In Südkorea gibt es die schnellste Zunahme von Singlehaushalten

12 Millionen Menschen leben in Korea als Single, jährlich wächst die Zahl der Singlehaushalte um 6,4 Prozent

Wie in allen Industriegesellschaften leben auch in Südkorea immer mehr Menschen als Single. Nach der Statistikbehörde sind das bereits 23,9 Prozent der Menschen (zum Vergleich: in Deutschland waren es 2011 nur 20 Prozent). Damit haben Singlehaushalte die traditionelle vierköpfige Familie aus Eltern und 2 Kindern, in der 22,5 Prozent der Koreaner leben, symbolisch überholt.

Schon vor einigen Monaten hatte das Korea Institute for Health and Social Affairs (KIHASA) einen Bericht veröffentlicht, nach dem immer mehr Männer und Frauen für den Rest ihres Lebens Singles bleiben werden (Ein Fünftel der jetzt 20-jährigen Südkoreaner soll für den Rest des Lebens Single bleiben). Von den jetzt 20-jährigen Männern sollen 23,8 Prozent zumindest bis zum Alter von 45 Jahren Single bleibt. Da normalerweise bis spätestens zu diesem Alter geheiratet wird, schließt man daraus, dass sie auch weiter alleine leben. Bei den jetzt 20-jährigen Frauen sollen 18,9 Prozent Singles bleiben.

Warum die Menschen auch in jungen Jahren mehr und mehr alleine leben, geht aus dem Berichten nicht hervor. Aber nun heißt es, dass die Versingelung die Gesellschaft verändere. Es gebe, so berichten koreanische Medien, eine neuen Trend: die Single-Kultur. Sie beeinflusse, wie die Menschen ihre Zeit und ihr Geld "ausgeben", was natürlich auf den Rest der Gesellschaft zurückwirkt.

Sonderlich in die Tiefe gehen die Berichte nicht, aber sie weisen darauf hin, dass neue Vermarktungsstrategien für diejenigen entstehen, die alleine in ein Cafe, in ein Restaurant oder ins Kino gehen. So habe sich ein Restaurant auf die Singles eingestellt, weil 40 Prozent der Kunden alleine kämen. Nur 6 Tische wären für zwei Personen, der Rest der Sitzplätze sei auf die Singles ausgerichtet.

Allerdings kriegt durch den Bericht man den Eindruck, dass Alleinlebende angeblich auch alles alleine machen würden, was natürlich Unsinn ist. Nett ist der Hinweis auf eine Karaoke-Bar für Singles. Dort sollen Räume angeboten werden, die gerade einmal 3,3 Quadratmeter hätten und mit einem Mikrofon, einer Karaoke-Maschine und einem Songbuch ausgestattet seien. Die Hälfte der Räume sei auch während der Woche reserviert. Singen die also fröhlich alleine vor sich hin oder wollen sie für größere Auftritte üben? Vielleicht hat da ein Journalist auch mal ein wenig fantasiert. Dass allerdings die Haustierbranche mit Pflegesalons, Tiercafes und Tierbestattungsangeboten boomt, ist durchaus glaubwürdig.

Letztes Jahr wurden freilich andere Zahlen veröffetnlicht, die aber in dieselbe Richtung zeigen. Danach gab es 2012 bereits 4,52 Millionen Singlehaushalte, mit 25,9 Prozent bilden sie bereits mehr als ein Viertel aller Haushalte. 1980 waren es erst 4,8 Prozent, der Anstieg ist mithin rasant und krempelt die Gesellschaft um. Jährlich sollen die Singlehaushalte in Korea seit 2000 um 6,4 Prozent anwachsen, mehr als in jedem anderen Land.

Klar wird aus diesen Zahlen, dass mit einem Durchschnittsalter von 57,9 Jahren die meisten Alleinlebenden ältere Menschen sind, deren Lebensstil von dem der jungen Singles deutlich abweicht. 26 Prozent sind über 65 Jahre, allerdings haben die Singles in den 20er und 30er Jahren bereits einen Anteil von 38 Prozent. Da die meisten Singles allerdings noch älter sind, ist auch das durchschnittliche Einkommen der Single-Haushalte geringer als das der übrigen. Daneben gibt es aber die gut verdienenden jüngeren Singles, die man in Korea auch wegen ihrer Kaufkraft "single-sumer" nennt, auf die sich auch zunehmend die Wirtschaft einstellt: kleinere Häuser oder Wohnungen, kleinere Waschmaschinen oder Sofas, andere Freizeitangebote und Reisen etc.

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