Indien sucht Kampfjets für Flugzeugträger

Flugzeugträger Vikrant. Lizenz: GODL-India

Im Wettrüsten mit China prüft man Alternativen zum russischen Angebot

Derzeit verfügt Indien über nur einen Flugzeugträger, die INS Vikramaditya ("Sonnenmut"). Das umgebaute Sowjetschiff der Kiew-Klasse ist mit 30 MiG-29K bestückt. Im übernächsten Jahr soll es durch die Vikrant ("Mutig") ergänzt werden, die die indische Regierung nicht gebraucht von Russland kaufte, sondern im eigenen Land entwickeln ließ.

Zu Beginn der nun bereits seit 15 Jahren andauernden Bauzeit der Vikrant ging man davon aus, dass sie mit MiG-29K Abfangjägern bestückt sein würde. Nun hat die indische Marine bei der amerikanischen Firma Boeing und beim französischen Rüstungskonzern Dassault nachgefragt, ob diese Hersteller F-18 Super Hornet oder Rafale-Jets liefern könnten, welche für Starts auf der Vikramaditya und der Vikrant geeignet wären. Ein dritter möglicher Lieferant, der indische Staatskonzern Hindustan Aeronautics Limited (HAL), hat flugzeugträgertaugliche Maschinen frühestens ab 2032 im Angebot.

Nicht nur katapult-, sondern auch sprungschanzengeeignet?

Die Vikramaditya und die Vikrant sind mit Sprungschanzensystemen ausgestattet. Mit solchen Systemen kann die Startbahn kürzer sein, weil die Flugzeuge wegen einer Aufwärtsbiegung nicht nur nach vorne, sondern auch nach oben beschleunigen. Alternativ (oder gleichzeitig) ist auch eine niedrigere Startgeschwindigkeit möglich.

Die Vereinigten Staaten und Frankreich nutzen dieses System auf ihren Flugzeugträgern nicht, sondern setzen stattdessen Katapulte als Starthilfen ein. Deshalb wurden die F-18 Super Hornets und die Rafale-Jets für Starts mit solchen Katapultsystemen konstruiert. Die Franzosen sollen den Indern aber bereits versichert haben, dass ihre lange sehr schleppend verkaufte Rafale (vgl. Später Erfolg für einen Ladenhüter) auch von Sprungschanzen aus starten kann. Das habe man mit Computermodellen errechnet.

Grenzkonflikte im Himalaya

Trotz der Anfragen und trotz der seit 2016 geäußerten Probleme mit der Einsatzbereitschaft und Ersatzteillieferungen scheint das indischen Verteidigungsministerium aber auch die bereits in den 1980er Jahren entwickelten Mikojan-Flugzeuge noch nicht ganz abgeschrieben zu haben. Immerhin ließ es sich am 3. Juli von Russland den Kauf 21 weiterer MiG-29 genehmigen. Diese Maschinen sollen zusammen mit zwölf von HAL mit russischer Lizenz gefertigten Su-30 MKI die landgestützte Luftstreitkraft verstärken.

Adressat des Aufrüstungssignals dürfte neben dem alten Bruderfeind Pakistan vor allem China sein: Von diesem ebenfalls sehr einwohnerstarken aber wirtschaftlich noch deutlich mächtigeren Riesen trennt Indien nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern auch mehrere Konflikte darum. Die Territorien des ehemaligen Fürstentum Kaschmir sind heute nämlich nicht nur Teile von Indien und Pakistan, sondern auch von China. Das besetzte 1962 drei sprachlich und religiös buddhistisch und tibetisch geprägte Himalayateile: Das vorher von Islamabad aus verwaltete Shaksgam-Tal sowie die bis dahin indischen Gebiete Demchok und Aksai-Chin. Ein viertes umstrittenes Gebiet, das mehrheitlich von Nyishi- und Adi-Stämmen bewohnte Arunachal Pradesh, ist ein östlich von Buthan gelegener indischer Bundesstaat, der von Peking als ehemaliger Teil Tibets beansprucht wird.

In einem der Gebiete, in Ladakh, kam es Mitte Juni zu Auseinandersetzungen, die Medienberichten nach mit Knüppeln und Felsbrocken geführt wurden, weil man den dort stationierten Soldaten keine Schusswaffen mitgegeben hatte, um nicht versehentlich Konflikte eskalieren zu lassen. Die indischen und chinesischen Soldaten brachten es asiatischen Medienberichten nach aber auch mit primitiven Waffen auf mehrere Dutzend Tote, wobei die genauen Zahlen ähnlich stark variieren wie die Schilderungen der Abläufe. Stein des Anstoßes scheint ein indisches Straßenbauprojekt gewesen zu sein.

Trifft das zu, könnte es auch in Arunachal Pradesh zu Zusammenstößen kommen: Auch hier will Indien eine Straße bauen, die es dem Land unter anderem ermöglicht, in der Hochgebirgsregion deutlich schneller Truppen hin- und herzubewegen. Diese Straße soll von Lumla in der Nähe der Stadt Tawang nach Trashigang im buddhistischen Königreich Bhutan führen, dessen Berge China ebenfalls teilweise als der Volksrepublik zugehöriges Land sieht.

"Diamantenhalsband" gegen "Perlenschnur"

Aber nicht nur im Hochgebirge gibt es Spannungen, sondern auch auf dem Meer: Dort verfügt China nicht nur über zwei Flugzeugträger, sondern knüpft nach Ansicht indischer Politiker auch eine "Perlenschnur" an Stützpunkten, die Indien über Sri Lanka, die Maldiven, Pakistan und Dschibouti vom Meer aus einkesselt. Dieser Perlenschnur will die indische Regierung ein "Diamantenhalsband" entgegensetzen, das vom Marinestützpunkt Changi in Singapur bis zum Hafen Duqm im Oman reicht. (Peter Mühlbauer)