In den Produkten von Novartis sind keine genveränderten Bestandteile

Damit entspreche man nur den Verbraucherwünschen, stelle aber weiter genveränderte Samen her

Novartis, einer der weltweit größten Hersteller von genveränderten Samen, hat beschlossen, für ein Jahr in seine Lebensmittelprodukte keine genveränderten Bestandteile aufzunehmen. Die Entscheidung wurde von dem Konzern allerdings nicht öffentlich bekannt gegeben, sondern lediglich in einem Brief auf eine Anfrage von Greenpeace mitgeteilt.

Greenpeace meldet daraufhin erfreut, dass Novartis mit diesem Entschluss "das erste multinationale Unternehmen ist, das sich weltweit bei Lebensmitteln auf einen Standard ohne gentechnisch veränderte Bestandteile verpflichtet." In dem Brief von Novartis vom 30. Juni wird insbesondere darauf hingewiesen, dass die Herstellung des Süßigkeitsriegels Cereal Chocosoja gestoppt wurde, weil Novartis nicht garantieren könne, dass er frei von gentechnisch veränderten Bestandteilen ist.

Sheldon Jones von Novartis, zuständig für Verbraucherschutz in den USA, versucht, die Meldung von Greenpeace herunterzuspielen. Die Entscheidung sei nichts Neues. Schon vor einem Jahr habe man sich entschlossen, aus den Produkten alle gentechnisch veränderten Bestandteile soweit wie möglich zu entfernen. Man nehme zwar keine gentechnisch veränderten Bestandteile mehr in die vom Konzern hergestellten Lebensmittel, beispielsweise in die Gerber-Babynahrung, mehr auf, aber man werde weiterhin gentechnisch veränderte Samen herstellen und verkaufen. Der Entschluss des Konzerns, betont Jones, habe nichts mit einer veränderten Einstellung zur Gentechnik zu tun, denn man sei weiterhin von deren Sicherheit überzeugt: "Aber wir wollten nicht, dass Namen wie Gerber in der Diskussion auftauchen. Das ist eine Reaktion auf Ängste der Verbraucher, und besonders bei Babynahrung sind damit sehr sensible Probleme verbunden."

Ganz bescheiden meinte Jones überdies, dass man die Entscheidung nicht öffentlich bekannt gegeben habe, weil man sie nicht als Vermarktungsmittel einsetzen wollte: "Wir können nicht sagen, wir seien GMO-frei (genetically altered organism), weil es die wechselseitige Befruchtung unwahrscheinlich macht, dass jeder einigermaßen große Lebensmittelproduzent dies sein kann." Das könnte natürlich auch wieder Futter für die Kritiker sein, die zumindest fordern, dass Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen entsprechend ausgezeichnet werden, was allerdings nur dann Sinn macht, wenn die übrigen Lebensmittel dann keine derartigen Bestandteile aufweisen. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass nach Europa nicht nur Saatgut geliefert wurde, in dem auch genveränderte Samen enthalten war, sondern dass auch in vielen Lebensmitteln bereits in geringen Mengen genveränderte Bestandteile sind. Neben der EU haben jetzt auch Australien und Neuseeland beschlossen, dass Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen ausgezeichnet werden müssen. Allerdings wurden auf Druck der Industrie Restaurants davon ausgenommen.

Greenpeace sieht im Entschluss von Novartis eine begrüßenswerte Entwicklung, auch wenn natürlich kritisiert wird, dass der Konzern etwa weiterhin gentechnisch veränderten Bt-Mais herstellt und verkauft, dessen bakterielles Toxin möglicherweise die Umwelt und die Menschen gefährden könnte: "Novartis hat sich an die Spitze gesetzt," so Isabelle Meister von Greenpeace, "um die allgemeine Praxis von doppelten Maßstäben abzuschaffen, bei der hochqualitative, keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthaltende Lebensmittel an Verbraucher in Europa, aber gentechnisch veränderte Lebensmittel ohne Auszeichnung an die Verbraucher beispielsweise in Amerika oder Asien verkauft werden." Aufgerufen werden alle Lebensmittelproduzenten wie etwa Kellog's, nicht nur nach Europa nicht genveränderte Lebensmittel zu liefern, sondern dies auch für andere Länder umzusetzen. Und natürlich wird Novartis auch gleich daran erinnert, doch konsequent zu handeln und gleich die Herstellung von Gen-Samen einzustellen. (Florian Rötzer)