Indien verkündet erfolgreichen Test einer Anti-Satelliten-Rakete

Narendra Modi bei seiner Fernsehansprache. Screenshot: TP

Für Ministerpräsident Modi ist das Land nun eine "Supermacht im Weltraum"

Heute verkündete der indische Ministerpräsident Narendra Modi in einer Fernsehansprache den erfolgreichen Abschuss eines Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn durch eine ASAT-Rakete. Nach dieser Mission "Shakti" ("Kraft"), so der Politiker, sei sein Land eine "Supermacht im Weltraum", weil das bislang nur drei anderen Länder gelang: Den USA, Russland und China.

Auf Twitter lobte der indische Ministerpräsident den Test der Rakete als "Moment ausgesprochenen Stolzes" für die Nation, der die Zukunft kommender Generationen maßgeblich mitprägen werde. Dass die Erfolgsmeldung kurz vor den bald beginnenden Parlamentswahlen kommt, ist wahrscheinlich kein bloßer Zufall. Auch deshalb nicht, weil Modis Hindu-Partei BJP den Umfragen nach nicht auf eine bequeme absolute Mehrheit hoffen darf (vgl. Indien vor den Wahlen: Modi ohne Mehrheit?).

Wegen des Werbewerts ist auch nicht ganz sicher, inwieweit der Test tatsächlich erfolgreich war. Dass gerade Angaben, die militärische Angelegenheiten betreffen, mit Vorsicht zu genießen sind, zeigten zuletzt die sich teilweise diametral widersprechenden Behauptungen Indiens und Pakistans in der jüngsten Konfliktepisode um Kaschmir (vgl. Kaschmir: Abschüsse und Verkäufe)

"Raketenstartprovider der Welt"

Modi hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt 2014 angekündigt, Indien zum "Raketenstartprovider der Welt" zu machen (vgl. Indien soll zur Raumfahrtnation werden). Satellitentechnologie hilft seinen Worten nach gerade den einfachen Leuten, zum Beispiel durch E-Learning, durch Telemedizin, durch Heimarbeit und bei der Katastrophenhilfe.

Für P.M. Bali, den Generaldirektor für Perspektivplanung bei der indischen Armee, ist die Entwicklung eigener indischer Weltraumtechnologie auch für die Sicherheit des Landes enorm wichtig. Deshalb baut Indien auch ein eigenes Satellitennavigationssystem für Südasien auf: IRNSS, das (wie GPS) auch zivilen Zwecken dienen und den Einfluss auf andere Länder in der Region stärken soll.

2017 schoss die indische Weltraumagentur ISRO mit einer 49 Meter langen und 415 Tonnen schweren Rakete vom Satish Dhawan Space Centre in Sriharikota aus den TV- und Kommunikationssatelliten GSAT-9 in eine Erdumlaufbahn. Der darf nicht nur von Indien, sondern von allen Ländern in der 1985 gegründeten Südasiatischen Vereinigung für regionale Kooperation (SAARC) genutzt werden (vgl. Indien: Neuer Satellit für ganz Südasien). Bangladesch, Bhutan, die Malediven, Nepal und Sri Lanka nahmen dieses dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi zufolge "unschätzbare Geschenk", das die "Zusammenarbeit in ganz Südasien verbessern" soll, an. Pakistan und Afghanistan verzichteten dagegen zumindest vorerst, wobei Pakistan eine spätere Mitnutzung des auf eine Lebensdauer von zwölf Jahren ausgerichteten Geräts nicht ausschloss, wenn sich die Beziehungen zu Indien verbessern sollten.

Wichtigster regionaler Konkurrent China

Letzteres erscheint bei derzeitigen Stand der Dinge weniger wahrscheinlich, als dass es Indien gelingt, bis zum 75. Unabhängigkeitsjubiläum am 15. August 2022 einen bemannten Weltraumflug durchzuführen. Die indischen Raumfahrer sollen dann nicht Kosmonauten, Astronauten oder Taikonauten heißen, sondern Vyomanauten.

Deutlich ambitionierter sind manche Pläne indischer Wissenschaftler wie Sivathanu Pillai: Der bei der Indian Space Research Organisation (ISRO) beschäftigte Professor möchte die Energieprobleme des Landes durch den Abbau von Helium-3 auf dem Mond lösen. Das auf der Erde extrem seltene Mondstaubisotop könnte seiner Einschätzung nach bereits 2030 in Fusionsreaktoren zur Energieversorgung Indiens beitragen, obwohl bislang noch nicht einmal das Problem gelöst ist, wie man das Helium-3 oder die daraus gewonnene Energie so unaufwendig auf die Erde bekommt, dass sich der Abbau wirtschaftlich lohnt (vgl. Neues Rennen zum Mond).

Indiens wichtigster regionaler Konkurrent China ist dem Land in der Entwicklung neuer Weltraumtechnologie allerdings deutlich voraus: Im Januar gelang es der Volksrepublik, als erste Macht auf der Rückseite des Mondes zu landen (vgl. Mondlandung: China setzt Sonde auf dem Erdtrabanten ab). Bis 2022 will sie eine dauerhaft bemannte Raumstation einrichten, die mit Tianzhou-Raumfrachtern versorgt wird. 2024 soll dann ein bemannter Mondflug folgen, bis 2050 einer zum Mars. (Peter Mühlbauer)