichsten Suche vorgelegt. Die Daten, 219 Pentabytes an Information, gewonnen durch Beobachtungen mit dem Green Bank Radio Telescope (GBT) in West Virginia und dem australischen Parkes Radio Telescope, wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Abgehört wurden 1327 Sterne im Umkreis von 160 Lichtjahren von der Erde.

Es ist eine der wenigen wissenschaftlichen Studien, die einräumen, dass die Suche vergeblich war: "Nach dem Ausschluss von Ereignissen mit Eigenschaften, die mit irdischer Radio-Interferenz konsistent sind, blieben uns Null Kandidaten", so das Ergebnis. Durchsucht wurde das Spektrum zwischen 1,10 und 3,45 GHz nach "Technosignaturen". Damit soll zumindest Stufe 1 der Kardaschow-Skala zur Kategorisierung der Entwicklungsstufe extraterrestrischer Zivilisationen von 1964 ausgeschlossen sein, also eine extraterrestrische Zivilisation, die die verfügbare Energie auf ihrem Planeten zur Kommunikation nutzen kann, was Kardaschow mit 1016 Watt angab. Stufe 2 würde einer Zivilisation entsprechen, die die Energie des Zentralsterns ausbeuten kann, Stufe 3 die der Galaxie.

Als eine Methode, um Signale extraterrestrischen Lebens zu identifizieren, wurde eine Technik verwendet, bei der die Teleskope fünf Minuten lang auf ein Ziel gerichtet waren und dann ebenso lang auf ein anderes Ziel in der Nähe. Diese On-Off-Methode wurde dreimal wiederholt, wodurch die Wissenschaftler erkennen können, ob das Signal von einem bestimmten Ziel kommt oder sich auch aus anderen Richtungen zeigt. Dann wäre es wahrscheinlicher, dass es von menschlicher Interferenz zeugt. Überdies wurden die Signale mit anderen Methoden, auch mit KI-Programmen, gefiltert.

Die Wissenschaftler betonen, dass die Suche nach Signale extraterrestrischer Intelligenz einer äußert aufwändigen Suche nach einer Nadel in einem Heuhaufen entspricht. Sie verweisen auf eine Studie, die von einem "neundimensionalen Heuhaufen" spricht. Sie sagen natürlich, dass ihre Untersuchung, die nur ein Spektrum analysieren konnte, keinesfalls ausschließt, dass es nicht eine extraterrestrische Kultur geben kann. Man könne noch keine allgemeine Aussagen über das Vorhandensein von intelligenten Arten machen, die entsprechende Techniken entwickelt haben. Aber beginne nun, "klar definierte Grenzen des Verhaltens von fortgeschrittenem Leben im Universum" setzen zu können.

Wir durchsuchten Tausende von Stunden die Beobachtungen naher Sterne über Milliarden von Frequenzkanälen. Wir fanden keinen Hinweis auf künstliche Signale von jenseits der Erde, aber das bedeutet nicht, dass es dort kein intelligentes Leben gibt: Wir haben vielleicht nicht an den richtigen Ort geschaut oder sind nicht tief genug eingedrungen, um schwache Signale zu entdecken.

Danny Price, der führende Wissenschaftler der Studie

Das Breakthrough-Wissenschaftlerteam, das weiterhin Geld hat, wird die Suche auf weitere Sterne und Galaxien und auch mit höheren Frequenzen und mehr Signal-Formen fortsetzen.

Die Frage bleibt, ob andere Zivilisationen vielleicht auch Techniken nutzen, die wir nicht kennen und daher auch nicht entdecken können. Vielleicht wollen andere Zivilisationen auch nicht entdeckt werden und machen alles, damit keine Signale nach außen entweichen können. Vielleicht gibt es auch in unserer Nähe keine Exoplaneten, auf denen intelligente Wesen leben, deren Signale wir entdecken können. Sie könnten schon ausgestorben sein oder erst entstehen.

Noch fahren wir auf dem "Raumschiff" Erde, das wir bislang nur vorübergehend und in sehr kleinen Entfernungen verlassen können, einsam im Weltraum. Sind die Menschen also womöglich doch "auserwählt", was andererseits auch hieße, dass sie als kosmische Singles von anderen Zivilisationen nicht bedroht wären - und selbst als weltraumfahrende Pioniere auch keine andere Kulturen unterjochen könnten, wie dies auf der Erde geschehen ist (Die erste Zivilisation, die interstellare Reisen durchführen kann, "löscht notwendig jede Konkurrenz aus").