Indien erhöht Zölle

Indische Rupien. Foto: itkannan4u. Lizenz: CC0

Die Maßnahme hat nicht nur mit Donald Trumps Handelspolitik, sondern auch mit der Schwäche der Rupie zu tun

Die indische Regierung hat heute die Einfuhrzölle auf Kerosin, Kunststoffprodukte, Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen, Reifen, Lautsprecher, Schuhe, Edelsteine und eine Reihe weiterer Importgüter erhöht. Viele dieser Waren bezieht das Land aus China und Südkorea, aber auch für amerikanische Firmen wie Nike und Bose befürchten Analysten Einbußen. Stellungnahmen dazu gibt es aus diesen Unternehmen bislang noch nicht.

Für Klimaanlagen, Kühlschränken und Waschmaschinen verdoppelt sich der vorher erhobene zehnprozentige Zollsatz auf 20 Prozent. Auf Flugbenzin, das bisher zollfrei war, beträgt der neue Aufschlag fünf Prozent. Bei Import-Edelsteinen, für die schon fünf Prozent Zoll gezahlt werden mussten, steigt der Satz auf siebeneinhalb Prozent. Besonders diese Erhöhung war umstritten, weil das edelsteinverarbeitende Gewerbe in Indien fünf Millionen Menschen beschäftigt und etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Nicht nur Reaktion auf US-Zölle

Auch wenn amerikanische Firmen von den Zollerhöhungen betroffen sind, gilt dieser Schritt Analysten nicht ausschließlich als Reaktion auf die von Donald Trump eingeführten neuen Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA (vgl. Amerikanische Stahl- und Aluminiumzölle sollen in zwei Wochen gelten), sondern als Teil des von Premierminister Narendra Modi bereits länger propagierten protektionistischen "Make-in-India-Programms.

Dieses Programm, das auch Exporthilfen und Steuererleichterungen verspricht, soll das Handelsdefizit verringern und den Verfall der indischen Rupie aufhalten. Die verlor alleine im letzten Jahr über zwölf Prozent an Wert. Das war für Indien unter anderem deshalb problematisch, weil der Ölpreis im selben Zeitraum stieg und das Land zu 80 Prozent von Energieimporten abhängig ist (vgl. Neues Rennen zum Mond).

Handelsdefizit

Das indische Handelsdefizit stieg zwischen April und Juni 2018 selben Zeitraum von umgerechnet elf auf etwa dreizehneinhalb Milliarden Euro oder 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Anhand dieser Entwicklung wurde befürchtet, dass es bis zum April 2019 auf 2,9 Prozent steigen könnte. Ursache dieses Defizits ist eher der Handel mit ostasiatischen Technologieherstellern und Energieexporteuren als der mit den USA: 2016 bezog Indien von dort nämlich nur Waren im Wert von 42 Milliarden Dollar, während es gleichzeitig indische Güter im Wert von 72 Milliarden Dollar in die USA exportierte.

Rechnet man alle 19 Warenkategorien zusammen, auf die jetzt die Zölle erhöht wurden, kommt man im letzten indischen Fiskaljahr (das von April 2017 bis März 2018 geht) auf etwa 860 Milliarden Rupien (beziehungsweise umgerechnet gut zehn Milliarden Euro). Das ist etwa ein Vierzigstel der gesamten indischen Importe. Als die Zollpläne im Juli aufkamen, hatte man über einen deutlich größeren Pool an Waren diskutiert, der etwa 180 Milliarden Euro wert gewesen wäre.

Ob die nun tatsächlich verhängten Zölle ausreichen, Indiens Probleme mit dem Handelsdefizit und dem Währungsverfall spürbar zu lindern ist fraglich. Auch deshalb, weil viele der Waren als Luxusgüter relativ unempfindlich gegen Preissteigerungen sind: Kosten sie mehr, erhöht sich potenziell auch ihr Prestigewert.

Zinssatzerhöhung erwartet

Im Dezember und im Februar verhängte Zollerhöhungen auf Mobiltelefone, Fernseher, Autoteile und etwa 40 weitere Produkte hatten bezüglich des Handelsdefizits und der Währungsstabilität nicht die erhofften Auswirkungen. Soumya Kanti Ghosh, der Chefökonom der SBI, glaubt deshalb, dass auch die nun verhängten Zölle der Rupie "nicht langfristig helfen werden". Er propagiert stattdessen ein "aktiveres" Eingreifen in den Devisenmarkt.

Von der indischen Zentralbank RBI, der die SBI gehört, erwarten Analysten im Oktober eine Zinssatzerhöhung zum Stützen der Rupie. Sie würde einer gestern bekannt gegebenen Maßnahme in den USA folgen, wo die Notenbank die Zinssätze auf zwei bis 2,25 Prozent erhöhte. Vorher hatte sie den Leitzins bereits im März und im Juni angehoben. Mit diesen Erhöhungen will die Fed eine Überhitzung der US-Konjunktur verhindern, die gerade dafür sorgte, dass die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit 1969 sank, wie Donald Trump auf Twitter bekannt gab. Die Europäische Zentralbank EZB fährt dagegen eine Nullzinspolitik. (Peter Mühlbauer)