In New York City ist etwas passiert

Resistance 3 erneuert die Idee der Vorgänger nicht - erweitert sie aber in die Gegenwart

Der erste Teil des Computerspiels „Resistance – Fall of Men“ erschien zeitgleich mit der Konsole, für die er ausschließlich als „System Seller“ programmiert worden war: 2007 konnte man auf der PlayStation 3 in die 50er-Jahre zurückkehren und sich eine Welt anschauen, die nicht von der Wasserstoffbombe, sondern von Mutanten bedroht wurde. Das Spiel bekam aufgrund einer Sequenz vor religiösem Hintergrund Probleme und wurde von Sony gepatcht. Im zweiten Teil wurde die Geschichte 2008 weitererzählt – den Koop-Modus ließ man zum Ärger vieler Spieler fort. Jetzt, im Dritten Teil, spielt Religion wieder eine Rolle – und zum Glück auch für einen oder zwei Spieler gleichzeitig.

Erzählt wird die Geschichte von Joe Capelli, die sich vier Jahre nach Ende des zweiten Teils zuträgt: Capelli hat den Held der ersten beiden Teile, Nathan Hale, getötet, nachdem dieser sich mit dem Virus der Aliens infiziert hatte und selbst zu einem solchen zu mutieren begann. Das brachte Capelli die unehrenhafte Entlassung aus der Armee ein, denn Helden bringt man nicht um. Allerdings diente Hale noch nach seinem Tod der guten Sache: Aus seinem Blut konnte von Dr. Malikov ein Serum entwickelt werden, dass die Menschen gegen die Umwandlung in Chimeras – so der Name der Invasoren – feite. Dumm nur, dass nun nur noch 10 Prozent der Menschheit übrig war und die Aliens somit auch auf konventionellem Wege erfolgreich mit ihrer Invasion zu sein scheinen.

Malikov spürt Capelli, der sich zwischenzeitlich mit seiner Frau Susan und seinem Sohn Jack kleinfamiliär niedergelassen hat, auf, denn es gibt eine neue Aufgabe für ihn. Die Aliens haben begonnen, die Erde einem Terraforming-Prozess zu unterziehen. Gigantische Klima-Anlagen im Orbit, die mit stationären Türmen auf dem Boden verbunden sind, sorgen für eine Abkühlung der Temperaturen weltweit. New York ist Berichten zufolge bereits unter Eis und Schnee begraben. Malikov bitte Capelli nun, die Menschheit vorm Kältetod zu bewahren und herauszufinden, wie man den Terraforming-Prozess stoppen kann. Zusammen mit Susan (und unter Verweis auf die Zukunft Jacks) bringt er Capelli dazu, seine Bullseye wieder vom Haken zu nehmen und sich auf den Weg in den Frozen Apple zu machen.

Die neuen Götter und der alte Gott

Gegenüber seinen Vorgängern sticht „Resistance 3“ weder positiv noch negativ heraus. Die Story verläuft völlig linear, die typischen Alien-Shooter-Ingredienzien sind sämtlichst vorhanden: Vom vielfältigen Waffenarsenal über informierende und anfeuernde Cut-Scenes bis hin zu schwer zu erledigenden Boss-Gegnern. Wie in den Vorgängern besticht der dritte Teil der Reihe durch teilweise enorm große Gegner. Man fühlt sich an die Schlusssequenz von Frank Darabonts Film "The Mist" erinnert, wenn Capelli auf dem Weg nach New York mit dem Boot durch einen halb gefrorenen, nebligen Sumpf fährt und dabei auf so genannte „Goliaths“ stößt – das sind etwa 50 Meter große, mehrfüßige Aliens, die schon aufgrund ihrer Größe eigentlich kaum zu besiegen sind.

Diese Größe ergibt im narrativen Überbau durchaus einen Sinn: Solch monströs-erhabenen Ausmaße, wie auch die der in den letzten Spielsequenzen auftauchenden Terraforming-Station in New York lässt unwillkürlich an Lovecrafts Cthulhu denken, jenem vor Urzeiten aus dem Weltraum auf die Erde gekommenen Dämon. Und in der Tat haben einige der Aliens in „Resistance 3“ wie das auch das „The Mist“-Ungeheuer Tentakeln wie Cthulhu. Gegen so viel unterirdische Abgötterei hilft nur wahrer Glaube und so wird hier und dort in die Cut-Scenes und die Gespräche der Figuren der Gottesglaube eingestreut, um die verbliebene Menschheit mit einem Leitbild für die Schlacht zu versorgen. Bei „The Mist“ hat das nicht geklappt; bei „Resistance 3“ schon.

„Kämpfen oder Sterben“

Die Losung für den derartig heiligen Krieg gegen die Aliens lautet „Kämpfen oder Sterben“ und die Parallelen des Spielplots zu real existierenden Glaubenskriegen kommen nicht von ungefähr. Dass in New York „etwas passiert“ ist, wie es am Ende heißt – womit der unvermeidliche Einsturz des Terraforming-Turms gemeint ist – bekommt 2011, 10 Jahre, nachdem in New York schon mal ein riesiges Hochhaus in einem kriegerischen Akt zerstört wurde, einen eigenartigen Beiklang. Hier mischen sich – wie üblich in der Science Fiction – fantastische Plots mit kontemporären Angst-Bildern der westlichen Kultur, um das Böse symbolisch qua Computerspiel bannen zu helfen.

So ist auch der im Radio in der finalen Cut-Szene zu hörende Satz „Die Sonne scheint und die Temperatur steigt“ keineswegs als Hinweis auf eine wie auch immer geartete real existierende Klimaerwärmung zu verstehen, sondern das Sonnenbild reiht sich ein in die Metaphorik des Guten, Göttlichen; eine in der christlichen Mythologie von je her bekannte Lichtmetapher. Es gibt eben Ziele mit höherer Priorität als den schleichenden Treibhauseffekt.

Planes, Trains & Automobiles

Wir haben es im dritten Teil von „Resistance“ also allenfalls mit einem zwar gut aussehenden aber sowohl in Spielplot als auch Diskursverarbeitung recht typischen Alien-Shooter zu tun. Das Spiel greift auf derzeit überall verhandelte Sujets und Settings zurück – allem voran natürlich diejenigen rund um das Dauerbrenner-Thema Apokalypse. Die Spielwelt liegt in Trümmern; irgend etwas Manifestes von der menschlichen Kultur zu retten, kann also kaum das Thema sein. Die furios inszenierten Trümmerlandschaften – allem voran ein zugeschneites New York, wie man es seit Emmerichs „The Day after Tomorrow“ nicht mehr gesehen hat – zeigen deutlich, dass nach der Invasion ein totaler Neuanfang auf dem Plan stehen muss. Darin ähnelt der Spielplot den meisten apokalyptischen Science Fiction dieser Tage.

Originell ist allerdings eine Sequenz im letzten Drittel: Als der Held, der seine Odyssee zunächst fliegend und bootsfahrend bestritten hatte, schließlich einen Dampflok-betriebenen Zug findet, mit dem er die letzte Etappe seiner Reise zurücklegt und dabei durch eine Gegend kommt, die von Banditen unsicher gemacht wird. Da ändern sich die Gegner von Aliens zu Mördern und Plünderern, es finden Werstern-ähnliche Shootouts statt und einigermaßen derbe Splatter-Sequenzen verstören das ansonsten eher xenophobe Geschehen. Dr Feind – die Standard-Message der 50er-Paranoia-SF – ist eben auch im Innern zu finden. Das Spiel baut sich also qualitativ durchaus auf, zumindest was die Szenerien betrifft. Für den vierten Teil, der sicherlich nicht lange auf sich warten lässt, schlägt „Resistance 3“ die notwendige narrative Brücke. Viel mehr leider aber nicht.

(Stefan Höltgen)

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