Indien treibt die Militarisierung des Weltraums voran

Mission Shakti: Im März testete Indien eine Antisatellitenrakete und schoss einen Satelliten ab. Screenshot von DRDO-Video

Das Wettrüsten im Weltraum geht ungebremst weiter und längst gefährlich über die Konkurrenz der Großmächste USA, Russland und China hinaus

Donald Trump hat schnell nach der Ankündigung neuer Wunderwaffen durch Russlands Präsident Putin, darunter Hyperschallraketen, ein atomgetriebener Marschflugkörper mit großer Manövrierbarkeit oder ein von Flugzeugen abgefeuerter Überschall-Marschflugkörper, die Einrichtung eines Weltraumkommandos angeordnet.

Da es bei den angeblich neuen strategischen Waffen Russlands vor allem darum geht, das amerikanische Raketenabwehrsystem auszuhebeln, wurden im Pentagon gleich Pläne erwogen, Abwehrraketen im Weltraum zu stationieren, um im Wettrüsten zwischen Raketenabwehrsystemen und den neuen Hyperschallraketen und -drohnen, die Überlegenheit zu sichern (Pentagon will Raketen im Weltraum stationieren). Die Pläne haben sich weiter konkretisiert: Pentagon plant Raketenabwehr aus dem Weltraum. Das würde aber gigantische Kosten mit sich bringen, erforderlich wären Tausende von auf Umlaufbahnen stationierte Raketen.

Eine auf einer Umlaufbahn um die Erde installiertes defensives und offensives Raketensystem war schon unter dem Schauspielerpräsidenten Ronald Reagan im Kalten Krieg unter dem Titel Strategic Defense Initiative (SDI) begonnen worden. Das ist im Konzept der Brillant Pepples gemündet. 1991 wurde es im Kontext des ersten Irak-Kriegs und nach dem Ende des Kalten Kriegs vom damaligen US-Präsidenten Bush auf ein begrenztes Raketenabwehrsystem reduziert, Bill Clinton ersetzte die Strategic Defense Initiative Organization durch die Ballistic Missile Defense Organization und senkte die Ausgaben, die dann George W. Bush trotz des Kriegs gegen den Terror wieder in die Höhe trieb, aus dem ABM-Vertrag ausstieg, das Raketenabwehrsystem NMD in den USA installierte und mit dem Plan, es auch in Osteuropa aufzubauen, den schon wegen der Osterweiterung schwelenden Konflikt mit Russland eskalieren ließ. Damit war die Bahn zum neuen Wettrüsten bereits gelegt.

Beginn des Wettrüstens

Dass sich die Kriegsführung auch in den Weltraum verlagert, wurde deutlich als China 2007 mit einer Rakete einen alten Wettersatelliten aus einer Höher von 850 km abschoss und damit demonstrierte, dass die für die moderne Kriegsführung notwendigen Navigations-, Kommunikations- und Überwachungssatelliten nicht mehr sicher sind. Der Schritt erfolgte, nachdem die USA sich weigerte, über eine Begrenzung der Aufrüstung im Weltall zu sprechen oder einen Treaty on Prevention of the Placement of Weapons in Outer Space voranzubringen. Das Nämliche gilt auch für den Cyberspace und biologische Waffen.

Die USA zogen schnell nach und demonstrierten ein Jahr später, dass sie mit einer SM-3-Abfangrakete des seegestützten Aegis-Raketenabwehrsystem einen alten Spionagesatelliten vor dem Eintritt in die Atmosphäre zerstören konnten. Seit 2010 experimentieren die USA auch mit der Weltraumdrohne bzw. dem wiederverwendbaren Raumgleiter X-37B, der oft monatelang im Weltraum unterwegs ist.

China soll hingegen mit einem Antisatellitensystem experimentiert haben. Auch Russland zieht nach, entwickelt die Antisatellitenrakete Nudol und experimentiert mit Antisatellitenwaffen. Auch das neue Raketenabwehrsystem S-500 dürfte mit Blick auf den Weltraum mit größerer Reichweite konzipiert werden (Aufrüstung im Weltall).

Indien: "Supermacht im Weltraum"

Das Wettrüsten beschränkt sich nicht auf die USA, China und Russland. Alle Staaten, die Weltraumtechnik entwickeln und Raumfahrtprogramme haben, geht es auch um den militärischen Einsatz im Weltraum, der ebenso wie der Cyberspace zur entscheidenden Domäne der Kriegsführung wird. Neben Israel, Japan oder Nordkorea, bedingt auch die EU ist vor allem Indien bestrebt, im Weltraum auch militärisch präsent zu sein. Im März hatte Ministerpräsident Narendra Modi verkündet, Indien sei neben den USA, China und Russland zu einer "Supermacht im Weltraum" geworden. Anlass war der erfolgreiche Abschuss eines Wettersatelliten durch eine Antisatellitenrakete. Schon 2007 begann Indien mit Tests dieser Raketen, die strategisch das nukleare Gleichgewicht mit Pakistan aushebeln.

Mission Shakti. Screenshot von DRDO-Video

Die Modi-Regierung hatte die Wahlen im Mai gewonnen. Jetzt hat die Regierung die Einrichtung der Defence Space Research Organisation (DSRO) beschlossen, mit der die im April gegründete Defence Space Agency (DAS), die Weltraumabteilung des Militärs, unterstützt werden soll, um explizit Weltraumwaffen und die dafür notwendige Technik zu entwickeln und damit Indiens Interessen im Weltraum militärisch zu verteidigen bzw. durchzusetzen. Auch die eigentlich zivile Indian Space Research Organisation und Militärforschungsbehörde Defence Research and Development Organization (DRDO) sollen mitwirken.

Sputnik hatte im April berichtet, dass die DRDO nach ihrem Leiter G. Satheesh Reddy an der Entwicklung von Techniken wie Energie- und Laserwaffen, EMP-Waffen oder Kampfsatelliten arbeite.

Am Mittwoch hat die DRDO angeblich erstmals eine Hyperschall-Rakete oder -Flugkörper getestet. Das Hypersonic Technology Demonstrator Vehicle (HSTDV) soll mit MACH 6 fliegen und in 20 Sekunden eine Höhe von 32 km erreichen können. Zudem will Indien auch eine Weltraumstation in wenigen Jahren einrichten.

Das Vorpreschen von Indien wird andere Staaten bestärken, ähnliche militärische Kapazitäten zu entwickeln. Vermutlich ist der Zeitpunkt längst verpasst, zu einem Abkommen zu kommen, das die weitere Militarisierung des Weltraums begrenzt oder verhindert. Dazu haben die USA wesentlich beigetragen, die durch ihr Verhalten, Supermacht zu sein und zu bleiben, sich keinen internationalen Verpflichtungen zu unterwerfen, das Wettrüsten in Gang gebracht haben. Das Streben nach Dominanz über alle anderen Staaten führt eben nicht zur Befriedung, sondern verstärkt die Risiken, das zeigt sich jetzt nur erneut. (Florian Rötzer)