In China wird vor einem drohenden Krieg gewarnt

Südkoreanisch-amerikanische MIlitärübung zur Ausschaltung der nordkoreanischen Atomwaffen. Bild: DoD

Es findet eine Militärübung nach der anderen statt, auch das chinesische und russische Militär haben gemeinsam die Abwehr von Raketen geübt, vielleicht auch von amerikanischen

Südkoreanische und US-Truppen sollen vergangene Woche die Operation Warrior Strike geübt haben. Dabei sei es darum gegangen, in Nordkorea einzudringen, um Atomwaffen unschädlich zu machen, berichtete am Sonntag die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Solche Übungen werden immer wieder gemacht, vornehmlich mit der Drohung, die nordkoreanische Führung auszuschalten. Kurz davor waren erstmals 12 F-35A-Tarnkappenbomber im Rahmen einer anderen Übung über Südkorea geflogen, um Angriffs- oder Abwehrbereitschaft zu demonstrieren.

Während Südkorea und die USA weiterhin viele Militärübungen demonstrativ ausführen, werden in China Stimmen laut, die fürchten, dass eine kriegerische Auseinandersetzung drohen könnte. Wie die South China Morning Post berichtet, fordern Regierungsberater und ein hoher Ex-Offizier Peking auf, sich auf einen Krieg vorzubereiten. Die chinesiche Regierung würde zunehmend die Kontrolle über die Situation verlieren.

Die Bedingungen auf der Halbinsel, so der Professor für Internationale Beziehungen an der Renmin-Universität, Shi Yinhong, der auch den Staatsrat berät, würden jetzt "das größte Kriegsrisiko seit Jahrzehnten" darstellen. Donald Trump und Kim Jong-un seien in einem Kreislauf an Drohungen verfangen, den China nicht mehr durchbrechen könne. Bestenfalls könne China jetzt noch einen militärischen Konflikt verhindern. "Nordkorea ist eine Zeitbombe. Wir können nur die Explosion hinauszögern und hoffen, dass durch die Verzögerung noch der Sprengkopf entfernt werden kann", sagte er.

Auch Wang Hongguang, ein ehemaliger Kommandeur, warnte auf der Konferenz in Peking über den Nordkoreakonflikt, dass ein Krieg jederzeit ausbrechen könne, bis Südkorea und die USA im März wieder ihre alljährlichen großen Militärübungen abhalten. Er empfahl, dass man sich im Nordosten Chinas auf einen Krieg vorbereiten sollte.

Tatsächlich hatte Jilin Daily, die Zeitung der an Nordkorea angrenzenden Provinz Jilin, am 6. Dezember bereits Anleitungen der chinesischen Luftwaffe zum Schutz für den Fall eines Atomanagriffs veröffentlicht. Global Times erklärte dazu, das bedeute nicht notwendigerweise, dass es für China ein Risiko gebe, gefährdet seien primär Südkorea, Japan und die US-Stützpunkte in der Region. Zuvor hatte auch schon China Daily in einem Kommentar gewarnt, dass die Situation zunehmend außer Kontrolle gerate. Zudem weist Wang darauf hin, dass ein Artikel in Jilin Daily über Vorbereitungen zum Einrichten von Flüchtlingslagern berichtet habe. Das sei "für das Land ein Zeichen für einen kommenden Krieg". Allerdings kursierten ähnliche Gerüchte schon einmal vor Monaten.

Zhu Feng von der Nanjing-Universität meinte, China solle sich auf jeden Fall "psychologisch und praktisch auf einen katastrophalen Atomkonflikt, eine atomare Verseuchung oder eine Atomexplosion" einstellen, so gering die Wahrscheinlichkeit auch sein mag. Offenbar ist die Einstimmung in einen Kriegsmodus angesagt. Die Chinesen dürften sich nicht länger in ihre Schneckenhäuser zurückziehen: "Warum glauben wir immer, dass ein Krieg nicht geschehen wird?" Auch er wies auf den sinkenden Einfluss Pekings auf Nordkorea hin, was "Chinas Status und Rolle bei ostasiatischen Sicherheitsthemen" schwäche.

Untätigkeit will sich die Volksarmee nicht vorwerfen lassen. Das Verteidigungsministerium teilte gestern mit, man habe Militärübungen gemeinsam mit russischen Streitkräften durchgeführt. Man habe geübt, schnell und gemeinsam auf simulierte plötzliche und provokative Raketenangriffe auf beide Länder zu reagieren. Das ist natürlich ein Szenario, das Nordkorea beeindrucken soll.

Aber nicht nur, denn der militärische Schulterschluss ist wohl auch gegen die USA gerichtet (Die USA sind der unvorhersagbarste Akteur der Welt). China vor allem, aber auch Russland, hatte scharfe Kritik an der Installation des THAAD-Raketenabwehrsystems in Südkorea geübt, weil dessen Radarsysteme weit in beide Länder hineinschauen können. Deswegen war es zu Verwerfungen zwischen China und Südkorea gekommen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, der Anfang des Jahres das Amt angetreten hatte, war zunächst auch gegen das THAAD-System gewesen und wollte die Beziehungen zu Nordkorea entspannen. Aufgrund der fortwährenden Raketen- und Atomtests machte er dann aber eine Kehrtwendung.

Moon hat gerade Xi Jinping in Peking besucht, wo beide offenbar einen Weg gefunden haben, den Konflikt beizulegen. Xi bezeichnete Südkorea als "freundlichen Nachbarn" und kündigte wieder intensivere wirtschaftliche und politische Beziehungen an. Aus Südkorea heißt es, die beiden Staatsführer hätten die Krise "vollständig" gelöst, auch wenn das THAAD-Propblem noch nicht ganz aus der Welt sei. Beide betonten im Unterschied zu Trump, dass der Konflikt mit Nordkorea nur friedlich auf Verhandlungsweg gelöst werden kann und darf. Beide Länder wären von einem Atomkrieg auch am stärksten betroffen.

Nordkorea, das entschlossen zu sein scheint, trotz der scharfen Sanktionen auch von chinesischer Seite, in keine Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm einzutreten, sondern die Atomwaffen als Garantie für das Regime sieht, kritisierte den Besuch scharf. Es schließt sich damit ein weiterer Ring um das Land. Moons Besuch wurde als "eine wertlose Bettlerreise" bezeichnet, um aus der internationalen Isolation durch seine Anbindung an die US-Politik herauszukommen. Südkorea wolle die Konfrontation durch die "verstärkte Kooperation mit ausländischen Kräften eskalieren".

Kürzlich wurde berichtet, dass Nordkorea sich auf einen weiteren Atomwaffentest vorbereiten könnte. Es wurden entsprechende Aktivitäten an der Atomwaffenteststelle auf Satellitenbilder gesehen. (Florian Rötzer)

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