In Deutschland ist die Zahl der Fahrraddiebstähle drastisch zurückgegangen

Oder ist nur die Bereitschaft gesunken, einen Diebstahl anzuzeigen?

Fahrräder müssen mit Schlössern gesichert werden, da sie ein begehrtes Objekt sein können, auch wenn sie gleichzeitig Überflussprodukte zu sein scheinen, die ihre Besitzer - oder die Diebe - in großen Mengen auf Straßen und Plätzen für lange Zeit herumstehen lassen oder dort hinterlassen. Schließlich dürften viele Fahrradfahrer im Besitz von mehreren unterschiedlich alten und teuren Rädern sein.

Screenshot aus Bike Theft: The Movie

Ein kurzer Werbefilm Bike Theft: The Movie für die britische Firma, die Bike Dock Solutions u.a. Schlösser und andere Mittel zur Sicherung und zum Schutz von Fahrrädern anbietet, dramatisiert natürlich die Situation. Das Video ist aber ganz aufschlussreich als soziale Studie. Mit einer versteckten Kamera wurde an einem Sonntagvormittag auf einem Markt gefilmt, wie sich die Menschen verhalten, vor deren Augen ein Fahrrad gestohlen wird. Die wurden mit einem windigen Spiralkabelschloss an Zäunen festgemacht, das dann ganz offen von einem Schauspieler mit einem Bolzenschneider aufgeknackt wurde.

Zumindest in diesem Video hat keiner eingegriffen, der der Vorgang beobachtet hatte und den vermeintlichen Dieb wegfahren sah. Die einen tun so, als hätten sie nichts gesehen, die anderen schmunzeln oder machen sich über die Dreistigkeit lustig. Ein Mann schaut zu und kann es nicht fassen, sagt aber auch nichts und holt nach einigem Überlegen dann einen Standbesitzer, dem er die Geschichte erzählt und das geknackte Schloss zeigt. Den lässt das freilich ziemlich kalt. Die Moral der Geschichte ist für die Firma klar. Man darf sich auf seine Mitmenschen nicht verlassen, sondern muss mit den richtigen Mitteln sein Fahrrad vor dem Geklaut werden schützen.

Man ist angesichts eines Fahrraddiebs amüsiert. Screenshot aus Bike Theft: The Movie

Angeblich wird jede Minute in Großbritannien ein Fahrrad gestohlen. Nur 20 Prozent der Diebstähle würden der Polizei gemeldet, 5 Prozent bekommen sogar ihr Fahrrad wieder zurück. 66 Prozent derjenigen, denen ein Fahrrad gestohlen wurde, sollen danach weniger oft radeln, 24 Prozent sollen ganz damit aufhören. Mit der Popularität des Radfahrens würde die Zahl der Diebstähle ansteigen.

Blickt man auf die aktuellste Polizeiliche Kriminalstatistik in Deutschland, gehen allerdings trotz einer deutlich angestiegenen Zahl von Menschen, die mit dem Fahrrad fahren, die Diebstähle zurück - und zwar in erheblichem Maß. 1993 wurden noch mehr als 500.000 Diebstähle im ganzen Bundesgebiet gemeldet. Dann gingen sie kontinuierlich bis 2000 unter 400.000 zurück. Dann gab es bis 2003 erneut einen Anstieg auf fast 450.000. Seitdem gehen sie wieder kontinuierlich zurück. 2010 ist ein Tiefststand mit 300.000 Diebstählen, wie immer inklusive "Gebrauchsentwendung", angegeben.

Im Süden werden weniger Fahrräder geklaut. Grafik: BKA

Wie in Großbritannien werden auch in Deutschland die meisten Fahrraddiebstähle nicht angezeigt. Der Rückgang der Diebstähle könnte möglicherweise auch durch eine sinkende Bereitschaft zu erklären sein, zur Polizei zu gehen, weil die Wahrscheinlichkeit, das geklaute Rad zurückzubekommen, sehr gering ist. Allerdings sind in derselben Zeit auch Diebstähle aus Kraftfahrzeugen und von solchen zurückgegangen. 38,3 Prozent der Tatverdächtigen waren Minderjährige, 92 Prozent waren männliche Tatverdächtige. In Bremen werden relativ zur Bevölkerung mit 1053 auf 100.000 Einwohner am meisten Fahrraddiebstähle begannen und/oder gemeldet. Darauf folgen Hamburg mit 634 und Schleswig-Holstein mit 618. Schlusslicht sind Thüringen (160) und das Saarland (91). (Florian Rötzer)

Anzeige